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Fechter hoffen bei Heim-WM auf Wende zum Guten

Am Samstag beginnt in Leipzig die Fecht-Weltmeisterschaft. Nach der Olympia-Pleite von Athen wollen die deutschen Athleten durch den Glanz möglichst vieler Medaillen neue Sponsoren gewinnen.

Nach der Olympiapleite von Athen ohne jedes Gold stehen die deutschen Fechter vor der am Samstag beginnenden WM in Leipzig am Scheideweg. Die öffentlichen Mittel für die einstigen Sieggaranten wurden drastisch gekürzt, jetzt sollen potenzielle Sponsoren überzeugt werden.

"Mit etwas Glück sind zwei bis drei Titel und sechs Medaillen möglich", sagte Gordon Rapp im sid-Gespräch. Der Präsident des Deutschen Fechter-Bundes (Dfeb) sieht trotz finanzieller Einschnitte das Team "optimal vorbereitet". Vereine und Landesverbände seien stärker gefordert und auch private Mittel notwendig gewesen.

Verbandspauschale um die Hälfte gekürzt

Die Sporthilfe reduzierte nach Athen - dort gab es nur je einmal Silber und Bronze - die jährliche "Verbandspauschale" für die Fechter von 650 000 Euro auf nun 237 000 Euro. Nicht ganz so drastisch fallen die Kürzungen des Bundesinnenministeriums ins Gewicht.

"Wir haben alles auf die Karte WM-Vorbereitung gesetzt, wollen mit Erfolgen schließlich unseren Marktwert steigern und Sponsoren festmachen", sagte Claus Janka. Der Sportdirektor macht auch die Problematik der Polarisierung in der Förderung deutlich: Das Geld fehlte für die Unterstützung von Sportlern aus der zweiten Reihe, die durchaus noch Perspektiven haben, auch als Trainingspartner wichtig sind.

Athleten müssen selbst bezahlen

"In Moskau beim Weltcup mussten wir Athleten uns um die Bezahlung von Flug oder Verpflegung selbst kümmern. Da sind wir natürlich auch mal zu Mcdonalds gegangen - und dann beschweren sich die Trainer über schlechte Ernährung", sagt Dennis Bauer (Koblenz). Ironisch fügte der Team-Olympiadritte mit dem Säbel von 2000 hinzu: "Im Sommer fehlte ich wegen einer Viruserkrankung, da konnte Geld gespart werden."

Ex-Säbel-Vizeeuropameisterin Sandra Benad (Eislingen), die auch aus finanziellen Gründen ihre Laufbahn nach der WM beendet: "Wir mussten in diesem Jahr schon einige Entbehrungen in Kauf nehmen. Aber wir wissen ja, dass mit Fechten kein Geld zu verdienen ist. Jammern bringt nichts."

Ist Unterstützungssystem gerecht?

Janka sieht das Unterstützungssystem für Wettkampfreisen aber durchaus als gerecht an, laut einer Rangliste werden die Gelder vergeben. Für die Stars fließt also mehr, ansonsten müssen eben Landesverbände und Vereine ran. Aber auch da ist Janka das Dilemma bewusst: Die "Kleinen" müssen das Geld für die Maßnahmen ihrer Topleute schließlich auch irgendwo anders einsparen. Beispielsweise beim Nachwuchs. Auch Rapp hält "Auslandseinsätze" für bestimmte Leute im Nationalteam ohne Dfeb-Gelder aber nicht für eine unhaltbare Situation: "Da müssen sich die Athleten durchbeißen."

Die Deutsche Sport-Marketing (DSM) kümmert sich seit Frühjahr um die Vermarktung des Dfeb, nahm mit Veränderungen wie beim Logo langen Anlauf für nun zwingend notwendige lukrative Verträge. "Mit der WM wollen wir beginnen, den Verband wieder auf wirtschaftlich solide Beine zu stellen", sagte DSM-Projektleiterin Jane Grimm.

© SID

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