Fechten WM
Florett-Herren frustriert und chancenlos

Die deutschen Florett-Herren gehen bei der Fecht-WM erstmals seit neun Jahren leer aus. Das Team um Peter Joppich und Benjamin Kleibrink unterlag Japan im Viertelfinale 38:45.

Als der Medaillentraum der deutschen Florettfechter beendet war, sprach Einzel-Weltmeister Peter Joppich Klartext. "Wir müssen uns nach der WM zusammensetzen und im Hinblick auf die Olympia-Qualifikation etwas ändern", sagte Joppich und ließ seiner Enttäuschung freien Lauf: "Wir haben schon in der letzten Saison schlecht gefochten, nur da sind wir bei der WM noch Zweiter geworden."

Bei den Titelkämpfen in Paris schaffte das Quartett mit Joppich, Olympiasieger Benjamin Kleibrink, Sebastian Bachmann und Andre Weßels dieses Kunststück kein zweites Mal. Beim 38:45 im Viertelfinale gegen Japan waren die Deutschen von Beginn an chancenlos, erstmals seit neun Jahren gab es kein Edelmetall im Mannschaftswettbewerb. Zuletzt hatten deutsche Mannschaften viermal in Folge Silber geholt. Nach Siegen gegen Südkorea (45:24) und Gastgeber Frankreich (45:34) belegte das deutsche Team am Ende Platz fünf. Weltmeister wurde China.

Große Enttäuschung im deutschen Lager

"Wir sind von dem Ergebnis sehr enttäuscht, denn wir hatten mit der Medaille geplant", sagte Sportdirektor Manfred Kaspar, und Bundestrainer Ulrich Schreck ergänzte: "Wenn man in der gesamten Weltcupsaison nicht einmal unter die besten Vier kommt, braucht man nicht davon zu träumen, Weltmeister zu werden. Das war insgesamt eine schlechte Leistung."

Auch in Hinblick auf die von Joppich angesprochene und im Mai 2011 beginnende Olympia-Qualifikation für London 2012 war das Ausscheiden ein schmerzhafter Rückschritt. "Wir müssen jetzt kleinere Brötchen backen", sagte Schreck, der seine Fechter nach der durchwachsenen Saison in Einzelgesprächen auf die WM-Aufgabe vorbereitet hatte: "Mit dem Ergebnis werden wir in der Weltrangliste wahrscheinlich auf Platz acht oder neun zurückfallen."

Schwere Ausgangsposition für 2012

Das bedeutet für die deutschen Florettfechter im Wettlauf um die Tickets für London 2012 eine schwere Ausgangsposition. Dem Team droht in den entscheidenden Weltcupturnieren bereits in den frühen Runden ein Duell mit starken Teams wie beispielsweise Erzrivale Italien.

"Früher waren wir damit erfolgreich, dass unsere beiden Zugpferde Joppich und Kleibrink vorgelegt haben", sagte Schreck, der fehlendes Selbstbewusstsein als Ursache für den Misserfolg ausmachte: "Doch jetzt sind wir in der Situation, dass das nicht mehr passiert."

Damit geht auch das Warten des Deutschen Fechter-Bundes (Dfeb) auf die dritte Medaille bei den Titelkämpfen in Paris weiter. Nach Silber für Säbelfechter Nicolas Limbach und Gold für Joppich im Einzelwettbewerb gingen die Deutschen in allen weiteren Entscheidungen leer aus. Am Freitag darf sich die deutsche Delegation noch einmal berechtigte Hoffnungen auf eine Medaille machen. Dann bestreiten die Degenfechterinnen um Olympiasiegerin Britta Heidemann und Europameisterin Imke Duplitzer ihren Mannschaftswettbewerb.

Für einen Eklat sorgten nach der 43:45-Niederlage gegen China im Finale die entthronten Weltmeister aus Italien. Nach dem abgelehnten Protest gegen die Wertung des Gefechts verharrten die Italiener unter Pfiffen des Publikums fast eine halbe Stunde lang auf dem Podium, auf dem eigentlich die Siegerehrung stattfinden sollte. Nachdem sie nicht mit den anderen Mannschaften zur Medaillenzeremonie einmarschiert waren, nahmen sie dann doch an der Vergabe teil.

© SID

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