Global Champions Tour
Geritten wird, wo Geld winkt

Reitspringsport auf höchstem Niveau an den schönsten Plätzen der Welt mit Spitzen-Preisgeldern und großem Glamour-Faktor - das ist das Konzept der noch jungen Global Champions Tour, die am Samstag in Doha zu Ende geht. Jan Tops hat mit dieser Mischung Erfolg: Wie der Holländer in kurzer Zeit mit seiner Serie den internationalen Reitsport aufgemischt hat.
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RIO DE JANEIRO/DOHA. Ob 50 goldene Sessel reichen? Wenn die Ehrengäste von Scheich Hamad bin Khalifa Ali Al Thani in ihren weißen Kanduras in der runden Arena Platz nehmen, wollen sie nicht in simple Leder-Feauteuilles sinken. Sie sind gekommen, um die Spitzenleistungen der weltbesten Pferde und Reiter zu sehen - und, genauso wichtig, ihre Ambitionen befriedigen Reichtum zu feiern. Das runde Stadion in Doha wurde extra für die Austragung der Global Champions Tour im vergangenen Jahr gebaut. In Zukunft soll es Doha für die Austragung internationaler Sportereignisse qualifizieren. Doch am Samstag endet hier erst einmal die diesjährige Springtour: Die Australierin Edwina Alexander führt nach acht Stationen vor Meredith Michaels-Beerbaum. Der Gesamtsieg ist ihr aber kaum mehr zu nehmen. Denn Michaels-Beerbaum verzichtet wegen ihrer Schwangerschaft auf einen Start in Doha.

Mehr als 1,4 Millionen Euro Preisgeld werden bei der letzten Etappe der Global Champions Tour diese Woche in Doha/Qatar auf der arabischen Halbinsel verteilt. Das sind Superlative. Es ist die mit Abstand höchstdotierte Serie des internationalen Springsports. Bei den Olympischen Spielen oder den Deutschen Meisterschaften geht es im kostspieligen Pferdesport nur um die Ehre und Medaillen. Im Finale der Global Champions Tour am Samstag wird der Sieger dagegen einen Scheck in Höhe von 300 000 Euro erhalten. Selbst für einen abgeschlagenen Platz 18 gibt es noch 6 000 Euro. Ein prima Taschengeld - denn die 30 besten Reiter der Weltrangliste werden zu der glamourösen Tour eingeladen. Die Veranstalter lassen es ihnen an nichts fehlen: Fünf-Sterne-Hotel und klimatisierte Stallbox, An- und Abreise für Pferd, Reiter und Pfleger, Startgeld und Verpflegung - alles kostenlos.

Reitsport auf höchstem Niveau an den schönsten Plätzen der Welt mit Spitzen-Preisgeldern - das war die richtige Mischung mit der Jan Tops, ehemaliger holländischer Olympia-Reiter, die Tour vor vier Jahren ins Leben rief. Neben den traditionellen Reitplätzen Europas wie Arezzo, Estoril und Cannes sind erstmals auch Newcomer dabei wie Rio de Janeiro und Doha. Insgesamt wird in neun Städten auf drei Kontinenten gestartet - "Global" steht also nicht nur im Namen der Tour, sondern auch für einen Trend im Reitsport: die Verlagerung von Spitzenturnieren aus der Reiterwiege Europas zu neuen Austragungsorten. Geritten wird, wo Geld winkt. Brasilien und die arabische Halbinsel etablierten sich als Stationen der GCT, bald könnten es auch Kiew, Riad oder Hongkong sein.

Glamour-Faktor Onassis

Das erinnert an die Entwicklung in der Formel 1. Aufstrebende Wirtschafts- und Rohstoffmächte wie Brasilien und die arabische Halbinsel investieren in Sport-Ereignisse der Luxusklasse. Beide Länder haben Ambitionen als Austragungsorte großer Sporteignisse, aber auch traditionell eine enge Beziehung zum Pferd oder Pferdesport: Die Scheichs als Araberzüchter, die Brasilianer als Springreiter.

Bei Olympia, dem CHIO in Aachen und beim Hamburger Derby gehören Brasilianer seit den 60er Jahren zu den Medaillen-Gewinnern. Bekannteste Vertreter: die Olympia-Reiter Nelson Pessoa, sein Sohn Rodrigo Pessoa und Álvaro Miranda Neto, den die Brasilianer "Doda" nennen. "Es war immer unser Traum, das beste aus dem Reitsport nach Brasilien bringen", sagt André Beck, Organisator des Events in Brasilien.

Manchmal braucht es noch eine Portion Zufall, dass ein Ort Teil von Jan Tops Springzirkus wird. Beispiel Rio de Janeiro, wo die Reiterelite Anfang August gastierte. Hier sorgt die 24-jährige Athina Onassis für den notwendigen Glamour-Faktor, um in die GTC aufgenommen zu werden. Seit vier Jahren ist die griechische Milliarden-Erbin und Springreiterin mit Doda verheiratet, den sie in Belgien bei Nelson Pessoa kennengelernt hat. Ihren Namen stellt sie für die Etappe in Brasilien zur Verfügung. "Ohne Gegenleistung", wie Beck versichert.

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