Finanzstrategie gesucht
Deutscher Volleyball zu klamm für die Weltliga

Deutschland hatte erstmals die Volleyball-Europaliga gewonnen. Doch der größte Sieg der vergangenen Jahre und die damit verbundene Ticket für die Qualifikationsspiele zur Weltliga bringen für den Deutschen Volleyball-Verband (DVV) Probleme mit sich.

PORTIMAO. Die Nationalspieler hatten am Sonntag auf der Partymeile am Strand von Portimao einen guten Grund zum Feiern: Deutschland hatte erstmals die Volleyball-Europaliga gewonnen. Im Endspiel des Finalturniers in Portugal siegte das Team gegen Europameister Spanien mit 3:2. Es war die erste Niederlage für die Iberer in der gesamten Europaliga-Saison. Doch der größte Sieg der vergangenen Jahre bringt für den Deutschen Volleyball-Verband (DVV) Probleme mit sich: Zwar ist das Ticket für die Qualifikationsspiele zur mit 20 Mio. Dollar dotierten Weltliga im nächsten Jahr gelöst – doch nun muss der DVV bis Ende Juli mehr als 250 000 Euro auftreiben. Neben der Startgebühr von etwa 175 000 Euro könnten weitere 80 000 Euro an TV-Produktionskosten auf den klammen Verband zukommen.

Bundestrainer Raúl Lozano übt harsche Kritik am Weltverband FIVB: „Natürlich wollen wir gern Weltliga spielen. Aber der Ablauf macht sinnvolles Planen und Arbeiten unmöglich. Das alles ist ein Desaster.“ Erst in der Woche der Europaliga-Finalrunde hatte die FIVB erstmals über die Premiere einer Weltserien-Qualifikation für den Europaliga-Sieger informiert – und das ist nun Deutschland. Ob der Verband aber sein Team teilnehmen lässt, ist angesichts der finanziellen Belastung fraglich.

Nach der WM-Qualifikation in Finnland Anfang August stünden Spiele voraussichtlich gegen Puerto Rico an. Bei einem Sieg käme es zum Entscheidungsspiel gegen einen der diesjährigen Weltliga-Letzten – also Venezuela oder Japan. Das alles wird wohl nach der Europameisterschaft in der Türkei im September stattfinden, wenn die Nationalspieler eigentlich längst bei ihren Vereinen sein sollten.

„Es wird vor allem finanziell schwierig, aber wir werden um die Weltliga kämpfen. Ohne sie kommen wir nicht weiter nach vorn“, sagte DVV-Sportdirektor Günter Hamel. In den nächsten Tagen muss der Verband Ausrichterstädte für die beiden Ausscheidungsrunden finden und mit TV-Sendern Verhandlungen aufnehmen.

2003 war Deutschland letztmals in der Weltliga dabei. Routinier Eugen Bakumowski kann sich gut an die Duelle mit den besten Nationen erinnern. „Die Weltliga ist eine wunderbare Sache. Wir brauchen sie, um besser zu werden“, sagte der Angreifer.

In Portugal war das deutsche Team auch ohne Kapitän Björn Andrae und Stammzuspieler Simon Tischer stark genug, um nach zwei vierten Plätzen 2004 und 2008 erstmals die Europaliga zu gewinnen. „Das war nicht der hochwertigste Erfolg, aber einer der schönsten“, sagte Jochen Schöps, der die Auszeichnung als bester Spieler gewann. Bei WM und Olympia war die Auswahl des DVV zuletzt auf dem neunten Platz gelandet.

© SID

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