Finanzplanung
Chicago verrechnet sich bei Olympia

Chicago galt bisher als Favorit im Rennen um die Olympischen Sommerspiele 2016. Doch nun muss das amerikanische Organisationskomitee erhebliche finanzielle Fehlplanungen eingestehen - ausgerechnet kurz vor der Vergabe. Die bisher aussichtsreiche Bewerbung wackelt.

KÖLN. In einem Monat, am 2. Oktober, entscheidet das Internationale Olympische Komitee (IOC) in Kopenhagen über den Austragungsort der Olympischen Sommerspiele 2016. Favorit ist die amerikanische Stadt Chicago – doch kurz vor der Vergabe machen die Veranstalter mit finanziellen Fehlplanungen von sich reden. So musste das Organisationskomitee gestern eingestehen, dass es die Versicherungskosten viel zu niedrig angesetzt hatte.

Bei der Fehlkalkulation geht es um stattliche Beträge: Statt wie geplant 44 Mio. Dollar könnten die Ausgaben für Prämien auf rund 85 Mio. Dollar steigen. Die Versicherung soll Schäden in einer Höhe von bis zu 1,48 Mrd. Dollar bei der Vorbereitung und Austragung des Großereignisses abdecken.

Ein Unsicherheitsfaktor in der Kalkulation bleibt vor allem die Finanzierung der Versicherungsprämien für das Olympische Dorf in Höhe von 17,5 Mio. Dollar. Eigentlich sollen die privaten Entwickler den Betrag übernehmen – doch das ist längst nicht sicher. Sollten sich diese sperren, will das Veranstaltungskomitee die Versicherungskosten über Spenden finanzieren.

Sollte Chicago im Oktober den Zuschlag vom IOC erhalten, muss die Stadt einen vorgegebenen Vertrag unterschreiben, der sie zur Veranstaltung der Spiele verpflichtet – egal wie hoch die Kosten sein werden. Die US-Metropole konkurriert bei der Bewerbung um die Olympischen Spiele 2016 mit Tokio, Rio de Janeiro und Madrid. Anders als in den Ländern der Rivalen hat die amerikanische Regierung keine Garantie für die Finanzierung abgegeben – damit steigt der Druck auf die Stadt, sich gegen explodierende Kosten abzusichern.

Für Kritiker kommt die jüngste Fehlkalkulation nicht überraschend. Zuletzt nahm die „Chicago Tribune“ die erwarteten Kosten und Einnahmen genau unter die Lupe – und fand gleich eine ganze Reihe an Finanzierungsrisiken: Die Gehälter, Rechtskosten und Ausgaben für den Bau der Sportstätten seien zu niedrig angesetzt, die Einnahmen aus dem Verkauf der Namensrechte wiederum viel zu hoch.

Zumindest die Amerikaner selbst lassen sich von solchen Negativmeldungen nicht beirren: Einer gestern veröffentlichten Umfrage der Kölner Sponsoringberatung Sport + Markt zufolge ist der Enthusiasmus in der US-Bevölkerung ungebrochen. 92 Prozent der Befragten unterstützen die Bewerbung Chicagos – damit liegen die Amerikaner nur knapp hinter den Spaniern, die auf 93 Prozent kommen. Die Brasilianer stehen immerhin noch zu 90 Prozent hinter der Kandidatur ihrer Stadt Rio de Janeiro.

Skeptischer sind die Japaner: Nur 72 Prozent stehen der Bewerbung Tokios positiv gegenüber – dabei gilt die japanische Hauptstadt zusammen mit Chicago als Favorit auf den Zuschlag des IOC. „Die Bewerbung Tokios hat im eigenen Land keinen ausreichenden Rückhalt“, sagte Hartmut Zastrow, Vorstand von Sport+Markt. „Das schwächt die japanische Bewerbung sehr stark. Die Begeisterung der Bevölkerung für eine Sportveranstaltung ist ein Schlüsselkriterium für den Erfolg des Events.“ Bloomberg

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