French Open
Das neue Gesicht von Paris

Gut, dass es sich Nick Bollettieri noch einmal anders überlegt hat. Eigentlich hatte der ehemalige Trainer von Andre Agassi keine Lust, sich das Spiel einer aufmüpfigen und drängelnden 12-Jährigen anzuschauen.

PARIS. Zumal die Bulgarin gerade in der ersten Runde der Eddie Herr International Junior Tennis Championships in Florida rausgeflogen war. "Sie kam zu mir und fragte mich, ob ich mir trotzdem ihr Spiel anschauen könnte, sie sei sehr gut", erinnert sich Bollettieri, der zunächst antwortete, dass er keine Zeit habe. "Dann kam sie zurück und sagte: Sie machen einen Fehler, wenn Sie mir nicht zuschauen." Er machte diesen Fehler nicht. Am nächsten Tag bat Bollettieri sie zu sich, "und nach 30 Sekunden habe ich zu meinen Trainern gesagt, dass sie einmal großartig werden wird."

Drei Jahre später sollte er Recht bekommen. Sesil Karatantschewa ist nun 15 Jahre jung und die Überraschung der French Open - auch wenn sie gestern im Viertelfinale an der Russin Elena Lichowtsewa mit 6:2, 4:6 und 4:6 scheiterte. Zuvor hatte sie unter anderem die ehemalige Nummer eins der Welt, Venus Williams, ausgeschaltet. Gegen Lichowtsewa lag sie im zweiten Satz schon ein Break vor, bekam dann aber ein wenig Angst vor der eigenen Courage. "Ich bin enttäuscht, weil ich meine Chance nicht genutzt habe, aber ich hoffe, dass ich in Zukunft noch einige Viertelfinals spielen und dann auch gewinnen werde", sagte sie.

Ihr Spiel ist schon jetzt sehr stark und überlegt. Insbesondere mit ihrer Vorhand kann sie ihre Gegnerinnen unter Druck setzen. In Nick Bollettieris Tennisakademie in Bradenton/Florida war sie einmal Trainingspartnerin von Thomas Haas. "Ich war geschockt, ich wusste überhaupt nicht, was ich sagen sollte, als ich erfahren habe, dass ich mit Haas spielen soll. Es war eine Ehre für mich", erinnert sich Sesil Karatantschewa. Der Deutsche war gleich von der Qualität der Bulgarin überzeugt. "Sie spielt sehr stark, hat schnelle Beine, trifft den Ball sehr hart, aber auch mit Spin und hat dadurch viel Kontrolle in ihrem Spiel", sagte Haas.

Mittlerweile lebt Karatantschewa nicht mehr in Florida, sondern wieder bei ihren Eltern in Sofia. "Es war zu schwierig, Amerika, Bulgarien und die Turniere zu verbinden. Jetzt ist alles unter einem Hut, und das ist besser so", sagt Karatantschewa. Ihr Vater Rado, früherer bulgarischer Rudermeister, ist ihr Trainer. Ihre Mutter war bulgarische Volleyballmeisterin.

Paris war Sesil Karatantschewas drittes Grand-Slam-Turnier. Bei den US Open 2004 unterlag sie in der ersten Runde der späteren Siegerin Swetlana Kusnezowa, bei den Australian Open ebenfalls in Runde eins Maria Scharapowa. Doch sie hat schnell gelernt. Schon in Paris musste nicht mehr sie die Stars fürchten, sondern die Stars sie.

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