Gerichtsurteil
Niederlage: Rothenbaum verliert Hauptsponsor

Elf Tage vor Beginn des Tennis-Turniers am Hamburger Rothenbaum steht Cheforganisator Michael Stich nach einer juristischen Niederlage ohne Hauptsponsor da.

dpa HAMBURG. Die Traditions-Veranstaltung darf nicht mit dem Wettanbieter Bet-at-home als Werbepartner auftreten und verliert dadurch Einnahmen in Höhe von 250 000 Euro. Die Entscheidung des Hamburger Verwaltungsgerichts beschert der veranstaltenden Hamburg Sports & Entertainment Gmbh (HSE) einen immensen finanziellen Schaden und dem Deutschen Tennis Bund (DTB) einen weiteren Rückschlag. Zudem ist der Imageschaden nach dem juristischen Streit enorm.

"Jetzt müssen wir schauen, dass wir die Finanzierung gesichert bekommen", sagte DTB-Präsident Georg von Waldenfels in Marbella, wo das Davis-Cup-Viertelfinale gegen Spanien ansteht. "Ich finde es schade, dass es überhaupt zu so einer Auseinandersetzung gekommen ist", ergänzte der Jurist aus München. Nach dem Verlust des Masters-Status und der Herabstufung in die dritte Kategorie scheint die Zukunft des Sandplatz-Turniers gefährdeter denn je. In diesem Jahr soll es aber auf alle Fälle wie geplant vom 20. bis 26. Juli in der Hansestadt stattfinden - auch ohne Hauptsponsor.

Einen Plan B haben Turnierdirektor Michael Stich und die HSE nicht in der Schublade. Dennoch bleibt der frühere Profi gelassen. "Die Entscheidung war keine so große Überraschung. Wir akzeptieren das und nehmen es zur Kenntnis", sagte Stich der Deutschen Presse-Agentur dpa. Ob er nun innerhalb von zehn Tagen einen neuen Hauptsponsor auftun werde, wollte er nicht sagen. "Machen Sie sich keine Sorgen. Wir gehen davon aus, dass wir eine schwarze null schreiben oder ein bisschen Gewinn machen werden", sagte Stich.

Ab dem 10. Juli wird das Turnier nun wieder International German Open heißen. Der Schriftzug des Wettanbieters muss von der Homepage, Plakaten, Werbebanden etc. entfernt werden. Ursprünglich sollte das Turnier "bet-at-home-Open" heißen. Wir gehen davon aus, dass das Geld von der Stadt kommt", sagte Stich. Der Hamburger Senat hat 200 000 Euro in Aussicht gestellt. Voraussetzung war der Verzicht auf den Wettanbieter. Die in Österreich ansässige Firma will nun die Stadt verklagen. "Wir werden Schadenersatzforderungen gegen die Stadt Hamburg prüfen und voraussichtlich auch einleiten", sagte Unternehmenssprecher Claus Retschitzegger der dpa. "Wir sind natürlich enttäuscht". Das Urteil nannte er "unverständlich".

Die Hamburger Behörde für Sport und Bildung teilte mit, dass die neue Situation geprüft werde. Eine Entscheidung über die Freigabe der 200 000 Euro soll noch fallen. Ursprünglich hatte Turnierchef Stich sowohl auf die 200 000 Euro von der Stadt als auch auf die 250 000 vom Wettanbieter gehofft.

Das Verwaltungsgericht hat mit seinem Beschluss die von der Hamburger Innenbehörde verkündete Unterlassungsverfügung bestätigt. Mit einem privaten Internet-Wettanbieter als Partner verstoße das Turnier gegen den Glücksspielstaatsvertrag, heißt es in der Begründung. Stichs Einwand, der Glücksspielstaatsvertrag sei nicht mit EU-Recht vereinbar, ließen die Richter nicht gelten. "Das ist seine Rechtsauffassung. Die wird von den meisten aber nicht geteilt", sagte Günther Ungerbieler, Vizepräsident des Oberverwaltungsgerichts Hamburg, räumte jedoch ein: "Das Europarecht gibt in der Tat nicht allen Mitgliedsstaaten die gleiche Lösung vor." Im nächsten Jahr wird dazu eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes erwartet.

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