sonstige Sportarten
Godefroot: "Nie Pedale unter den Füßen verlieren"

"Du darfst nie die Pedale unter den Füßen verlieren", lautet das Lebensmotto von Walter Godefroot. Am Samstag feiert der Chef des T-Mobile-Teams seinen 62. Geburtstag und geht zum letzten Mal auf die Tour de France.

Der 2. Juli ist für Walter Godefroot in zweierlei Hinsicht ein besonderer Tag: Am Samstag feiert der Chef des T-Mobile-Teams seinen 62. Geburtstag und geht gleichzeitig zum 33. und letzten Mal auf die "Große Schleife". Mit etwas Wehmut, aber noch mehr Vorfreude: "Die Tour de France ist das Größte und Schönste, was der Radsport zu bieten hat", sagt Godefroot, der sein Amt zum Saisonende an Olaf Ludwig abgibt. Und natürlich hofft der Flame mit dem putzigen Deutsch, "dass unsere Fahrers mir Freude machen".

Seit 1992 dabei

Seit 1992 hat der Gründervater die Magenta-Mannschaften zur Frankreich-Rundfahrt und innerhalb kurzer Zeit in die Weltspitze geführt. 1995 gewann Erik Zabel seine erste Etappe, 1996 wurde Bjarne Riis erster Toursieger des Bonner Rennstalls, 1997 folgte Jan Ullrich als erster deutscher Triumphator.

Der Radsport-Boom, den er damit auslöste, veränderte ihn nicht. "Du darfst nie die Pedale unter den Füßen verlieren", lautet sein Lebensmotto, das ihn treffend charakterisiert. Als einer von wenigen mochte er Ullrich nicht voreilig als "Toursieger der nächsten fünf Jahre" feiern: "Das ist ein junger Mann aus Rostock. Warten wir ab, wie er den Triumph verkraftet", bremste er 1997 mit hellseherischer Vorahnung die Euphorie.

Einer der größten Merckx-Rivalen

Ihm konnte man nichts vormachen. Seit 1981 ist er bei der Tour als Sportlicher Leiter dabei, kein anderer Teamchef war schon als Fahrer so erfolgreich wie er. Sieben Mal war er zwischen 1967 und 1975 selbst am Start, hat jedes Jahr zumindest eine Etappe gewonnen, die zehnte und letzte 1975 in Paris. In der Ära Merckx zählte er zu dessen größten Rivalen, feierte Klassiker-Siege in Flandern oder bei Paris-Roubaix. "Auf meine zwei belgischen Meisterschaften gegen Eddy bin ich noch heute stolz", sagt er.

Nie stellte sich im Rennstall die Frage, wer das Sagen hatte. Auch Ullrich und der Sponsor stießen an ihre Grenze, als sie seinen früheren Assistenten Rudy Pevenage wieder ins Boot holen wollten. Nur vor dieser Tour hielt er sich bewusst zurück, sonst wäre Zabel wieder mitgefahren. Aber er wollte, ganz Profi, Ludwig und Mario Kummer eine Zerreißprobe ersparen.

Er führte immer an der langen Leine, weil er Eigenverantwortung verlangt. Deshalb schätzte er Leute wie Riis oder Zabel so, ein Ullrich musste ihm im Grunde wesensfremd bleiben.

In der Szene genießt er hohen Respekt und hinterlässt große Schuhe, denn trotz mancher Rückschläge leuchtete Magenta zehn Jahre lang vorn. Aber er wird nicht müde, den Partner Telekom zu würdigen: "Der Radsport in Deutschland hat seinen heutigen Stellenwert Leuten wie Ron Sommer oder Jürgen Kindervater zu verdanken."

Mit ganzem Einsatz und Herzen dabei

Zuhause in Gent führt er ein florierendes Radsportgeschäft ("Eigentlich führt es meine Frau"), das gerade erweitert wird und das seine Söhne übernehmen sollen. Die Familie hätte ihn gern am Samstag in ihrer Runde gehabt, doch er wollte nicht den Anschein aufkommen lassen, er würde auf seiner letzten Tour auch nur für einen Tag seine Mission nicht ernst nehmen.

Bis zuletzt ist er mit ganzem Einsatz und Herzen dabei, freut sich auf "alte Kameraden wie Raymond Poulidor". Da kommt so manche Geschichte hoch, "die ich unsere Fahrers nie erzählen dürfte", sagt er schmunzelnd und fügt hinzu: "Viele Leute meinen ja, ich müsste sehr viel Stress haben. Aber ich weiß gar nicht, was das ist." Man muss es ihm glauben, man sieht ihm sein Alter wirklich nicht an.

© SID

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