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Godefroot verabschiedet sich aus Profi-Radsport

14 Jahre lang leitete Walter Godefroot als Sportchef von Team Telekom und T-Mobile den erfolgreichsten deutschen Profi-Radrennstall. Am Wochenende zog der Belgier einen Schlussstrich unter seine Karriere bei "Magenta".

40 Jahre lang bestimmte der Profi-Radsport das Leben von Walter Godefroot, seit dem Saisonfinale der Straßensaison am Wochenende ist das vorbei. Der Belgier, der 14 Jahre lang an der Spitze des Bonner Radrennstalls stand, den er als Team Telekom und T-Mobile seit 1992 aus bescheidenden Anfängen in eine goldene Ära geführt hat, zieht sich ins Privatleben zurück - mehr oder weniger. Der deutsche Radsport hat dem Flamen viel zu verdanken, der schon als Profi (1966-1 978) zu den Besten seines Fachs gehörte.

"Kann zufrieden und glücklich sein"

"Ich kann zufrieden und glücklich sein", lautet sein Fazit zum Abschied. In seiner letzten Saison als Manager hatte der 62-Jährige bereits den Weg weitgehend für seinen Nachfolger Olaf Ludwig frei gemacht. Mit der Übergabe schließt sich der Kreis, denn der Mann aus Gera hatte einst die ersten großen Erfolge für den jungen Rennstall eingefahren.

"Es gab viele Erfolgsmomente", erinnert sich Godefroot. "Aber am nachhaltigsten waren die ersten Tour-Etappensiege von Olaf 1993 und Erik Zabel 1995 und dazwischen Ludwigs Erfolg am Henninger Turm 1994. Dadurch ist das Team gewachsen." Dann folgten die "goldenen Jahre" mit den Tour-Triumphen von Bjarne Riis 1996 und Jan Ullrich 1997.

Godefroot hatte die Plattform geschaffen für Ausnahmefahrer wie Zabel und Ullrich, damit sich die Bilderbuch-Karrieren der beiden entwickeln konnten. Zabel konnte von Ludwig lernen, Ullrich von Riis. Der "Telekom-Express" konnte nur zum Markenzeichen werden, weil sich harte Arbeiter wie Rolf Aldag, Udo Bölts oder Jens Heppner bedingungslos in den Dienst der Mannschaft stellten.

Tour-Triumphe 1996 und 1997

Godefroot vergaß nie, wie schmal der Grat war, auf dem er sich bewegte. 1995 stand man vor dem Aus, als Telekom erst in letzter Minute mit halber Mannschaft zur Tour zugelassen wurde, 1996 war man ganz oben. Auch nach dem Ullrich-Triumph 1997 verlor der Flame nie den Boden unter den Füßen, deshalb steckte er Rückschläge gelassener weg als viele andere.

Das galt auch für die Trennung von Ullrich Ende 2002, nicht aber für den "Verrat" seines langjährigen Vertrauten Rudy Pevenage. Ungern denkt er auch an das Jahr 2004 zurück, als er sich in einem Interview zu Ullrich falsch zitiert fühlte, der bei der Tour das Podium verpasst hatte. Mit seinem letzten Jahr im Chefsessel ist er dagegen zufrieden, obwohl nicht alles für Magenta nach Wunsch lief, Ullrich nur Tour-Dritter wurde: "Damit kann ich gut leben, wie auch mit der Bilanz der 14 Jahre."

Um die Zukunft "seines Rennstalls" ist ihm nicht bange: "Olaf Ludwig hat bislang eine konsequent gute Arbeit gemacht. Ich hoffe natürlich, dass Jan im nächsten Jahr die Tour gewinnt." Er selbst werde, so der Vater dreier Söhne, der seit 1967 mit seiner Frau Michelle verheiratet ist, dem Radsport "nicht mehr 24 Stunden lang und sieben Tage in der Woche" zur Verfügung stehen.

Aber in den Ruhestand geht er noch nicht. Drei Jahre lang will sich der Senior noch mit um sein großes Fahrradgeschäft im heimischen Gent kümmern: "Ich werde noch nicht der Rentenkasse zur Last fallen." Dass er nebenbei noch Nationaltrainer werden könnte, dementiert er eher halbherzig: "Ich bin absolut kein Kandidat, aber zu Gesprächen bereit."

© SID

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