Gerg kommentiert fürs ZDF
Mit einer Träne im Auge ans Mikro

Es sollte ihr Rennen werden. Das Rennen der Hilde Gerg. Doch statt bei der alpinen Damen-Abfahrt um olympisches Gold zu fahren, wird die Lenggrieserin am Mittwoch in San Sicario in einer engen Reporterkabine sitzen.

HB TURIN. Nach ihrem vorzeitigen Karriere-Aus wegen einer schweren Knieverletzung arbeitet die 30-Jährige für das ZDF als Co-Kommentatorin. Die Team-Weltmeisterin ist immer noch Profi genug, um im entscheidenden Moment ihre Gefühle im Griff zu haben. "Wenn ich in der Kabine sitze, bin ich voll konzentriert", sagte sie. Doch ganz hat sie den Schmerz noch nicht verwunden: "Die Tage vorher zu Hause waren ganz schlimm. Am liebsten wäre ich in die Karibik geflogen und hätte von den nächsten zwei Wochen nichts mitbekommen, weil es einfach weh tut."

Dass beim Blick auf bestens präparierte Pisten "mein Sportlerherz blutet", gibt die Slalom-Olympiasiegerin von 1998 freimütig zu. Doch sie freut sich auch, bei ihren vierten Winterspielen endlich einmal "das Flair von Olympia mitzubekommen, ohne immer einen Wettkampf im Hinterkopf zu haben". Ihre Premiere als ZDF-Expertin feierte Hilde Gerg Mitte Januar beim Weltcup-Wochenende in Bad Kleinkirchheim und gab dabei eine gute Figur ab. "Danach war ich fix und fertig. Als Sportler bist du einen Höhepunkt am Tag gewöhnt und lässt den Tag dann so ausplätschern."

Hilde Gerg sieht sich weder als Journalistin, noch als Teil des alpinen Skiteams. "Aber wenn ich anrufe, wird einem keine Tür zugeschlagen, im Gegenteil. Man wird mit offenen Armen empfangen." Bei der Mannschaftsführersitzung sitzt sie neben Kommentator Aris Donzelli und hört ruhig zu, wie die Namen der früheren Konkurrentinnen aufgerufen werden. "Das ist für mich extrem bitter, weil sie nicht hier sitzen, sondern ihr Name an der Anzeigetafel stehen sollte", sagt Cheftrainer Wolfgang Maier, der ausgerechnet vor Olympia den Verlust seiner besten Skidame verkraften musste.

In ihrer neuen Rolle ist Gerg mindestens genauso ehrgeizig wie zu Sportlerzeiten, bereitet sich mit Probekommentaren gewissenhaft vor. "Ich will mich halt vor all den Leuten nicht blamieren. Nicht, dass sie sagen, fahren konnte sie gut, aber es wäre besser, wenn sie jetzt den Mund hält", sagt die Lenggrieserin lachend.

In San Sicario stand sie bei der Streckenbesichtigung erstmals seit ihrem Kreuzbandriss im November wieder auf Skiern, auch wenn das Knie nach einer Stunde Belastung anschwillt. Deswegen ist die für April geplante Trekkingtour in Nepal fraglich, sicher hingegen ist die Eröffnung einer Ferienpension am heimischen Königssee im nächsten Jahr.

Hilde Gerg hat bereits einiges gelernt in ihrem neuen Job, zum Beispiel "warum die Journalisten immer so "blöd' gefragt haben." "Das ist Informationsnot. Ich bin mir da oft verfolgt vorgekommen, jetzt habe ich einen anderen Einblick". An vieles muss sie sich jedoch noch gewöhnen: "Für mich ist es schwierig, mich selbst anzuhören, ich mochte das schon früher bei Interviews von mir nicht." Mit Blick auf ihre Medien-Akkreditierung lüftet Hilde Gerg noch ein Geheimnis. Denn dort steht wegen eines Druckfehlers Nilde statt Hilde. Doch laut Pass heißt sie eigentlich Mathilde, gibt sie zu: "Den Namen Mathilde mag ich gar nicht, und den wusste bislang auch keiner."

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