Haas und Agassi raus
Deutsche Spieler gehen am Rothenbaum unter

Beim ATP-Masters-Turnier am Hamburger Rothenbaum erlebten die deutschen Spieler in diesem Jahr ein Fiasko. Nach den Auftaktniederlagen von Rainer Schüttler und Tommy Haas steht lediglich Nicolas Kiefer in der zweiten Runde. Das hat es in der Geschichte des seit 1892 ausgespielten Turniers am Rothenbaum noch nicht gegeben. Kiefer kämpft am Mittwoch gegen Sebastien Grosjean aus Frankreich um den Einzug ins Achtelfinale.

HB HAMBURG. Nach einem stürmischen Empfang durch die rund 8000, in Decken gehüllten Zuschauer entfachte Lokalmatador Haas unter dem schützenden Zeltdach des Center Courts nur ein laues Tennis-Lüftchen und wurde vom Slowaken Dominik Hrbaty mit 4:6, 5:7 aus seinem Heim-Turnier geworfen. Schüttler wehrte sich 2:48 Stunden verzweifelt gegen seine fünfte Auftaktpleite in Serie. Am Ende musste sich der Korbacher dem italienischen Qualifikanten Andreas Seppi aber doch mit 5:7, 7:6 (7:5), 4:6 geschlagen geben und kam wie im Vorjahr in Hamburg nicht über die erste Runde hinaus.

Auch Superstar Agassi, der nach drei Jahren Pause erstmals wieder in der Hansestadt aufschlug, bot im Beisein seiner Frau Steffi Graf und seines Sohnes Jaden Gil eine enttäuschende Vorstellung. Das 2:6, 6:7 (5:7) gegen Feliciano Lopez war nicht nur seine erste Erstrunden- Pleite in Hamburg, sondern auch die erste Niederlage gegen den Linkshänder aus Spanien. Bei allen anderen Turnieren in dieser Saison hatte der achtmalige Grand-Slam-Sieger mindestens das Viertelfinale erreicht. "Das war ein schlechter Tag. Es waren unheimlich schwierige Bedingungen", meinte Agassi und nährte Spekulationen um seinen nahen Rücktritt: "Ob ich kommendes Jahr wiederkomme, weiß ich nicht. Ich bin überhaupt nicht sicher, was nächstes Jahr ist."

Haas dagegen will es in seiner Heimatstadt trotz aller Schwierigkeiten wieder versuchen. "Der Druck hier ist immer besonders groß. Vielleicht will ich einfach zu viel", erklärte er nach seinem zweiten Erstrunden-Aus beim achten Auftritt in der Hansestadt. "Jeder kann sich vorstellen, was sich jetzt in meinem Kopf abspielt. Das ist eine Sache, die mich lange verfolgen wird", sagte Haas, der zuvor sechs der acht Vergleiche mit Hrbaty gewonnen hatte.

In Andre Agassi verabschiedete sich nur zwei Stunden später ein weiterer Publikumsmagnet von dem mit 1,87 Mill. ? dotierten, bedeutendsten deutschen Tennisturnier. Zwei Mal hatte er "Sandplatz- Wühler" Lopez bisher geschlagen, diesmal ging es auf dem Lieblingsbelag des Spaniers gründlich daneben. Aber Agassi versuchte zumindest Kampfgeist zu zeigen, was Haas zuvor nicht gelungen war.

Dabei war der in Florida lebende Hamburger optimistisch in die vorgesehene Revanche für das Daviscup-Debakel im Vorjahr in Bratislava ("Damals hatte ich nicht den Hauch einer Chance") gestartet. Souverän holte er auf dem roten Sand die ersten vier Punkte, und seine große hanseatische Fan-Gemeinde begann auf den kalten Rängen schon für die nächste Runde zu planen. Doch sie wurde vom emotionslos agierenden Haas bitter enttäuscht.

Hinterher lamentierte Haas über seinen Schläger, die Bespannung und meinte doch: "Ausreden bringen keinem etwas." Während Haas das Trikot wechselte und trotz der Kälte weiter kurzärmlig spielte, schien Hrbaty in seinem Sweatshirt mit abgeschnittenem Dreiviertelarm nicht einmal sonderlich ins Schwitzen zu geraten. In den wichtigen Momenten der Partie zeigte er die nötige Entschlossenheit und hatte auch das Quäntchen Glück.

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