Finalturnier statt K.o.-Runden
Europäischer Handball-Verband reformiert Champions-League

Die Europäische Handball-Föderation (EHF) plant nach Informationen des Handelsblatts eine umfassende Reform der Champions League – gegen den Willen der deutschen Spitzenklubs.

KÖLN. Von der Saison 2007/08 an soll der Wettbewerb in zwei Gruppenphasen abgewickelt werden, am Ende wird der Sieger in einem Final- Four-Turnier an einem Wochenende ausgespielt. Dies wird die EHF-Exekutive auf ihrer nächsten Sitzung am 16. September in Bratislava aller Voraussicht nach beschließen. „Ich bin sehr zuversichtlich, dass die Exekutive diese Vorlage absegnet“, bestätigte Michael Wiederer, der Generalsekretär der in Wien ansässigen EHF, den Plan des Verbandes.

Derzeit wird die Champions League in nur einer Gruppenphase (acht Vierergruppen) gespielt; danach ermitteln die 16 verbleiben Klubs den Sieger ab dem Achtelfinale im K.-o.-Modus (jeweils in Hin- und Rückspiel). Ab 2007 nun soll sich der ersten Gruppenphase eine weitere anschließen – mit vier Gruppen á vier Teams. Der jeweilige Sieger zieht in das Final Four. (Ab der Saison 2008/09 will die EHF dann noch ein Viertelfinale dazwischenschalten.)

Als Austragungsort für das Finalturnier ist unter anderem die 19 500 Zuschauer fassende Kölnarena im Gespräch; hier findet am 25./26. November – gewissermaßen als Testlauf – auch die von der EHF veranstaltete Klub-Europameisterschaft statt . Teilnehmer sind Ciudad Real, Medvedi Moskau, TBV Lemgo und VfL Gummersbach.

Ganz „erhebliche Bauchschmerzen“ beim THW Kiel

Großer Widerstand gegen die Reform der Champions League regt sich allerdings bei den betroffenen deutschen Klubs. „Die Reform ist abgestimmt mit den Spitzenvereinen“, sagte zwar Wiederer. „Ich höre davon das erste Mal“, sagt aber Thorsten Storm, Manager des Champions League-Halbfinalisten SG Flensburg Handewitt, „ich würde vorher gern mehr über die Vorteile für die teilnehmenden Klubs erfahren“. Der VfL Gummersbach hält sich, da in diesem Jahr erstmals in der europäischen Eliteklasse vertreten, zurück. Ganz „erhebliche Bauchschmerzen“ hat dagegen Uwe Schwenker, Manager des Rekordmeisters THW Kiel. „Wir kooperieren sehr gut mit der EHF“, sagt Schwenker, „aber bin strikt gegen diese Reform, das habe ich den Funktionären auch ganz klar zum Ausdruck gebracht.“

Das Hauptargument des Kieler Managers ist, dass den Vereinen mit der Reform die Einnahmen aus den Finalspielen fehlen. Auch das Final-Four-Turnier hält er strukturell für falsch: „Wie will man denn die Hallen füllen, wenn das Turnier in Barcelona stattfindet, und Barcelona ist gar nicht dabei?“ Diese Reform werde nicht nur das Interesse an diesem Wettbewerb senken, dräut Schwenker, „sondern das wirtschaftliche und sportliche Aus für viele Klubs bedeuten“. Dagegen müssten sich alle deutschen Klubs wehren. Schwenker will alles unternehmen, die EHF-Vertreter und die Vereine beim Champions League-Workshop am 12. September in Wien von der Gefährlichkeit der Reform zu überzeugen.

Der Reformeifer der EHF steht für Schwenker im Zusammenhang mit der bevorstehenden Gründung der „Group Club Handball“, die sich, vergleichbar der Fußball-G 14, am 24. November in Düsseldorf konstituiert: „Das sieht so aus, als wollte die EHF noch diese Sache durchziehen, bevor die Vereine sich wehren können.“ Und für Thorsten Storm ist die Champions League „ein weiterer Grund, die Gründung der G 14 noch schneller voranzutreiben.“

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