Frankfurt Marathon
Manager laufen an der Spitze

Wenn beim Frankfurt Marathon 13 000 Läufer um den Sieg kämpfen, gehen auch etliche Manager an den Start: Jeder Dreißigste hat sich für die sogenannte Chefwertung angemeldet. Viele Unternehmen treten mit eigenen Teams an, um den Zusammenhalt der Mitarbeiter zu stärken.
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KÖLN. Er wird wieder angreifen, der IT-Direktor der Citigroup – mit langen Schritten und kurzen Blicken auf die Uhr. Wenn Marco Diehl am Sonntag beim Frankfurt Marathon antritt, geht es für ihn um ein Ticket nach Dubai – die Prämie für den schnellsten Manager. Der 40-Jährige kämpft in der Wertung für Führungskräfte um den Sieg. Mit einer Zeit von 2:31:13 Stunden landete er im Vorjahr auf Rang drei. Die ersten Plätze in der Gesamtwertung machen allerdings andere Athleten unter sich aus, wohl mit 20 bis 25 Minuten Vorsprung.

Doch auch markante Typen wie Diehl, von einer Fachzeitschrift 2008 zum „fittesten Manager Deutschlands“ gekürt, sind für den ältesten Stadtmarathon Deutschlands Gold wert. Von den 13 000 Läufern, die dieses Jahr auf der vollen Distanz antreten, hat sich fast jeder Dreißigste in der 2008 ersonnenen Chefwertung angemeldet. „Der Manager-Marathon ist ein Alleinstellungsmerkmal für Frankfurt“, sagt Renndirektor Jo Schindler.

Nirgendwo scheint die Parallele zwischen beruflicher Höchstleistung und sportlichem Grenzgang sinnfälliger als im Schatten der Bankentürme am Main. Schindler pflegt das Klischee ganz gerne: Für ihn „stärkt die Sonderwertung den Banken- und Finanzplatz Frankfurt“ – eine Art Standortwerbung mit den Mitteln des Sports. Für Marco Diehl ist der Lauf schlicht eine willkommene Gelegenheit zu zeigen, dass Banker „nicht alle dem Klischee entsprechen“. So könnten Manager nebenbei den ramponierten Ruf ihrer Spezies polieren.

Auch der neue Titelsponsor, die Commerzbank, hofft auf einen positiven Imagetransfer. „Wir werden den Marathon verstärkt für uns nutzen“, kündigt ein Sprecher an. Statt weiß-grüner Fahnen wie im Vorjahr wird gelb die Frankfurter Straßen und die Startnummern der Läufer schmücken. Der Hintergrund: Nach der Übernahme der Dresdner Bank und der Investmentbank Dresdner Kleinwort führt die Commerzbank auch deren Sportsponsorings bis 2011 fort.

Ein Lauf über 42,195 Kilometer kommt wie gerufen, wenn grüne Dresdner-Banker und gelbe Commerzbanker von ehemals konkurrierenden Unternehmen zu einem gemeinsamen Team werden sollen. „Bei uns in der Bank ist die Sportbegeisterung groß“, sagt Vorstandssprecher Martin Blessing, selbst „passionierter Hobbyläufer“. Schon beim Lauf „JP Morgan Corporate Challenge“ über 5,6 Kilometer stellte die Commerzbank im Juni mit knapp 2 500 Läufern das größte Unternehmensteam. „Ein tolles Zeichen nach außen“, sagt Blessing. Nun werden 152 Commerzbanker über die volle Distanz gehen, dazu treten 67 Mitarbeiter-Staffeln mit je vier Läufern an.

 

Die Hälfte der Startgebühren erstattet die Bank ihren Sportlern. Mehr noch: „Für die Läufer bieten wir Lauf-T-Shirts im grün-gelben Zusammenwachsen-Design an“, kündigt der Unternehmenssprecher an. „Gerade jetzt bieten emotionale Events wie der Marathon eine tolle Gelegenheit, noch enger zusammenzuwachsen“, sagt Karsten Petry, der das Sportsponsoring verantwortet. Sein Ziel: Wenn möglichst viele Mitarbeiter teilnehmen, wirkt das Sponsoring auch in Richtung Belegschaft. Dafür installierte das Unternehmen sogar eine interne Meisterschaft. Ob als Läufer, Helfer oder Jubler: Das gemeinsame Marathon-Erlebnis soll Begeisterung in der Bank entfachen.

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