Freiheitsstrafe droht
Hoyzer in Berlin festgenommen

Der frühere Schiedsrichter Robert Hoyzer sitzt aufgrund von Fluchtgefahr in Untersuchungshaft. Laut Staatsanwaltschaft hat Hoyzer noch nicht alles gesagt.

HB BERLIN. Die Generalstaatsanwaltschaft Berlin ließ am Samstag einen mit konkreter Fluchtgefahr begründeten Haftbefehl gegen Hoyzer wegen Mittäterschaft beim gewerbs- und bandenmäßigen Betrug in acht Fällen vollstrecken. Generalstaatsanwalt Hans-Jürgen Karge sagte, nach neuen Erkenntnissen habe es auch einen Versuch gegeben, Hoyzer zur Manipulation eines Spiels im November 2003 zu gewinnen. Durch diesen Umstand könne sich die Strafe für Hoyzer erhöhen, weshalb auch eine größere Fluchtgefahr vorhanden sei. In den kommenden Tagen soll bei einem Haftprüfungstermin entschieden werden, ob der 25-Jährige in Untersuchungshaft bleibt. Unterdessen richtete der Deutsche Fußball-Bund (DFB) eine Arbeitsgruppe des Präsidiums ein, um schnelle Entscheidungen in der Problematik der Wett- und Spielmanipulationen treffen zu können. Der DFB-Vorsitzende Gerhard Meyer-Vorfelder gehört dem Kreis nicht an.

Das DFB-Präsidium werde sich zudem an den Weltfußballverband Fifa wenden und bitten, die Möglichkeit eines Einsatzes von technischen Hilfsmitteln zur Stützung der Entscheidungen von Schiedsrichtern zu prüfen, erklärte der Verband. Fifa-Präsident Joseph Blatter hatte sich eindeutig gegen einen Videobeweis ausgesprochen. Auch sperrte der DFB den Schiedsrichter Torsten Koop, weil dieser den Verband erst am Donnerstag informierte, dass Hoyzer bei einer Schiedsrichter-Tagung Mitte Januar versucht habe, ihn anzuwerben.

Hoyzer hatte eingeräumt, von seinen Partnern aus der kroatischen Wett-Mafia von 2004 an insgesamt 67 000 ? und einen Plasma-Fernseher erhalten zu haben. Im Gegenzug hätten ihm die Drahtzieher genaue Anweisungen gegeben, welche Spiele er wie zu manipulieren habe. Nach einem Bericht des "Focus" hat er in Aussagen vor der Staatsanwaltschaft auch Manipulationen von Spielen im Pokal-Wettbewerb des europäischen Fußball-Verbandes Uefa angedeutet. Zudem hätten ihm seine Geschäftspartner Prämien zugesagt, wenn er Schiedsrichter aus der ersten oder zweiten Bundesliga anwerbe.

Seit der Aussage des Schiedsrichters habe bereits der dringende Tatverdacht der Beteiligung an betrügerischen Sportwetten und der hierzu nötigen Manipulation von Fußballspielen bestanden, erklärte der Berliner Staatsanwalt Michael Grundwald. Neue Erkenntnisse begründeten nunmehr den Verdacht, dass Hoyzer zusätzlich zu den eingeräumten Straftaten bereits vor dem Jahr 2004 mit weiteren bisher unbekannten Mittätern Straftaten gleicher Art begangen habe. Hoyzer müsse wegen der bereits eingeräumten an Wettmanipulationen "und dem jetzt neu zu bewertenden Verhalten nach den Taten" mit sehr empfindlichen Freiheitsstrafen rechnen.

Hoyzers Anwalt Thomas Hermes sagte, die Staatsanwaltschaft habe Aufklärungsbedarf angemeldet, weil Hoyzer ihr am Mittwoch über einen Versuch Dritter berichtet habe, das Spiel Chemnitzer FC gegen Sachsen Leipzig im November 2003 zu manipulieren. Der 25-Jährige habe das Angebot erhalten, gegen Geld auf den Ausgang des Spiels Einfluss zu nehmen, dieses aber nicht akzeptiert. Das Angebot habe nicht im Zusammenhang mit der kroatischen Wettmafia gestanden, mit der Hoyzer im Jahr 2004 mehrere Spiele manipuliert habe. Nach früheren Aussagen des Juristen gingen jedoch später 500 ? auf dem Konto seines Mandanten ein.

Die Berliner Staatsanwaltschaft wirft mehreren Schiedsrichtern und Spielern vor, im Jahr 2004 mehrere Spiele manipuliert zu haben, auf die vorher hohe Wetten abgeschlossen wurden. Insgesamt ermittelt die Justiz wegen Betruges oder Beihilfe dazu nach bisherigen Angaben gegen 25 Beschuldigte.

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