Greenkeeper und ihre Leidenschaft
Der Kampf ums perfekte Grün

Nicht nur den Engländern ist der Rasen heilig, Greenkeeper rund um die Welt versuchen der Natur perfekte Abschläge, Fairways und Greens abzutrotzen. Millimeterkurz soll der Rasen rund ums Loch sein, samtweich die Fairways. Bis zu 200 000 Triebe pro Quadratmeter machen aus einer schlichten Wiese einen edlen grünen Teppich.

Vielleicht ist das Gras im University Park, dem Zentrum der Pennsylvania State University, ja tatsächlich ein wenig grüner als anderswo. Es wäre jedenfalls kein Wunder, denn in einem der alten Backsteinpaläste, in denen die Studenten arbeiten und wohnen, befindet sich das Center for Turfgrass Science, so etwas wie das Mekka der Rasenforscher dieser Welt. An der "Penn State" wurde vor mehr als 60 Jahren zum Beispiel die Golfrasensorte "Penncross" gezüchtet, die noch immer auf vielen Grüns wächst und unter Greenkeepern einen Ruf besitzt wie ein Jaguar-Oldtimer unter Autodesignern. Hier experimentieren und arbeiten die Grasforscher an immer neuen, noch besseren, noch grüneren Graspflanzen.

Zum Beispiel der Sorte "PennA-4". Die, so sagt Klaus Müller-Beck, der Vorsitzende der Deutschen Rasengesellschaft, "ist gerade der letzte Schrei. So etwas wie der Ferrari unter den Rasensorten." Das passt, denn "PennA-4"- Grüns gelten als besonders schnell. Die Sorte wächst auch auf den berühmten Grüns in Augusta, wo der Golfball so schnell über den Grasteppich saust, dass er den Golfern Respekt und Furcht einflößt. "PennA-4" ist die perfekte Grassorte für den heiligen Rasen. Und der wächst nicht überall. Traditionell grünt heiliger Rasen ja auf britischer Erde. "Es ist eine nationale Neurose", gibt der "Independent" zu. "Aber der Rasen ist Englands Beitrag zur Weltkultur." Erst nach 300 Jahren durchgehender Kultivierung gilt eine Grasfläche dort offiziell als "Lawn". Ein gut gepflegter Rasen ist das Symbol der britischen Zivilisation schlechthin, so wie die römischen Aquädukte oder die Autobahnen von Los Angeles emblematisch für andere Hochkulturen stehen. Schon im 13. Jahrhundert schrieb der Philosoph und Naturforscher Albertus Magnus: "Kein Anblick ist erhabener als jener von feinem, dichtem, kurz geschorenem Gras!" Ist es also ein Wunder, dass die Sportarten, welche die Englänger erfanden - Golf,Tennis, Fußball, Cricket -, alle auf Rasen gespielt werden?

Zwar wächst der heilige Rasen auch in den Betontöpfen von Wimbledon und Old Trafford, aber nur ein gut gepflegter Golfplatz lässt dem Engländer wirklich das Herz aufgehen.Wie ein grünes Meer erstreckt sich der durchschnittliche Golfcourse über mehr als hundert Hektar: 10 000 Quadratmeter Grüns, 12000 Quadratmeter Abschlagfläche, etwa 200 000 Quadratmeter Fairway; dazwischen wogt der grüne Rest - Heavy Rough, Moor und Wald -, dem der Spieler auszuweichen versucht und der im Idealfall die dekorative Funktion einer Fototapete einnimmt.

Seite 1:

Der Kampf ums perfekte Grün

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%