Handball Bundesliga
Frauen-Bundesliga startet ins Ungewisse

Fast die komplette Nationalmannschaft ins Ausland geflüchtet, eine Zweiklassen-Gesellschaft droht, zudem leiden viele Erstligisten unter finanziellen Problemen - die Frauen-Bundesliga startet in eine ungewisse Saison.

Eine Woche nach den Männern startet heute unter unterschiedlichen Vorzeichen, aber auch mit einer größtenteils neuen Erwartungshaltung, die Saison in der Handball-Bundesliga der Frauen. Einig sind sich alle Beteiligten nur in einer Frage: Der nächste deutsche Meister wird entweder HC Leipzig oder Bayer Leverkusen heißen.

Die "Landflucht" setzte in der vergangenen Saison schon ein, als noch nicht mal die Play-off-Teilnehmer ermittelt waren. Gleich sieben Stars um Welthandballerin Nadine Krause (Leverkusen) oder Nationalmannschafts-Spielmacherin Maren Baumbach (Trier) sind nun weg. Doch weder für Bayer-Coach Renate Wolf ("Junge deutsche Spielerinnen bekommen jetzt die Chance, sich durchzusetzen"), noch für Bundestrainer Armin Emrich ist dies ein Grund, in tiefe Depressionen zu verfallen.

"Für unsere Nationalspielerinnen ist es nur von Vorteil, wenn sie sich wöchentlich mit der Weltspitze messen", sagt Emrich gut drei Monate vor der WM in Frankreich. "Jahrelang haben wir im eigenen Saft geschmort, jetzt kommt Bewegung in die Liga" sagt auch Leszek Krowicki, Trainer des VfL Oldenburg.

Im finanziellen Vergleich zur stärksten Männer-Liga der Welt kommen die Frauen jedoch als Aschenputtel daher. Der Etat aller zwölf Bundesligisten zusammen umfasst in etwa die Hälfte des Budgets von Triple-Gewinner THW Kiel über 6,5 Mill. Euro.

Meister Nürnberg knapp an der wirtschaftlichen Pleite vorbei

Meister Nürnberg schlidderte nur mit viel Glück an der wirtschaftlichen Pleite vorbei, musste die Hälfte seiner Meistermannschaft ziehen lassen und ist deshalb wohl kaum ein Titelanwärter. "Wir sind eine große Unbekannte, vor allem für uns selbst" meint Meister-Trainer Herbert Müller. Sein Team hat er größtenteils mit Spielerinnen aus der eigenen Regionalliga-Truppe ergänzt.

Während Topfavorit HC Leipzig um den dänischen Trainer Morten Arvidsson und die Trierer "Miezen", die fünf Nationalspielerinnen verloren, in Arenen mit einem Fassungsvermögen von bis zu 6 000 Zuschauern antreten, quält sich der Rest der Liga in mehr oder weniger großen Sporthallen durch die Saison und muss dabei die Trainingszeiten mit dem örtlichen Tischtennis-Klub abstimmen.

Hinter dem vermeintlichen Favoritenduo Leipzig/Leverkusen kämpfen in Meister Nürnberg, Vorjahres-Halbfinalist MJC Trier, dem Thüringer HC, dem FHC Frankfurt/Oder und eventuell den Nordlichtern aus Oldenburg und Buxtehude wohl gleich sechs Teams um die Teilnahme am Play-off-Halbfinale. Die beiden Liga-Neulinge TV Beyeröhde und HSG Sulzbach/Leidersbach werden ebenso wie die TSG Ketsch und die HSG Blomberg/Lippe um das sportliche und wirtschaftliche Überleben kämpfen.

© SID

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%