Fechten WM
Gemischte Gefühle vor Fecht-WM

Die heute beginnende Fecht-WM in der Türkei wird wohl wenige Zuschauer in die Hallen locken. Das befürchtet der Deutsche Fechter-Bund, der aber auf sportliche Erfolge hoffen darf.

Hoffnung auf einen Goldrausch, Angst vor Geisterspielen: Die deutschen Stars um Olympiasiegerin Britta Heidemann blicken mit sportlicher Zuversicht, aber auch gehöriger Skepsis auf die WM in der Fecht-Diaspora Türkei (30. September bis 8. Oktober). Mit einer Handvoll Titelchancen reist das deutsche Team in das Urlauberparadies Antalya, der Verband befürchtet eine gähnend leere Halle.

"Es besteht die ganz große Gefahr, dass man überhaupt keine Zuschauer mobilisiert. Ich mache mir keine Illusion, dass der Funke überspringt. Für die Popularität des Fechtens werden wir hier nichts tun. Der Kontrast zu Peking wird sicherlich gewaltig", sagte Manfred Kaspar, Sportdirektor des Deutschen Fechter-Bundes (Dfeb), dem Sport-Informations-Dienst (SID).

Keine Live-Übertragungen in Deutschland geplant

Zusätzlich wird es gut ein Jahr nach dem Olympia-Boom mit Goldmedaillen für Heidemann und Benjamin Kleibrink nur sehr wenig Fernsehzeit für die Fechter geben. Kein TV-Sender plant, Livebilder auszustrahlen. "Da haben uns zwei Olympiasiege nicht weitergeholfen, da helfen auch zwei weitere Goldmedaillen nicht. Wir haben ja längst gelernt, damit zu leben", sagte Dfeb-Präsident Gordon Rapp.

Sportlich sind die Aussichten dagegen rosig. Insbesondere Heidemann wirkt vor den Titelkämpfen im riesengroßen Expo Center extrem selbstbewusst. "Ich will in die vorderen Ränge. Ich darf überhaupt nichts anderes wollen", sagt die Welt- und Europameisterin, die ihre goldene Serie fortsetzen will. "Ich habe schon sämtliche Rekorde geschlagen. Mein Lauf ist außergewöhnlich für die Fechtgeschichte. Ich hätte statistisch ja schon Olympia nicht gewinnen dürfen. Aber es läuft derzeit richtig gut", sagt die Ausnahme-Degenfechterin.

Kleibrink selbstbewusst, Verband gibt sich bescheiden

Bei ihren männlichen Florettkollegen scheint der Titel fast schon Pflicht. Kleibrink ist Olympiasieger, Peter Joppich beinahe Dauer-Weltmeister mit WM-Titeln 2003, 2006 und 2007. "Ich habe schon dreimal Silber. Es ist nicht so, dass ich Bock habe, nochmal Silber zu holen", sagte Kleibrink, der in den ersten Semesterferien seines Wirtschafstrechtsstudiums quasi nebenbei Weltmeister werden will. Der Konkurrent im eigenen Lager muss wieder einmal auf die Zähne beißen. "Ich habe Probleme mit der Schulter. Auf der Planche habe ich starke Schmerzen. Der Arm tut weh, wird lahm, bitter. Nach der WM werde ich eine längere Pause einlegen", sagte Joppich. "Diese extreme Belastung muss aufhören, ich muss zur Ruhe kommen."

Der Verband gibt den Fechtern kein Ziel vor. "Es wäre idiotisch, unsere Medaillenvorgabe anhand der EM-Ergebnisse zu errechnen", sagt Kaspar, und der Präsident bremst die Erwartungen: "Nur, weil wir Olympiasieger haben, marschieren wir jetzt nicht bei der WM durch. Wir sind keine Maschinen. Wir wollen, dass sich unsere Athleten formgemäß präsentieren."

Dass dies wahrscheinlich nahezu unter Ausschluss der Öffentlichkeit geschieht, ist ein großer Wermutstropfen. Türkische Fecht-Leidenschaft ist nicht zu erwarten. Kein Athlet der Gastgeber ist in den Top 50 der Weltrangliste zu finden, in einigen Disziplinen muss jenseits der 400 gesucht werden, um auf das Länderkürzel "TUR" zu stoßen.

© SID

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