Gastbeitrag
Zwei gleichberechtigte Kapitäne

Bei der diesjährigen Tour de France hat das Team Gerolsteiner die Qual der Wahl. Auf einen eindeutigen Kapitän will sich Teamchef Holczer nicht festlegen. Mit Levi Leipheimer und Georg Totschnig hat das Eifel-Team gleich zwei heiße Eisen im Feuer.

Unvergessen. Jubelnd reißt Georg Totschnig die Arme in die Höhe. Der Österreicher aus dem Team Gerolsteiner kann an jenem 16. Juli 2005 sein Glück kaum fassen. Gerade hat er die 14. Etappe der 92. Tour de France gewonnen. Der erste Sieg der Eifel-Equipe bei der Frankreich-Rundfahrt. "Nur" eine Etappe, aber ein Erfolg, der noch heute nachwirkt. "Wir haben gesehen, wie schön und nachhaltig es ist, eine Etappe bei der Tour zu gewinnen", sagt Hans-Michael Holczer. Am Samstag nun, dem 1. Juli wird in Straßburg mit dem 7,1 Kilometer langen Prolog die 93. Auflage der "Grand Boucle" gestartet. Und vor den insgesamt 3.657,1 Kilometern durch sechs Länder hofft der Gerolsteiner-Teamchef erneut auf bleibende Erinnerungen.

Zwanzig Etappen, darunter zwei lange Zeitfahren und drei Bergankünfte, warten auf die neun Rennfahrer aus dem Team Gerolsteiner und das Peloton bis das traditionelle Ziel am 23. Juli auf der Pariser Champs Elysées erreicht ist. Gelegenheit, um die Vorstellungen des Herrenbergers zu realisieren. "Natürlich träumen wir von einem Etappensieg, aber dazu braucht man immer auch etwas Fortune und das kann man nicht immer erwarten. Zum anderen haben wir in den vergangenen beiden Jahren stets einen Fahrer unter den besten Zehn in der Gesamtwertung gehabt. Das würde ich ebenfalls gerne wieder sehen", erklärt Holczer und spricht seine Doppelspitze an: Levi Leipheimer (2005 Sechster) und Georg Totschnig (2004 Siebter).

"Beide kommen für eine Topten-Platzierung in Betracht", möchte sich der Teamchef nicht auf einen Kapitän festlegen. Vielmehr, so gibt der Herrenberger zu verstehen, sind es zwei gleichberechtigte Kapitäne. Von diesen hat vor allem Levi Leipheimer zuletzt Selbstvertrauen getankt. Der Amerikaner stieg für viele durch seinen Sieg bei der Tour-Generalprobe, dem Critérium du Dauphiné Libéré in Frankreich, in den erweiterten Favoritenkreis auf den Gesamtsieg auf. Entsprechend formuliert auch der 32-Jährige seine Ziele. "Levi sagt, er kann in die Nähe des Podiums fahren. Ich widerspreche ihm da sicherlich nicht. Aber auch er weiß genau, dass in den drei Wochen alles passen muss. Dafür wollen wir sorgen", sagt Holczer und ergänzt: "Ziel bleibt ein einstelliger Platz. Je näher er am Podium liegt, umso besser."

Für diesen kommt natürlich auch Georg Totschnig in Frage. Der Österreicher hat sich dezent, aber akribisch auf die Tour vorbereitet - und diesmal ohne gesundheitliche Probleme; 2005 eine Bakterien-Infektion im Magen-Darm-Bereich den Gerolsteiner-Routinier behindert. Der 35-Jährige spielt im Konzept der Gerolsteiner daher die andere Hauptrolle in Sachen Gesamtwertung. "Es tut uns sicherlich gut, mit zwei Spitzenfahrern dabei zu sein. Wir sind offener, unberechenbarer und variabler", deutet der Teamchef an.

Unterstützt werden die beiden Gerolsteiner-Kapitäne bei der Tour, die auf der ersten Etappe einen rund 30 Kilometer langen Abstecher nach Deutschland macht, dabei vom Schweizer Routinier Beat Zberg und dem Österreicher Peter Wrolich sowie fünf ambitionierten deutschen Fahrern. Während aus dem Quintett Fabian Wegmann (2005 im Bergtrikot bei der Tour unterwegs), dem frischgebackenen Deutschen Zeitfahrmeister Sebastian Lang und Ronny Scholz bereits in Frankreich am Start waren, stehen Markus Fothen und David Kopp vor ihrem Tour-Debüt. Dass die Nominierung der beiden "Neulinge" aber nicht von ungefähr kommt, dafür haben die beiden Gerolsteiner-Profis zahlreiche Argumente geliefert.

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