Fechten WM
Olympia auch bei Fecht-WM im Hinterkopf

Mit mindestens einem Auge auf den Olympischen Spielen 2012 starten die Fechter heute in Paris in die WM. Im Mutterland des Fechtens warten emotionale Wettbewerbe in jeder Hinsicht.

Es wird ein emotionales Großereignis - nicht nur für die deutschen WM-Teilnehmer um die Olympiasieger Britta Heidemann und Benjamin Kleibrink. Doch bei aller Begeisterung wird auch im Mutterland des Fechtens das Fernziel Olympia 2012 immer präsent sein. "Wir werden den Erfolg eindeutig nicht an Medaillen festmachen", sagte Manfred Kaspar, Sportdirektor des Deutschen Fechter-Bundes (Dfeb), vor der am heutigen Donnerstag (4. bis 13. November) beginnenden WM in Paris dem Sport-Informations-Dienst (SID): "Wir wollen uns bei der WM gut für das Olympiarennen positionieren. Das schwingt im Hinterkopf immer mit."

Im Mai 2011 startet der Wettlauf um die Qualifikation für die Spiele in London. Mit einem guten Abschneiden bei der WM, bei der es dreifache Punkte für die Weltrangliste gibt, können sich die Deutschen eine gute Ausgangsbasis für die wichtigen Turniere sichern. Eine Teilnahme am größten Sportereignis der Welt ist für die meist nur bei diesem Anlass mitten im Rampenlicht stehenden Sportler Pflicht.

Heidemann will auch bei WM nach oben

Das weiß auch Degen-Olympiasiegerin Heidemann. "Der Fokus liegt bei mir auf der Periode vor London", sagte die Weltranglistenerste, die allerdings auch bei der WM eine Topplatzierung anstrebt, dem SID: "Ich kann schlecht oben stehen und sagen, ich hätte gerne den vierten oder fünften Platz. Die schönste Medaillenfarbe ist natürlich die goldene. Dass es im Fechten mal gegen mich ausgehen kann, das weiß ich."

Die bittere Erfahrung eines frühen Ausscheidens musste die 27-Jährige bereits beim ersten Großereignis des Jahres machen. Bei der Heim-EM in Leipzig im Juli verlor Britta Heidemann in der Runde der letzten 32 das deutsche Duell gegen Imke Duplitzer, die später auch den EM-Titel gewann. "Die EM war der einzige Wettkampf in diesem Jahr, der nicht so gut gelaufen ist", so Heidemann.

Völlig entspannt geht dagegen ihre Konkurrentin in die Wettkämpfe im Pariser Grand Palais. "Ich sehe den Europameistertitel eigentlich sehr, sehr locker. Fechten ist eben so: Heute hopp, morgen der Depp", sagt Duplitzer, die in Leipzig elf Jahre nach ihrem ersten EM-Titel erfolgreich war: "Die Weltspitze ist sehr sehr eng zusammen. Ich fechte, weil ich eben wieder Spaß gefunden habe."

Kleibrink will endlich wieder durchstarten

Ähnlich sieht es bei Florett-Olympiasieger Benjamin Kleibrink aus. Nach zwei durchwachsenen Jahren will der 25-Jährige wieder durchstarten. "Es war zuletzt schwierig für mich. Aber ich will natürlich auch noch andere Ziele verwirklichen als nur den Olympiasieg", sagt Kleibrink: "Ich bin noch kein Europameister, kein Weltmeister im Einzel gewesen." Zuerst muss der in der Weltrangliste auf einen Platz jenseits der 20 abgerutschte Olympiasieger aber am Donnerstag Paris in die Qualifikation.

Einziger amtierender deutscher Weltmeister ist Säbelfechter Nicolas Limbach. Der EM-Zweite und Weltranglistenerste geht daher auch mit einer klaren Zielsetzung ins Rennen: "Als Titelverteidiger will ich natürlich eine wichtige Rolle spielen und um WM-Gold mitkämpfen."

Doch auch abseits der Medaillen-Gefechte sind die Weltmeisterschaften in Paris etwas ganz Besonderes. In dem für die Weltausstellung 1900 erbauten Grand Palais, eigentlich ein Museum, werden die fechtbegeisterten Franzosen der Veranstaltung einen mehr als würdigen Rahmen verleihen. Im Gegensatz zum Vorjahr, als im türkischen Antalya teilweise gerade mal 50 Zuschauer die Wettkämpfe sehen wollten (Limbach: "Da waren wir fern ab der Fechtzivilisation"), sind die Finalkarten seit Wochen ausverkauft. Kein Wunder, schließlich ist Französisch die offizielle Wettkampfsprache auf der Planche.

© SID

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