Group Club Handball
Europas Handballklubs klagen für mehr Rechte

Dem europäischen Profi-Handball steht möglicherweise eine erhebliche Verschiebung der Machtverhältnisse bevor. Die 16 Top-Vereine der Group Club Handball (GCH) wollen mit einer am Mittwoch eingereichten Klage bei der EU-Kommission ein umfassendes Mitspracherecht bei der Planung, Organisation und Vermarktung internationaler Handballturniere erstreiten.

BRÜSSEL. Während der Handball-Weltmeisterschaft 2007 wagte Gerd Butzeck den ersten Vorstoß. Im VIP-Raum der Dortmunder Westfalenhalle ging der Geschäftsführer der Group Club Handball (GCH) auf Hassan Moustafa zu, den mächtigen Boss der Internationalen Handball-Föderation (IHF). Butzeck teilte ihm mit, dass die von ihm vertretenen 16 europäischen Spitzenklubs künftig beim Terminkalender und der Vermarktung des Handballs mitzureden gedenken. Und dass sie mitentscheiden wollen, wann und wie oft die von ihnen bezahlten Profis für Länderspiele abgestellt werden.

Moustafa zeigte wenig Verständnis – er ließ Butzeck glatt abblitzen. Die Klubs seien für die IHF "nicht von Interesse", ließ der Ägypter wissen. Im Regelwerk des Verbands kämen sie nicht einmal vor. Beim zweiten Anlauf Butzecks – während der Konferenz der Europäischen Handball-Föderation (EHF) im April 2008 – wurde der IHF-Boss gar ausfällig. "Schmierige Geschäftemacher" nannte er die Klubs, die zuvor gedroht hatten, eine eigene Europaliga zu organisieren. Zwar wurden tatsächlich einige Vereinsvertreter in EHF-Gremien gewählt. Entscheidungsbefugnis jedoch besitzen sie allerdings kaum.

Die selbstherrlichen Auftritte könnte Moustafa noch bereuen. Denn nun schicken sich Europas Top-Handballklubs an, die Angelegenheit an höchster Stelle klären zu lassen. Am Mittwochmittag hat der Lütticher Rechtsanwalt Jean-Louis Dupont bei der Europäischen Kommission eine 42 Seiten umfassende Klageschrift eingereicht, die dem Handelsblatt vorliegt. Sollten sich die GCH-Klubs damit durchsetzen, könnten sich nicht nur im Handball, sondern im gesamten europäischen Sport die Gewichte zwischen Verbänden und Vereinen dramatisch verschieben. Ob Fußball oder Hockey – den Dachorganisationen droht ein enormer Machtverlust.

In den Mittelpunkt der Auseinandersetzung soll, so hoffen die Handballklubs, nun EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes rücken. Die 67-Jährige Niederländerin begreift ihre Rolle nach eigener Auskunft als die einer "Schiedsrichterin": "Wir wachen darüber, dass das Spiel fair abläuft und dass Personen und Unternehmen, die die Regeln brechen und das Spiel der anderen sabotieren, bestraft werden." Nun soll sie die Regeln für das Miteinander von Klubs und internationalen Verbänden prüfen.

Es sei ungeklärt, ob ein Schweizer Verein wie die IHF die Wettbewerbsfreiheit von Hunderten von Firmen einschränken dürfe, sagt Anwalt Dupont – darunter falle auch die Freiheit der Klubs. Im Detail geht es in der Klageschrift gleich um eine Reihe von grundlegenden und auch finanziell bedeutenden Fragen: nämlich darum, ob die IHF in ihren Regeln festlegen darf, dass Nationalspieler ohne Entgelt für Weltmeisterschaften oder Olympische Spiele abgestellt werden müssen. Ob allein die EHF Wettbewerbe wie die Europameisterschaft veranstalten darf. Oder ob allein IHF und EHF den Terminkalender des Handballs festlegen und unabhängig entscheiden dürfen, wie Welt- und Europameisterschaften vermarktet und wie die Erlöse verteilt werden. Auch der Punkt, ob allein die Verbände die Rechtsordnungen sowie die Sanktionsmöglichkeiten für die gesamte Sportart schaffen dürfen, steht auf dem Prüfstand.

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