Fußball WM
Fifa verzichtet auf WM-Gala in Berlin

Der Weltverband Fifa wird nun doch keine WM-Gala im Berliner Olympiastadion ausrichten. Das für den 7. Juni geplante Event fällt aus, um den Rasen für den WM-Spielbetrieb zu schonen.

Die WM in Deutschland ist um eine Feierlichkeit ärmer. Die für den 7. Juni geplante Gala des Weltverbandes Fifa mit rund 7 000 Darstellern im Berliner Olympiastadion fällt aus. Die Fifa entschied sich zur Absage, weil die Rasenfläche der Arena wenige Tage vor dem Auftakt der Weltmeisterschaft (9. Juni bis 9. Juli) zu sehr beschädigt würde.

"Ein termingerechter Abbau der aufwendigen Bühnen und Veranstaltungstechnik sowie ein darauf folgender Einbau eines neuen Rasens, der ab 12. Juni in perfekter Spielqualität zur Verfügung stehen müsste, ist nicht ohne erhebliche Risiken möglich", heißt es in einer Mitteilung des Verbandes, der sein Bedauern über den Entschluss ausdrückte.

Berliner Zeitung: Kosten waren zu hoch

"Wir haben uns die Entscheidung sicherlich nicht leicht gemacht, aber als Verband mussten wir den Sport in den Vordergrund rücken", sagte Fifa-Präsident Joseph Blatter. Die Berliner Zeitung allerdings berichtet in ihrer Samstagsausgabe, der wahre Grund für die Absage sei weniger das Problem mit dem Rasen als vielmehr die steigenden Kosten, die die veranschlagten 25 Mill. Euro angeblich deutlich überschritten hätten. Zudem sei der Absatz der Tickets, die zu Preisen zwischen 100 und 750 Euro angeboten wurden, nur schleppend angelaufen.

Dem widersprach Fifa-Kommunikationsdirektor Markus Siegler: "Die Absage hat absolut nichts mit Budgetgründen zu tun." Auch widersprach Siegler Gerüchten, es habe am Konzept von Andre Heller gelegen: "Wir stehen nach wie vor hundertprozentig hinter dem Konzept." Dieses sei für die Zukunft durchaus denkbar. Es müsse nur gewährleistet sein, dass es kein Risiko für die Spiele gibt. "Dann müsste die Feier in einem anderen Station stattfinden", so Siegler.

Das Organisationskomitee verkraftete den neuerlichen Rückschlag nach dem Ticketstreit und der Diskussion um die Sicherheit in den WM-Arenen anscheinend problemlos. "Wir finden die Absage bedauerlich, weil wir vom Konzept Andre Hellers fest überzeugt gewesen sind. Aber der Teufel liegt im technischen Detail. Wir empfinden es als Stärke des Weltverbandes, dass er frühzeitig eine solche Entscheidung getroffen hat", sagte OK-Sprecher Jens Grittner.

Wowereit denkt schon an Alternativen

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit reagierte mit Bedauern. "Berlin ist schwer enttäuscht, das trifft uns hart", sagte der SPD-Politiker. Wowereit kündigte an, als Alternative ein Eröffnungsfest auf dem Gelände der Fan-Meile vor dem Brandenburger Tor veranstalten zu wollen. "Ich werde darüber umgehend mit der Fifa, dem OK und der Bundesregierung Kontakt aufnehmen" sagte Wowereit.

Bereits seit Monaten liefen die Vorbereitungen für die WM-Gala auf Hochtouren. Mehr als 12 000 Freiwillige hatten sich bei mehreren Castings in der Hauptstadt beworben. Die künstlerische Leitung hatte der österreichische Künstler Andre Heller übernommen, für die Musik war die britische Pop-Ikone Peter Gabriel engagiert worden.

Andre Heller zeigt Verständnis

Heller offenbarte Verständnis für den Entschluss der Fifa. "Mit großer Traurigkeit verabschiede ich mich von der so spannenden Arbeit. Aber ich kann mich dem Argument, dass die WM-Spiele im Olympiastadion unter absolut perfekten Bedingungen abgewickelt werden müssen, nicht entziehen. Künstlerische Überlegungen, noch so gelungener Natur, müssen in diesem Fall zurückstehen", sagte der Künstler, der auch mit der Leitung der Eröffnungsfeier am 9. Juni in München sowie der Abschlussfeier am 9. Juli in Berlin betraut wurde.

In ihrer Mitteilung dankte die Fifa ausdrücklich der Stadt Berlin, den Darstellern sowie den Verantwortlichen. Der Verband werde sich in geeigneter Form für dieses Engagement erkenntlich zeigen, hieß es. Bereits erworbene Tickets werden vollumfänglich zurückerstattet.

Brender: "Es ist schade"

Sepp Blatter wollte trotz der Absage eine Fifa-Gala bei der nächsten Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika nicht ausschließen. "Ich persönlich halte die Idee einer aufgewerteten Eröffnungsveranstaltung nach wie vor für gut", erklärte der Schweizer.

Mit großem Bedauern nahm man die Absage bei ARD und ZDF zur Kenntnis, die die Gala aus Berlin live übertragen wollten. "Es ist schade, dass nun nicht, wie ursprünglich geplant, zwei Tage vor dem Eröffnungsspiel ein künstlerisches Signal in die Welt geht", sagte ZDF-Chefredakteur Niklaus Brender.

© SID

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