sonstige Sportarten
Funkstille zwischen NOK und Verbandschefs

Rund sieben Monate vor Beginn der Olympischen Winterspiele in Turin herrscht zwischen dem deutschen NOK und den Verbänden schlechte Stimmung. Grund ist die heftige Kritik der Fachverbände an den Rahmenbedingungen.

Die Stimmung zwischen dem Nationalen Olympischen Komitee (NOK) und den Fachverbänden macht wenig Geschmack auf die Olympischen Winterspiele 2006 in Turin. Nach heftiger Kritik der deutschen Verbandschefs an den Rahmenbedingungen der Spiele herrscht zwischen den Verbandsvertretern und dem NOK Eiszeit. Die Wintersport-Chefs Thomas Pfüller (Ski) und Stefan Krauß (Bob, Rodeln, Skeleton) fühlen sich durch NOK-Präsident Klaus Steinbach brüskiert, der sich ohne Rücksprache mit ihnen beim Organisationskomitee Toroc für ihre Aussagen entschuldigt hatte.

Am Donnerstag wollen die Kritiker beim turnusmäßigen Treffen der Wintersportverbände ihr weiteres Vorgehen beraten. Steinbach lehnte am Mittwoch über seinen Pressesprecher eine weitere Kommentierung des Vorganges ab.

Krauß und Pfüller üben heftige Kritik

"Das werden die schwierigsten Spiele seit 20 Jahren", hatte Pfüller beim Medientag in Hinterzarten im Ausblick auf Turin gesagt. Er und Krauß befürchten enorme Transportprobleme und kritisieren die fehlenden Bettenkapazitäten im Olympischen Dorf sowie die horrenden Preise für Ausweichquartiere. So zahlt der DSV allein 150 000 Euro Monatsmiete für ein angemietetes Haus für seine Athleten.

Als Reaktion auf die Kritik traf ein Beschwerdebrief von Toroc-Chef Valentino Castellani beim NOK ein: "Die Aussagen von Herrn Pfüller und Herrn Krauß sind nicht nur unfair, sondern erzeugen in der Öffentlichkeit auch ein falsches Bild über die Form der Transport- und Unterbringungssituation für die Athleten bei den Spielen", schrieb der Italiener.

Seine Entrüstung entzündete sich besonders an der Tatsache, dass eine deutsche NOK-Delegation eine Woche zuvor einen Besuch an den olympischen Sportstätten gemacht habe und mit "wohlwollenden Aussagen" abgereist sei. In der Sache nahm er nur zu einem Punkt Stellung: "Wenn die deutschen Verbände ihre Athleten außerhalb der Dörfer unterbringen wollen, können wir nicht für die Konsequenzen verantwortlich gemacht werden."

Steinbach ignoriert die Betroffenen

Statt das Gespräch mit dem Kritiker-Duo zu suchen, schrieb Steinbach an den Betroffenen vorbei einen Beschwerdebrief an die Präsidenten des Deutschen Skiverbandes (DSV) und des Bob- und Schlittenverbandes für Deutschland (BSD) und bedauerte auch in einer Antwort an Castellani die Kritik: "Die Aussagen entsprechen nicht dem Standpunkt des Nationalen Olympischen Komitees. Wir werden den Verbänden raten, mögliche Probleme künftig mit dem NOK und dem Toroc direkt zu besprechen und nicht über die Presse zu verbreiten."

Beide Sportchefs stehen zu ihren Aussagen. "Olympia ist doch nicht irgendein Sportfest, davon hängt der deutsche Wintersport existenziell ab. Da muss man doch mal gewisse Rahmenbedingungen einfordern dürfen", sagte Krauß, der gleichzeitig die sportliche Organisation in Turin ausdrücklich lobte.

Pfüller betonte, man wolle kein weiteres Öl ins Feuer gießen: "Aber man muss doch mal die Wahrheit sagen dürfen. Da braucht Herr Steinbach nur alle Trainer oder technischen Leiter zu befragen. Leider hat es bislang kein Gespräch mit ihm gegeben, aber nach dem Treffen der Wintersportverbände werden wir dem NOK unsere Meinung sagen."

© SID

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