Gewichtheben WM: Steiner 2.0 verzweifelt gesucht

Gewichtheben WM
Steiner 2.0 verzweifelt gesucht

Das Gewichtheben trifft in Deutschland auf wenig Interesse. Nachdem Matthias Steiner seinen Rücktritt 2012 angekündigt hat, wird nun bei der WM in Antalya der Steiner 2.0 gesucht.

In knapp zwei Jahren könnte Deutschland mal wieder eine Castingshow veranstalten - Titel: Deutschland sucht den neuen Superheber. Wenn Matthias Steiner nach den Olympischen Spielen 2012 in London seine Karriere beendet, wird die wenig beachtete Sportart ein neues, markantes Gesicht gut gebrauchen können - den Steiner 2.0.

Claus Umbach, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Gewichtheber (Bvdg), sieht derzeit noch keinen legitimen Nachfolger für den Olympiasieger. "Wir haben sehr talentierten Nachwuchs in Deutschland, bei dem wir aber abwarten müssen, wie er sich entwickelt. Die guten Leute sind rar", sagte Umbach dem Sport-Informations-Dienst (SID) am Rande der Weltmeisterschaften in Antalya.

Steiner hatte dem Gewichtheben mit seinem emotionalen Peking-Sieg vor rund zwei Jahren für mehrere Monate eine Beachtung beschert, die es zuletzt zu aktiven Zeiten der populären Superschwergewichte Ronny Weller und Manfred Nerlinger genossen hatte. Bei Steiner interessierte neben der sportlichen Leistung aber auch und insbesondere die private Geschichte.



"Matthias hat das Gewichtheben gesellschaftsfähig gemacht"

Der gebürtige Österreicher hatte auf dem Siegerpodest das Foto seiner ein Jahr zuvor bei einem Autounfall verstorbenen Frau in die Objektive der versammelten Weltpresse gehalten und war im Anschluss bei Ehrungen und TV-Shows herumgereicht worden. "Matthias hat das Gewichtheben gesellschaftsfähig gemacht", meint Umbach, "deswegen fängt aber noch lange nicht jeder mit dieser Sportart an."

Keine Rolle spielt bei dieser Problematik offenbar das "schwache Geschlecht". "Die Sportart würde auch nicht populärer werden, wenn unser hübsches Aushängeschild Julia Rohde Olympiasiegerin werden würde. Es gibt Sportarten, die lieber gemacht werden." Dazu passt, dass nach Umbachs Beobachtungen das Frauen-Gewichtheben in Westeuropa stagniert. Zuwächse gäbe es kurioserweise aber in den von Männern dominierten Gesellschaften im asiatisch-arabischen Raum.



Umbach denkt über Reformen nach

Um für den Nachwuchs und die Fernsehanstalten attraktiver zu werden, kann sich der ehrenamtliche Funktionär tief greifende Reformen auf internationaler Ebene vorstellen. Die Welt- und Europameisterschaften nur alle zwei Jahre im Wechsel auszutragen, wäre eine Möglichkeit. "In der Zwischenzeit könnten attraktive Wettkämpfe mit den besten Athleten und entsprechenden Preisgeldern ausgetragen werden." Dass es dazu einer breiten Zustimmung bedarf, macht die Sache nicht einfacher: "Veränderungen in Verbänden sind schwer durchsetzbar."

Ein Grundübel des Sports ist jedoch das ihm anhaftende Betrüger-Image. Neben dem Radsport hat kaum eine andere Sportart dermaßen mit dem Vorwurf des weit verbreiteten Dopingmissbrauchs zu kämpfen. Der Weltverband IWF beschloss bei der WM in Antalya ein härteres Vorgehen. Umbach kritisiert jedoch, dass die Anfang des Jahres gegründete Anti-Doping-Kommission des Weltverbandes nur formal unabhängig ist, da sie mit Mitgliedern aus den einzelnen Landesverbänden besetzt ist. "Das darf nicht sein", sagt Umbach, der Deutschland in einer Vorbildfunktion sieht: "Wir kämpfen mit allen Mitteln gegen Doping und zeigen, dass Höchstleistungen auch ohne Doping möglich sind."

© SID

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