Golf
Tiger Woods bringt Sponsoren in Bredouille

Unternehmen nehmen nach privaten Eskapaden des Golfprofis Werbespots aus dem Programm, in Talkshows sind die Affären des reichsten Sportlers der Welt Thema Nummer ein: Das Image von Golf-Superstar Tiger Woods ist angekratzt. Doch Marketingexperten glauben, dass Woods am Ende sogar vom Medienhype profitieren kann - wenn er die richtige Strategie einschlägt.
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KÖLN. "Ausgerechnet kurz vor Weihnachten", werden sich die Werbepartner von Tiger Woods denken. In der umsatzstärksten Zeit des Jahres hat sich der Golf-Superstar innerhalb kürzester Zeit selbst in den Bunker bugsiert. Seine außerehelichen Affären bescheren Woods nicht nur eine handfeste Ehekrise, sondern beschädigen auch sein Saubermann-Image - das er bisher bestens zu versilbern wusste. Die Werbepartner, die sich über millionenschwere Verträge an ihn gebunden haben, reagieren prompt: Der Marktforschung Nielsen zufolge ist Woods aus der TV-Werbung schlagartig verschwunden: Während der Hauptsendezeit ist zuletzt am 29. November ein 30-Sekunden-Clip des Rasiergeräteherstellers Gillette gelaufen. Zuvor war der Golfer noch in 15 verschiedenen Spots in Erscheinung getreten.

Das Werbeimperium rund um Woods wackelt: Es gibt es kaum eine Branche, in der er nicht in Erscheinung tritt. Der Golfer steht unter anderem bei Accenture, Nike, Pepsi, Tag Heuer und Electronic Arts unter Vertrag. Im Davie Brown Index, der Prominente nach ihrer Fähigkeit listet Konsumenten zu beeinflussen, ist Woods in kurzer Zeit vom sechsten auf den 24. Rang abgerutscht. "Sponsoren, die ethische Werte transportieren wollen, werden sich jetzt sicherlich zurückhalten", sagt Jean-Baptiste Felten, Vizepräsident des Fachverbands für Sponsoring Faspo.

Auch Woods-Merchandising-Artikel erhalten Ramsch-Status. Nach Angaben amerikanischer Medien haben Händler in den USA die Preise für seine Action-Figuren um ein Drittel reduziert. "Viele Eltern nehmen jetzt lieber davon Abstand, ihren Kindern eine Tiger-Woods-Puppe unter den Weihnachtsbaum zu stellen", sagt Christian von Thaden, Sportmarketingexperte des Düsseldorfer Beratungsunternehmens BBDO Consulting.

Videospiele, Spielfiguren, Golfplätze - es gibt kaum ein Produkt, mit dem Woods kein Geld macht. Er ist einer der ganz Großen des Sports, vom Einkommen her schon jetzt der Größte. Nach Angaben des Wirtschaftsmagazin "Forbes" hat er als erster Sportler überhaupt mehr als eine Milliarde Dollar verdient - dabei ist er erst 33 Jahre alt. Das alles dank einer perfekten Selbstinszenierung: ein Betriebswirtschaftsstudium an der elitären Stanford University, eine Familie mit zwei Kindern, eine Kinderhilfsstiftung - Woods verkörperte den smarten Schwiegersohn, den hart arbeitenden Profi-Golfer, den hilfsbereiten Philantropen.

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