Freude nach Olympiasieg
Im Sturzflug zu Gold

Es war ein Weg voller Hindernisse bis hin zum Olympia-Gold. Vorwürfe im Umfeld der Spiele, der Fauxpas von Anschieber Kuske sowie ein letzter Lauf im Schneesturm.

HB TURIN. Fürst Albert von Monaco war der erste Gratulant im Kufenstüberl, doch nach Mitternacht hielt nur noch Andre Lange Hof und stemmte sein erstes Zwei-Liter-Weißbier. Vergessen die Anstrengungen der letzten Monate, der Patzer seines Anschiebers Kevin Kuske und die Vorwürfe im Umfeld, die Deutschen würden ihre Kufen mit unerlaubten Methoden behandeln. "Das sind doch alles Dummschwätzer. Unser Material wird ständig kontrolliert und war immer okay", sagte der 32-jährige Oberhofer, der seinem Bremser längst verziehen hat.

"Wer uns kennt, weiß, dass in der Truppe der pure Sarkasmus herrscht. Abends um zwölf haben wir die Szene mit Kevin im Fernsehen gesehen und ich dachte: Na hoia. Es hatte geruckt, dann habe ich einen an den Schädel gekriegt, dann hat es wieder geruckt und ich habe mir überlegt, ob er nun drin ist", meinte Lange, der unbeirrt seine Fahrt fortsetzte: "Als ich in Kurve eins war, kam meine eigene Welt. Dann ziehe ich meinen Plan X durch. Als es dann auf der Zielgeraden gebremst hat, erledigten sich die Sorgen, dass Kevin nicht dabei ist."

Der 108-Kilo-Mann Kuske hatte seinem Piloten danach auch gebeichtet: "In diesem Moment lief im Kopf ein Notfallplan ab." Lange nahm es gelassen und meinte: "Da sind wir eben im Sturzflug zu Olympia-Gold gerast." Warum er in solch brenzligen Situationen so cool bleibe, erklärte er plausibel: "Wir haben in Oberhof ungemein harte Fußball-Matches, wer da nicht besteht, hat eh schon verloren."

Dass Langes Sause nach der Goldfahrt nur kurz ausfiel, hatte einen einleuchtenden Grund: "Das war nur das Matchbox-Rennen, wir müssen jetzt die Vierer-Geschichte vorbereiten." Damit meinte der Thüringer den olympischen Doppelsieg, wie ihn 1984 in Sarajevo sein Idol und Wegbereiter Wolfgang Hoppe schaffte. "Meine innere Uhr läuft ja auch. Ich bin momentan auf einem gewissen Zenit, wie lang der anhalten wird, weiß ich nicht. Jede Chance, die ich habe, will ich auch nutzen", betonte Lange, der bis 2010 weitermachen will.

Für das Unternehmen "Doppelgold" fiel am Montagmorgen als erstes der Bart. "Ich kann es mir nicht leisten, wenn die Haare im Gesicht länger sind als auf dem Kopf. Jetzt muss er bis zum Vierer-Rennen halten", meinte Lange und stieß mit Fürst Albert auf seinen Sieg an. Der ehemalige Bobpilot der Monegassen fühlt sich abseits von Amtsgeschäften und High Society pudelwohl im Kufen-Lager: "Hier kann ich mich frei wie selten bewegen. Die Jungs sind unglaublich", sagte der Fürst, der früher im Eiskanal die eine oder andere "Prinzen- Rolle" hingelegt hatte.

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