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Handball-Ass Tiedemann feiert 70. Geburtstag

Am heutigen Mittwoch feiert Handball-Star Paul Tiedemann seinen 70. Geburtstag. Zu den größten Erfolgen des Sportlers zählen die Feldhandball-Weltmeisterschaft 1963 und die Olympia-Goldmedaille in Moskau 1980.

Als Handballer war er auf dem Feld, in der Halle und als Trainer an der Seitenlinie einer der ganz Großen. Seinen 70. Geburtstag feiert der Weltmeister, Olympiasieger und begnadete Spielmacher Paul Tiedemann am heutigen Mittwoch im kleinen Kreis der Familie in seiner Wahlheimat Puchenau in Österreich.

Tiedemann, das war und ist ein Handball-Markenzeichen. Als erster Deutscher bestritt der Mann vom SC Dhfk Leipzig 100 Länderspiele, stand auf dem Großfeld und in der Halle, spielte für das gesamtdeutsche Team und diverse DDR-Auswahlmannschaften. Der schmächtige Rückraumspieler galt als einer der perfektesten Protagonisten seiner Sportart, wurde 1963 Feldhandball-Weltmeister, gewann mit seinem Verein drei Jahre später den Europapokal der Landesmeister und errang weitere nationale und internationale Meriten.

Seinen größten Erfolg feierte er vor einem Vierteljahrhundert als Trainer. In einem denkwürdigen Finale holte die DDR-Auswahl 1980 in Moskau die olympische Goldmedaille durch einen an Spannung nicht zu überbietenden 23:22-Finalerfolg gegen Gastgeber Udssr. "Das bleibt meine schönste Erinnerung, für mich das größte Spiel aller Zeiten", gibt der Erfolgstrainer unumwunden zu.

Weitere Erfolge in seiner Karriere folgten. Ende der 80er Jahre durfte Tiedemann als einer der ersten ostdeutschen Trainer ins Ausland wechseln. Ägypten hieß die neue Station, und noch heute spricht man im Land der Pharaonen mit Ehrfurcht vom Coach aus Deutschland, der mit seiner Art, Handball zu vermitteln, den Grundstein späterer Erfolge der Nordafrikaner legte.

Ägypten bedeutete aber auch einen tiefen privaten Einschnitt. Bei einem Verkehrsunfall in Kairo verlor Tiedemann seine Frau und beendete daraufhin seine Laufbahn am Nil. Vom Handball aber kam er nicht los. Er übernahm Linde Linz, ein eher mittelprächtiges Team in Österreich, das er 1994 bis ins Europapokal-Endspiel führte. Anschließend folgte er dem Ruf zur abstiegsbedrohten SG Hameln und hielt die Mannschaft aus der Rattenfängerstadt 1997 in der 1. Bundesliga.

Dabei blieb der einstige Spielmacher seiner Linie treu. Medienrummel und große Sprüche waren nicht Tiedemanns Sache. Der zweimalige Weltmeister und Kapitän der goldenen WM-Truppe von 1966, Erwin Porzner aus dem fränkischen Ansbach, spricht noch heute mit Hochachtung von seinem damaligen Kontrahenten, der in gesamtdeutschen Teams auch ab und an sein Mitspieler war: "Paul war immer ein Gentleman, kein Brüller, sondern ein Mann der leisen Töne, ein fairer Sportler." Noch heute verbinden Porzner und Tiedemann viele gemeinsame Erinnerungen, stehen sie brieflich und telefonisch in Kontakt.

Zu seinen Schützlingen aus der Olympiasiegermannschaft von 1980 ist die Bindung sogar noch enger. Erst im Mai sah man sich im anhaltinischen Köthen bei einem Traditionsspiel wieder, der Trainer coachte gewohnt sachlich, seine Spieler hörten zu und setzten die Anweisungen erfolgreich um. Für Stimmung in der Kabine sorgten andere. Wieland Schmidt beispielsweise, der einstige Weltklasse-Torwart aus Magdeburg, drohte dem Jubilar: "Spätestens zu deinem 80. Geburtstag kommen wir alle vorbei!"

© Sport-Informations-Dienst, Neuss

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