Handball-Bund droht Hallenbetreibern mit Entzug der WM 2007
Ticket-Frage droht zu eskalieren

Bescheidenheit ist nicht die Zier des Ulrich Strombach. Die „beste Weltmeisterschaft aller Zeiten“ verspricht der Präsident des ausrichtenden Deutschen Handball-Bundes (DHB) für die WM im Januar 2007. Das erste Großereignis im eigenen Land seit der WM 1982, glaubt er gar, werde seinem Sport „neue Dimensionen“ eröffnen. Knapp 15 Monate vor dem Eröffnungsspiel ist freilich die Vermarktung noch immer ungeklärt. Und nun droht dem DHB-Boss auch noch Ungemach mit einigen Hallenbetreibern in den zwölf WM-Standorten.

DÜSSELDORF. Diese verweigern derzeit die Unterschrift unter die vom DHB vorgelegten Verträge. Hintergrund ist ein heftiger Streit um die Vermarktung der Eintrittskarten. „Es gibt ein paar Hallen, die mit dem Ticketanbieter ihre Probleme haben“, bestätigt DHB-Vizepräsident Horst Bredemeier.

Wie verbissen der Ticket-Krieg hinter den Kulissen geführt wird, zeigt die kaum verklausulierte Drohung Strombachs, renitenten Partnern notfalls den WM-Standort wieder zu entziehen. Zögen die Hallen nicht mit, dröhnt Strombach, hätte der DHB „ja noch 15 Monate Zeit“, für Ersatz zu sorgen. Betroffen ist unter anderem die Kieler Ostseehalle, die stimmungsvolle Heimat des Deutschen Meisters THW. Die Möglichkeit des Entzugs sei „so erwähnt worden“, bestätigt Ostseehallen-Geschäftsführer Bernd Hoelcke.

Entzündet haben sich die Diskussionen an einem Exklusivvertrags des DHB mit dem Schweizer Anbieter Ticket-Corner, an den die WM-Standorte gebunden sind. Als der DHB diesen Deal Mitte September bekannt gab, „war das Geschrei unter den Hallenbetreibern groß“, so erlebte es Christian Schröder, Veranstaltungsmanager der Berliner Max-Schmeling-Halle. Denn Ticket-Corner gehört nicht zu den Schwergewichten der Branche und ist nur an den wenigsten Standorten präsent. Das bedeutet: Der Ticketvertrieb müsste mehrheitlich per Internet abgewickelt werden.

Daher befürchten viele Hallen eine zu geringe Auslastung. Die Erlöse aus dem Ticketverkauf sind aber das nahezu einzige Refinanzierungsinstrument der Standorte. Nach einem langwierigen Bietergefecht um den WM-Zuschlag müssen diese – in drei Tranchen – bis Ende 2006 über vier Millionen Euro an den DHB überweisen; allein die Kölnarena als Stätte des Finalwochenendes zahlt rund 800 000 Euro. In den ursprünglichen Kalkulationen spielten dabei die Erlöse aus den Vorverkaufsgebühren eine zentrale Rolle. Diese fallen nun weg, da Ticket-Corner sie weitgehend einstreicht. „Für die großen Hallen ist das dramatisch“, sagt Schröder. Und ist sich sicher: „Das gibt noch Heulen und Zähneklappern.“

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