Gesamtvolumen beträgt fünf Millionen Euro
1. FC Köln gibt eine Fan-Anleihe heraus

Kurz vor dem Saisonstart sind die alten Vorwürfe wieder da. „Der Overath hat uns ja einen Kracher versprochen“, sagte Liselott Kremer, die Witwe des 1967 verstorbenen legendären FC-Präsidenten Franz Kremer in der Kölner Ausgabe der „Bild“-Zeitung, „ich hoffe, er hält Wort.

Die sollen mal nicht so auf ihrem Geld sitzen.“ Die Befürchtung, der 1. FC Köln hüte sein Geld allzu sorgfältig und provoziere so den Wiederabstieg, sind derzeit nicht selten zu vernehmen. Manager Rettig gilt den Boulevardmedien als „Sparminister“. Und Ex-Trainer Christoph Daum verhöhnte den FC im „Kölner Stadt-Anzeiger“, als er gefragt wurde, ob er sich den Job beim FC vorstellen könne: „Nö, bei einer Bank arbeite ich nicht.“

Womöglich wird der öffentliche Druck jetzt, da der Fußball-Bundesligist eine Fan-Anleihe mit einem Volumen von fünf Millionen Euro emittiert, noch stärker. Zwar hat der Klub bereits 2004, als man institutionellen Investoren Genuss-Scheine anbot, laut Finanzgeschäftsführer Claus Horstmann „eine neue Strategie“ eingeschlagen. Die Einsicht hieß: „Wenn man nur das ausgibt, was man einnimmt, dann kommt man aus diesem Teufelskreis aus Bundesligaabstieg und -aufstieg einfach nicht raus.“ Mit der aktuellen Eigen-Emission, die laut Horstmann „in zehn Wochen aus dem Boden gestampft wurde“, aber kann der Klub seinen Saisonetat von 41 auf 43,5 Millionen Euro aufstocken. „Damit ist noch keine Mannschaft abgestiegen“, sagt Horstmann.

Die Inhaberschuldverschreibungen im Nennwert von 100 Euro, die von Mittwoch an bis zum 30. September gezeichnet werden können, werden mit fünf Prozent jährlich fest verzinst und 2011 zurückgezahlt. Sie sind für den Fan gedacht, der sich das Wertpapier als „Schmuck-Urkunde“ aufhängt. Laut Vize-Präsident Friedrich Neukirch denkt der Klub schon über weitere Emissionen nach, um so insgesamt rund 25 Millionen Euro zusätzlich zu erlösen. Wann, fragt man sich, gibt es die erste Anleihe auf Lukas Podolski?

Der 1. FC Köln ist nicht der erste Klub, der sich auf diesem Wege Kapital beschafft. Im Januar 2005 präsentierte Hertha BSC eine festverzinsliche Anleihe in Höhe von sechs Millionen Euro. Um eine weitere Anleihe in Höhe von etwa 35 Millionen Euro beim Londoner Investmentbanker Stephen Schechter bemüht sich der Verein noch. Im Fall von Borussia Dortmund hatte Schechter aus wirtschaftlichen Gründen davon Abstand genommen. Der FC Schalke 04 hatte 2004 zukünftige Zuschauereinnahmen in Höhe von rund 85 Millionen Euro verpfändet. Während Hertha und Schalke das Geld in erster Linie für nötige Umschuldungen nutzten, investiert der FC, der laut Urteil der Creditreform nach den Bayern und Hannover 96 der drittgesündeste Klub der Liga ist, es zu 80 Prozent in Spielergehälter. 500 000 Euro fließen in die Sanierung des Franz-Kremer-Stadions am Geißbockheim, 300 000 in die Jugendarbeit. Der Rest deckt die Emissionskosten und soll neue Geschäftsfelder erschließen.

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