Fußball WM
WM bringt Fiskus warmen Geldregen

"Beachtliche Steuermehreinnahmen" kann die Bundesregierung laut dem Geschäftsführenden DFB-Präsidenten Dr. Theo Zwanziger dank der WM 2006 im eigenen Land erwarten. Die Prämien aller Teilnehmer werden hier versteuert.

Finanzminister Peer Steinbrück würde bei der WM in Deutschland wohl am liebsten zu England halten, allerdings nicht aus sportlichen Gründen. Da Trainer und Spieler der 32 Teilnehmerländer ihre Prämien komplett in Deutschland versteuern müssen, wären die Abgaben der Briten im Falle eines Titelgewinns am höchsten: Jedem englischen Nationalspieler winkt die Rekordsumme von umgerechnet rund 450 000 Euro.

"Das OK kalkuliert mit 200 Mill. Euro aus dem Verkauf der Eintrittskarten. Das bedeutet, dass wir alleine aus dem Ticketverkauf über 30 Mill. Euro Umsatzsteuer an den deutschen Fiskus abführen werden. Selbstverständlich unterliegen auch alle Spieler der Besteuerung in Deutschland. Für die deutsche Finanzverwaltung entstehen somit beachtliche Steuermehreinnahmen durch die WM", sagte der Geschäftsführende DFB-Präsident Theo Zwanziger dem Sport-Informations-Dienst (sid).

Steuersatz von 21,1 Prozent

Neben den Prämien müssen die Spieler und Trainer auch Einkünfte aus Werbung, Autogrammstunden oder TV-Auftritten an den deutschen Fiskus abführen. Der Steuersatz beträgt insgesamt 21,1 Prozent. Am wenigsten zu Befürchten haben ohnehin die Kicker der deutschen Nationalmannschaft, da ein Großteil seinen ersten Wohnsitz in Deutschland hat. Selbst Bundestrainer Jürgen Klinsmann zahlt trotz seines Wohnsitzes in den USA laut Berater Roland Eitel seine Steuern in Deutschland.

Relativ entspannt kann sich auch Weltmeister Brasilien im Falle des sechsten Titelgewinns auf die Ausschüttung der WM-Prämien freuen. In Roque Junior, Juan, Lucio, Ze Roberto und Gilberto spielen gleich fünf Stammspieler der "Selecao" in der Bundesliga. Für sie gilt also das gleiche Steuerrecht wie für Oliver Kahn und Co.. Glück haben auch die in Spanien unter Vertrag stehenden Ronaldo, Cicinho, Roberto Carlos und Ronaldinho. Denn zwischen Spanien und Deutschland sieht ein Doppelbesteuerungsabkommen für Einkünfte "aus einer persönlich ausgeführten körperlichen Tätigkeit" das Freistellungsverfahren vor. Sprich: Die Spieler sind in Spanien von der Steuer befreit.

Italien-Profis müssen doppelte Besteuerung fürchten

Ronaldinhos Teamkollege Cafu vom italienischen Spitzenklub AC Mailand droht dagegen ein herber finanzieller Verlust. Denn in Italien kommt wie in vielen anderen Ländern das so genannte Anrechnungsverfahren zum Tragen. Die WM-Teilnehmer müssten sowohl in Deutschland (Abzugssteuer) als auch in Italien Steuern bezahlen, wobei jedoch die deutsche Abzugssteuer im Wohnsitzstaat angerechnet würde. Insgesamt wäre die steuerliche Belastung für Verteidiger Cafu deutlich höher.

Freigestellt von Steuern sind während der WM nur Einkünfte, die alle 32 WM-Teilnehmerländer vom Weltverband Fifa beziehen. Die Fifa verlangt regelmäßige Erklärungen der Finanzbehörden von Ländern, die sich für eine WM bewerben, damit der Weltverband selbst und die teilnehmenden Länder von Einkommens- und Körperschaftssteuer befreit werden. Eine derartige Erklärung, die allerdings nicht für den DFB, die Spieler und die Trainer gilt, hat die Bundesregierung bereits im Jahr 1999 abgegeben.

© SID

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