Geld für jeden Aussetzer
Beachvolleyballer Brinks loses Mundwerk hilft Filipinos

Julius Brink gilt im Beachvolleyball als Großmaul und Provokateur. Mit dem Ausleben dieser Charaktereigenschaften unterstützt der Leverkusener nun zusammen mit seinem Teampartner Jonas Reckermann die Stiftung „Justicef“, die sich auf den Philippinen um Straßenkinder, Zwangsprostituierte und arme Kleinstunternehmer kümmert.

MÜNCHEN. „Auf dem Platz muss ich den Gegner hassen. Das ist natürlich ein bitteres Gefühl und hilft im Leben nicht weiter“, sagt Julius Brink. Aus diesem Grund möchte der 26-Jährige etwas Gutes tun und spendet zusammen mit seinem neuen Partner Jonas Reckermann bei den Olympischen Spielen in London 2012 für jeden Aussetzer im Spiel. Sei es für Verwarnungen wegen Schiedsrichterbeleidigung oder Aufschlag- und Zuspielfehler. Die Strafgelder fließen in Form von Mikrokrediten an ausgewählte Kleinstbetriebe, an Handwerker, Fischer oder Schreiner. Die mittellosen Kleinunternehmer können sich davon neue Nähmaschinen, Wasserpumpen oder Boote kaufen.

Ein weiterer Teil des Geldes soll helfen, minderjährige Mädchen aus der Zwangsprostitution zu befreien. Allein in der südphilippinischen Millionenmetropole Cebu werden 10 000 Mädchen ausgebeutet. Insgesamt hat der Volleyballer, der im Vergleich zu Profifußballern eher überschaubar verdient, bereits mehrere Tausend Euro gespendet.

Vor Jahren schon beschloss Brink, sich für andere Menschen einzusetzen. Während seines ersten Trainingslagers in Rio de Janeiro, da war er gerade 20, hatte ihn sein brasilianischer Trainer Macao in eine Favela geführt und ihn dort mit Gewalt und Armut konfrontiert. „Das hat mich umgehauen“, sagt Brink. „Da habe ich mir geschworen: Ich will einmal nachhaltig helfen. Das versuche ich jetzt.“

Auf die Stiftung „Justicef“ wurde der junge Sportler allerdings eher zufällig aufmerksam. Sein Trainer Andi Künkler kennt Kuratoriumsmitglied und Volleyballfan Christoph Diekmann und brachte beide miteinander ins Gespräch. Brink erklärte sich bereit, seine Trikots auf der Website der Stiftung (www.justicef.org) versteigern zu lassen. Aber er wollte mehr tun. Ein „Justicef-Day“, an dem sich Jugendliche gegen eine Spielgebühr mit Brink und anderen Spitzenspielern im Sand messen können, spülte weitere Gelder in die Kasse.

Bei einem Besuch in Cebu konnte sich der Volleyballer kürzlich ein Bild davon machen, unter welchen Umständen die Armen dort leben und ob seine Spenden ankommen. Oft sind es nicht mehr als 3 000 Pesos, umgerechnet 50 Euro, mit denen sich die Unternehmer eine eigene Existenz aufbauen. An die erste Gruppe von 350 Bewerbern wurden 2,5 Millionen Pesos ausgeschüttet. Mehr als 99 Prozent der Klienten zahlten das Geld zurück, bestätigt Toni Salas von der lokalen Nichtregierungsorganisation „Justice, Peace and Integrity of Creation“, die für die Verteilung der Gelder zuständig ist

„Auf den Philippinen gibt es eine ausgeprägte Schamkultur“, erklärt Heinz Kulüke, Philosophie-Professor an der San-Carlos-Universität in Cebu. „Wenn man sich Geld leiht, zahlt man das auch zurück, sonst fühlt man sich minderwertig.“ Seit 29 Jahren kümmert sich der gebürtige Münsteraner als Streetworker und Missionar um die Menschen im Elend. Die Einheimischen nennen ihn ehrenvoll „Father Heinz“.

Brink hat Vater Heinz getroffen und ihn auf seinen täglichen Touren über die Müllkippen und in das Rotlichtviertel Kamagayan begleitet. Dort verteilt Missionar Kulüke Schmerzmittel, Süßigkeiten, Kondome und Weihwasser an Kinder und Mütter. Außerdem ringt Kulüke mit Hilfe von Justicef der korrupten Regierung in sogenannten „Housing-Projekten“ Land ab, um die Menschen von den Müllhalden an lebenswertere Orte umzusiedeln.

Von den Erlebnissen in Cebu zeigte sich der Beachprofi tief beeindruckt: „Wenn du das hier siehst, das Elend, die Ungerechtigkeit, die Korruption, dann kommt dir das, was du selbst machst, so unglaublich lächerlich vor.“ Am Ende der Reise umarmt Brink Streetworker Kulüke, der bei ihm so viel Bewunderung und Respekt genießt. Mehr als es je ein Schiedsrichter könnte.

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