Gelbes Trikot
Landis fokussiert den Gesamtsieg bei der Tour

Das Ziel ist eindeutig: Für Floyd Landis zählt nur der Gesamtsieg bei der Tour de France. "Wenn ich die Tour ohne einen Tagessieg gewinne, ist das absolut okay", sagte Landis, der erstmals das Gelbe Trikot Tragen darf.

Nach den Pyrenäen-Etappen der Tour de France ist Spitzenreiter Floyd Landis seinem Ziel ein gutes Stück näher gekommen. "Es geht einzig um den Gesamtsieg", erklärte der neue Spitzenreiter der Frankreich-Rundfahrt, nachdem er sich zum ersten Mal in seiner Karriere das Gelbe Trikot hatte überstreifen dürfen.

Die Fokussierung auf den ganz großen Triumph erinnert an die Erfolgsstrategie seines amerikanischen Landsmanns Lance Armstrong, dessen Nachfolge sich Landis allemal zutraut: "Ich habe das Zeug zum Toursieger."

Große Unterschiede zu Armstrong

Als Helfer des siebenmaligen Champions Armstrong hatte Landis von 2002 bis 2004 erlebt, wie im US-Postal-Team alles dem einen Ziel untergeordnet wurde. "Wenn ich die Tour ohne einen Tagessieg gewinne, ist das absolut okay", sagt der Kapitän der Schweizer Phonak-Mannschaft, als wollte er unterstreichen, wie sehr er die Denkweise seines Mentors verinnerlicht hat.

Doch der möglicherweise nächste Amerikaner auf dem Tour-Thron unterscheidet sich weitaus mehr vom Dominator der letzten Jahre als es auf den ersten Blick erscheint. Denn gerade die totale Kontrolle der eigenen Mannschaft, wie sie Armstrong perfektionierte, war Landis nicht so recht geheuer. "Ich passte nicht in das System", begründet der 31-Jährige seinen Abschied vom "Planeten Armstrong" Ende 2004.

Mit strenger Autorität wurde Landis seit seiner Kindheit konfrontiert. Seine tief religiösen Eltern, die der Gemeinschaft der Mennoniten angehören, erzogen ihn und seine fünf Geschwister nach den Werten ihres Glaubens. "Es gab nur Arbeit und Kirche", erinnert sich Landis an seine Jugend in Lancaster County. Als das Radfahren für ihn vom reinen Fortbewegungmittel immer mehr zur Passion wurde, reagierten die Eltern mit Ablehnung. Und als sein Vater ihm immer mehr Aufgaben aufhalste, um das Hobby seines Sohnes zu unterbinden, trainierte er eben nachts.

Mountainbike-Karriere mit 16 Jahren

"Für sie war Profisport damals keine würdige Art, seinen Lebensunterhalt zu verdienen", sagt Landis, der deshalb mit 16 Jahren sein Elternhaus verließ, um als Mountainbiker an der US-Westküste Karriere zu machen. Doch sein Talent für den Straßenradsport war größer: 1999 fuhr Landis für das Team Mercury bei der Tour de l´Avenir sein erstes internationales Rennen und belegte am Ende gleich den dritten Rang der Gesamtwertung. Nach ein paar harten Jahren kam Ende 2001 das Angebot von Armstrong und US Postal.

Heute ist Landis dafür dankbar: "Bei Armstrong und Johan Bruyneel habe ich alles gelernt, was man für den Sieg bei der Tour braucht." Auf der schweren Pyrenäen-Etappe am Donnerstag gab er davon schon mal eine Kostprobe. Als Etappen-Dritter hinter Sieger Denis Mentschow (Russland/Rabobank) und seinem Landmann Levi Leipheimer vom Team Gerolsteiner verpasste er zwar den Tageserfolg, baute aber seinen Vorsprung auf alle Mitfavoriten im Kampf um den Toursieg aus: "Das war erstmal das vorrangige Ziel, und das habe ich erreicht." Für die Entscheidung in den Alpen wird er sich ebenfalls schon eine Strategie zurechtgelegt haben.

© SID

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%