Football und Basketball
Nowitzki und Co im Millionenstreit

In den amerikanischen Profi-Ligen ist der Streit zwischen Spielern und Ligachefs eskaliert. Die Spieler wurden ausgesperrt. Jetzt wachsen die Hoffnungen, dass Nowitzki bald in Deutschland spielen könnte.

KölnDirk Nowitzki spielt wieder in der Bundesliga: Auf diese Nachricht hoffen deutsche Basketballfans, nachdem sich die nordamerikanische Profiliga NBA mit der Spielergewerkschaft NBPA verkracht hat. Die US-Klubs haben Anfang Juli ihre Spieler ausgesperrt, weil sie sich mit ihnen nicht auf einen neuen Tarifvertrag einigen konnten. "Bevor ich ein Jahr lang herumsitze, spiele ich lieber woanders", sagt Nowitzki, der gerade mit den Dallas Mavericks die Meisterschaft gewonnen hat.

Einige NBA-Spieler sollen schon Verträge mit europäischen Topklubs geschlossen haben. Denn beim Tarifstreit liegen die Positionen weit auseinander - und der Spielraum der Klubbesitzer ist gering. In der vergangenen Saison fuhren 22 von 30 Teams Verluste ein, insgesamt rund 300 Millionen Dollar. Die Spielergewerkschaft ist kompromissbereit und hat angeboten, über einen Zeitraum von fünf Jahren auf 500 Millionen Dollar zu verzichten. Doch der Liga ist das zu wenig. "Die Besitzer der Klubs investieren, stellen die Arenen als Bühne bereit und beschäftigen Tausende Menschen. Es ist Zeit, dass sich ihre Investitionen auch auszahlen", sagt NBA-Boss David Stern.

Klubs nehmen Strafen in Kauf

Das Problem liegt in der Gehaltsstruktur: Zwar existiert in der NBA eine Obergrenze pro Team - sie liegt derzeit bei rund 58 Millionen Dollar. Allerdings handelt es sich dabei um eine sogenannte weiche Salary Cap: Teams können mehr ausgeben, müssen dann aber Strafen zahlen. Viele nehmen das in Kauf. Die Los Angeles Lakers entlohnen ihre Spieler pro Jahr mit mehr als 90 Millionen Dollar. Allein Kobe Bryant streicht davon rund 25 Millionen Dollar ein.

Die Liga fordert eine Gehaltsobergrenze ohne Ausnahmen. Die Profis halten nichts davon. "Sie argumentieren, dass sie nicht dafür bezahlen sollten, dass manche Besitzer ihre Teams falsch managen, hohe Schulden haben oder unrentable Arenen betreiben", sagt Paul Haagen, Sportrechtsprofessor an der Duke University in North Carolina.

Auf den ersten Blick ist die schwierige wirtschaftliche Lage der Klubs paradox: Der amerikanische Profisport schwimmt im Geld - und der Basketball macht keine Ausnahme. Im vergangenen Jahr nahm die NBA rund 4,3 Milliarden Dollar ein, mehr als je zuvor. TV-Einschaltquoten, Zuschauerzahlen und Fanartikelverkäufe sind zuletzt rasant gestiegen. Die Auslastung der Arenen liegt seit Jahren im Schnitt über der 90-Prozent-Marke. Die Los Angeles Lakers schlossen im Februar mit Time Warner Cable einen 20-Jahres-Vertrag, der ihnen geschätzte drei Milliarden Dollar einbringt.

Eiszeit auch im Football

Dennoch leben viele Teams über ihre Verhältnisse - nicht nur im Basketball. Sogar in der finanzkräftigsten Sportart Football ringt die Profiliga um ihre Zukunft. Seit März herrscht in der NFL ebenfalls Eiszeit zwischen Spielern und Teams, und auch hier geht es um die Verteilung der Einnahmen. 9,3 Milliarden Dollar erwirtschaftet die Football-Liga pro Jahr, und die Popularität ist höher denn je. Der Marktforschung Nielsen zufolge waren die beiden vergangenen Finalspiele, "Super Bowl" genannt, die am meisten gesehenen Fernsehprogramme der USA überhaupt - zuletzt schalteten 111 Millionen Zuschauer ein.

Im Football gefährdet der Ausschluss den Trainingsbeginn Ende Juli, die reguläre Saison beginnt im September. Die Basketballer haben bis zum Start der neuen Spielzeit zumindest noch bis Oktober Zeit. Bis dahin wird sich zeigen, ob Nowitzki tatsächlich bei Bamberg oder München anheuert.

Ingmar Höhmann
Ingmar Höhmann
Handelsblatt / Freier Mitarbeiter
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