Hamburger Olympia-Bewerbung

„Jetzt erst recht!“

Die Hamburger entscheiden am Sonntag über die Olympia-Bewerbung für 2024. Der Zeitpunkt ist nicht ideal: Terrorgefahr, Flüchtlingsströme und Skandale im Sport. DOSB-Chef Hörmann hofft dennoch auf ein „Jetzt erst recht“.
Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD, l-r), DOSB-Präsident Alfons Hörmann und Bundesinnenminister Thomas de Maziére (CDU) trafen sich am Donnerstag zum Gespräch über die Olympia-Bewerbung der Stadt. Quelle: dpa
„Hamburg 2024“

Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD, l-r), DOSB-Präsident Alfons Hörmann und Bundesinnenminister Thomas de Maziére (CDU) trafen sich am Donnerstag zum Gespräch über die Olympia-Bewerbung der Stadt.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDer Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes erwartet trotz der jüngsten Terroranschläge, der großen Flüchtlingsprobleme und der etlichen Sport-Skandale ein Ja der Hamburger zur Olympia-Bewerbung für 2024. „Ich stelle deutlich und klar eine positive Tendenz nach dem Motto fest: Jetzt erst recht!“, sagte Alfons Hörmann vor dem Referendum am Sonntag in der Hansestadt.

Angesichts all dieser Probleme sei es doch umso wichtiger, Ziele mit Hoffnungsaspekt zu formulieren und konsequent zu verfolgen. „Kopf in den Sand kann nicht die Lösung sein“, sagte er im Interview der dpa. „Meiner Meinung nach steht die Nation gerade jetzt spürbar zusammen.“

Bei einer vor den Terroranschlägen in Paris gemachten Umfrage hatten sich aber nur noch 56 Prozent der Hamburger für eine Kandidatur ausgesprochen; bundesweit fiel die Zustimmung von 66 auf 60 Prozent. Um die Olympia-Stimmung in Deutschland nach den Attacken an der Seine einschätzen zu können, gab der DOSB eine weitere Umfrage in Auftrag. Ergebnis: ein Anstieg der Zustimmung auf 64 Prozent. „Zwei Drittel der Deutschen bewerten das Projekt so, dass nicht nur Hamburg sondern unser ganzes Land profitieren werden. Ein sehr erfreuliches Fazit“, meinte Hörmann.

Für ihn würde eine Zustimmung beim Referendum von etwas über 50 Prozent ausreichen, um das Rennen gegen die Mitbewerber Budapest, Rom, Paris und Los Angeles bis zur Vergabe durch das Internationale Olympische Komitee (IOC) 2017 in Lima aufzunehmen. „Alles, was über 50 Prozent an Zustimmung liegt, gilt unter Demokraten als Legitimation, weiterzumachen“, sagte Hörmann. Er betonte aber: „Dass jeder Prozentpunkt mehr angenehm und hilfreich und ein Bonbon wäre, ist klar.“

An Spekulationen, ob das IOC Paris bei der Spiele-Vergabe als Zeichen für die Freiheit und gegen den Terror den Vorzug geben könnte, will er sich nicht beteiligen. Kein Mensch wolle im besten Sinne des Wortes einen Gedanken daran verschwenden, „ob das, was Schreckliches passiert ist, in irgendeiner Form Auswirkungen im Guten wie im Schlechten haben könnte“, sagte Hörmann: „Insofern beschäftigt uns rund um Paris vieles, aber nicht, ob es für jemanden Vor- oder Nachteile hat.“

So hätte Hamburg 2024 aussehen sollen
Hafeninsel bei Nacht
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So haben sich die Hamburger Olympiaplaner das Gelände für die Spiele 2024 vorgestellt: Die Hafeninsel Kleiner Grasbrook sollte das Olympiastadion, die Olympiahalle und das Olympische Dorf aufnehmen.

OlympiaCity
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Die Planer hatten sich intensiv mit der Nachnutzung beschäftigt: Anders als beispielsweise in Athen sollten die Sportstätten nach den Spielen nicht ungenutzt bleiben. Hier zu sehen: Das Olympiagelände nach den Spielen als neuer Stadtteil OlympiaCity.

Olympiastadion am Wasser
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Der Blick von oben zeigt: Das Olympiastadion sollte direkt am Wasser entstehen. Zum Olympischen Dorf führen im Entwurf mehrere neue Brücken.

Zu Fuß und per Rad erreichbar
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Der Blick von Westen: Das Bild verdeutlicht die Lage des Geländes; im Vordergrund die Elbphilharmonie. Die Bewerbung sollte beim IOC damit punkten, dass die Sportstätten häufig zu Fuß oder per Rad erreichbar sind. Fast alles sollte im Radius von zehn Kilometern um die OlympiaCity liegen. Die Macher versprachen auch, dass - anders als bei der Elbphilharmonie - die Kosten nicht aus dem Ruder laufen.

60.000 Sitzplätze
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Kernstück sollte das Olympiastadion auf der Elbinsel Kleiner Grasbrook sein.

Recycelte Tribünen
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Nach den Spielen sollte der äußere Rand des Stadions zu Wohnungen werden. 400 Einheiten sollten dadurch entstehen. Die Sitzschalen, die wegfallen, sollten recycelt werden – oder als Andenken verkauft. Im Inneren des neuen Wohnrings wären 20.000 Sitzplätze für Leichtathletikveranstaltungen geblieben.

Keine Proteste
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An Anwohnerproteste haben die Planer offenbar auch gedacht: Sie schrieben ausdrücklich, solche Veranstaltungen sollten nur selten stattfinden.

Nach einem erhofften positiven Ausgang des Referendums an der Elbe erwartet er eine Einigung über die noch strittige Finanzierung des Olympia-Projektes. Bisher hat der Bund keine Zusage für den von Hamburg geforderten Zuschuss von 6,2 Milliarden Euro gegeben. „Ich mache mir keinerlei Sorgen, dass es nicht gelingen wird, eine einvernehmliche und vernünftige Lösung zu finden“, sagte Hörmann.

Ein Finanzdebakel wie bei der Elbphilharmonie hält er beim Olympia-Vorhaben („absolut seriös gerechnet“) nicht für denkbar: „Wenn ich davon nicht überzeugt wäre, würde ich es im Übrigen auch aus Sicht des DOSB nicht mittragen.“

Bei einem Nein der Hamburger zu Olympia fürchtet der DOSB-Chef gravierende Folgen für die zukünftige Entwicklung des Sports. Eine erfolgreiche Olympia-Bewerbung würde „den dringend notwendigen Rückenwind für ganz Sportdeutschland“ geben. „Wenn dieser Impuls nicht kommen würde, werden wir den Sport trotzdem weiterentwickeln“, sagte Hörmann. „Ich mache aber auch keinen Hehl daraus, dass uns dann wertvolle und wichtige Effekte fehlen werden. Statt mit Rückenwind werden wir in dem Fall eher im Gegenwind weiterarbeiten.“

  • dpa
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