Für lau läuft keiner über den Platz
Harte Zocker kennen kein Pardon

Vom Spiel um einen Drink im Clubhaus halten echte Gambler nichts. Bei ihnen geht es an jedem Loch um richtig viel Geld. Spielverderber müssen zu Hause bleiben.

Nichtgolfer, aufgepasst: Für lau läuft kein Franz Beckenbauer, Howard Carpendale, Rudolf Gröger, Heiner Lauterbach oder Gunter Sachs über den Platz. "A bisserl was geht immer, sonst wär?s ja langweilig", verrät der "Kaiser" das Motto, nach dem genannte Herrschaften und das gemeine Fußvolk weltweit in geselligen Clubs verfahren. Nur mit Mutti, Freundin oder Geschäftsleuten driven, chippen und einlochen legen sie schnell unter dem Sammelbegriff "Sozialgolf" ab. Höchste Gefühle und heftige Adrenalinstöße widerfahren ihnen dagegen bei regelmäßigen Zockpartien. Gerade unbekannte Plätze geben dem Ganzen einen besonderen Kick. Wehe aber, der Starter in der Ferne oder das Sekretariat des Heimatclubs teilt Zockernaturen einen Spieler zu, der sich aus Wettspielen raushält. Begeisterte Zocker wollen Gleichgesinnte. Ulli Libor, bis April Geschäftsführer des Deutschen Golf Verbands, kann als "Spielverderber" im SAP-Club St. Leon-Rot ein Lied davon singen. "Egal wie gut oder schlecht ich spielte, für die Zocker war mein Golf bedeutungslos." Der zweifache Olympiamedaillen- Gewinner im Segeln will in so einem Flight nie wieder wie Falschgeld mitlaufen. Er schließt sich inzwischen Howard Carpendales Aussage aus der DVD "Was Sie schon immer über Golf wissen wollten?" an: "? Zocken beim Golf ist unmoralisch, verstößt gegen jede Etikette - aber es kann verdammt viel Spaß machen."

Für verbissene Zocker gilt nur ein Credo: Hauptsache, die Kasse stimmt. Gunter Sachs wollte mich auf seinem Heimatplatz Bad Wiessee kurzerhand aus der Partie kippen, weil mir "Chicago" zu seinen Konditionen zu riskant erschien. Um die Runde zu retten, lenkte ich kleinlaut ein, nachdem er mir mit einem Abschlag pro Punkt entgegenkam. Null Unterstützung erhielt ich bei dem Disput von Eberhard Schoener. Der einzige Kommentar des bekannten Komponisten lautete: "Mir ist es egal, wie hoch wir spielen." Scheint, als würde man in der Musikbranche gut verdienen. Chicago ist ein verfluchtes Spiel. Diese Spielform (siehe Kasten) belegt Ausschläge mit Höchststrafen. Ein Schlag mehr als Handicap und eineinhalb Riesen (1.500 Euro!) sind futsch.

Großes Zittern, vor allem auf dem Grün, befällt vorzugsweise männliche Wesen.Yips, dieses rätselhafte Nervenzucken, verschont weder Weltklassegolfer noch millionenschwere Amateure. Unvergessen ist mir die Zockpartie mit Claus Conrad, Seniorchef von Conrad Electronic, Europas größtem Elektronikhandel. Gegen Schluss der Runde zeigte der stets bescheidene Patron Nerven. Es ging wirklich nur um ganz kleine Scheine, was Conrad nicht davon abhielt, den 1-Meter-Putt mit einem unerklärlichen Muskelzucken weit vorbeizuschieben.

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