Fechten WM
Titelkampf der "Goldstücke" Kleibrink und Joppich

Bei der WM in Antalya wird heute mit dem Florett der Titel ausgefochten. In Benjamin Kleibrink und Peter Joppich kommen die zwei heißesten Gold-Anwärter aus dem deutschen Lager.

Rivalen, Kameraden, Topfavoriten - und "keine besten Freunde": Olympiasieger Benjamin Kleibrink und Weltmeister Peter Joppich starten bei der Fecht-WM in Antalya gemeinsam ihren Angriff auf Florett-Gold. Der größte Kontrahent lauert im eigenen Lager.

"Wir kommen super miteinander aus"

"Wir sind absolute Konkurrenten, wir sind die beiden Besten, jeder will gewinnen. Wir gehen abends nicht zusammen raus, haben aber sonst ein ganz normales Verhältnis", sagte Joppich dem SID vor dem ersten Entscheidungstag. "Wir gehen nicht zusammen Bier trinken - das müssen wir auch nicht", sagte auch Kleibrink in einer kleinen Trainingspause im riesengroßen Expo Center: "Natürlich gibt es eine Rivalität. Aber wir kommen super miteinander aus."

Die wohl beste Beschreibung des nicht ganz einfachen Verhältnisses zwischen den beiden Topfechtern liefert in diesen Tagen der Sportdirektor des Deutschen Fechter-Bundes (Dfeb). "Dass sie Goldstücke sind, wissen wir. Beide haben Historisches erreicht. Sie müssen keine besten Freunde sein. Sie würden nicht zusammen Skat spielen, aber sie respektieren und sie pushen sich", sagt Manfred Kaspar.

An der türkischen Mittelmeerküste starten die Rivalen der Planche mit ganz unterschiedlichen Voraussetzungen. Kleibrink (Tauberbischofsheim), meistens reserviert und introvertiert, hatte nach den Olympischen Spielen im August 2008 bis Mai 2009 eine "ganz bewusste Wettkampf-Auszeit" genommen, spürt wieder den Hunger auf Erfolge, ist "gut drauf, es läuft". In den ersten Semesterferien seines Wirtschaftsrechtsstudiums soll es mit dem Titel klappen.

Der dreimalige Weltmeister Joppich (Koblenz), stets offen und höflich, schleppt sich mit schmerzendem Waffenarm seit Monaten von Wettbewerb zu Wettbewerb und sehnt Ruhe herbei. "Ich lasse mich für die WM fitspritzen, danach werde ich definitiv eine Pause einlegen", sagt Joppich, den eine Sehnenentzündung quält: "Ohne Spritze habe ich so starke Schmerzen, dass ich nach zwei Gefechten meine Waffe nicht mehr halten kann. Aber das Ziel habe ich immer vor Augen: Eine Medaille."

Bundestrainer Uli Schreck, Mannschafts-Olympiasieger von Barcelona 1992, lässt auch keine Ausreden zu: "Peter hat immer gesundheitliche Mankos gehabt, auch bei der EM in Plowdiw - da hat er sensationell gefochten." Kaspar beschwor die mentale Stärke der Topathleten: "Gott sei Dank sind unsere Jungs immer auf die Sekunde topfit. Wir wünschen uns inständig, dass es wieder so ist. Aber das ist nicht planbar."

Japaner Yuki Ota weiterer Titelanwärter

Geht es nach der Weltrangliste, ist der Japaner Yuki Ota, Kleibrink im Finale von Peking unterlegen, erster Anwärter auf Gold. Joppich belegt dort derzeit Platz zwei. Kleibrink ist Achter, weil er bedingt durch die lange Pause nur wenige Spitzen-Ergebnisse vorzuweisen hat.

Ebenfalls am Samstag werden die Medaillen bei den Säbeldamen vergeben. Für Alexandra Bujdoso (Koblenz), Stefanie Kubissa, Anna Limbach (beide Dormagen) und Sybille Klemm (Tauberbischofsheim) wäre der Sprung aufs Treppchen eine Sensation.

© SID

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