Handball Bundesliga
Nielsen belastet Schwenker und Serdarusic

Jesper Nielsen, Gesellschafter der Rhein-Neckar Löwen, hat im Zuge der Manipulationsvorwürfe gegen den THW Kiel Details genannt, die Uwe Schwenker und Noka Serdarusic belasten.

Erpressung mit Kontoauszügen, Bargeld-Bestechung und gegenseitige Schuldzuweisungen: Der Gesellschafter von Handball-Bundesligist Rhein Löwen, -Neckar Jesper Nielsen, hat im Zuge der Manipulationsvorwürfe gegen Rekordmeister THW Kiel erstmals Details genannt und Uwe Schwenker und Noka Serdarusic schwer belastet.

Im Gespräch mit der Hamburger Morgenpost berichtete der 39-Jährige von einer wahren Schlammschlacht zwischen den im Fokus der Staatsanwaltschaft Kiel stehenden Schwenker und Serdarusic. Beide hätten kurz vor dem WM-Finale in Zagreb zwischen Frankreich und Kroatien (24:19) am 1. Februar diesen Jahres die Manipulationen in der Champions League zugegeben. Nachdem Serdarusic vor dem Finale Löwen-Geschäftsführer Thorsten Storm über die Vorgänge informiert haben soll, habe Schwenker laut Nielsen nach dem WM-Endspiel "kurz nach Mitternacht in der Lobby des Hotels Esplanade" die Vorwürfe bestätigt.

"Ich fragte ihn, ob das mit den Bestechungen stimmt. Uwe sagte zu mir: "Es stimmt, dass die Schiedsrichter im Champions-League-Finale 2007 bestochen waren. Aber nicht ich habe das gemacht, sondern Noka. Das ist alles über den Balkan gelaufen. Ich habe dann gefragt: Wer hat das Geld überwiesen? Uwe meinte: "Noka. Ich hole mal unseren Gesellschafter Herrn Grote dazu, der weiß auch alles."

Kiel weist Vorwürfe zurück

Der THW Kiel wies alle Vorwürfe Nielsens in einer von Rechtsanwalt Stefan Purrucker gezeichneten Pressemitteilung zurück. Man gehe davon aus, dass die von Herrn Nielsen erhobenen Vorwürfe inhaltlich falsch und sachlich unbegründet seien. "Es liegen abweichende und gegenteilige Angaben beteiligter Dritter vor", heißt es. Da Nielsens Äußerungen "in zahlreichen Punkten2 zudem von eigenen früheren Aussagen vor den Ermittlungsbehörden und dem Amtsgericht Kiel abweichen, werde der THW beim Landgericht Kiel Anzeige gegen Nielsen wegen des Verdachts "einer falschen uneidlichen Aussage" erstatten.

Die Rhein Löwen-Neckar hatten zum Zeitpunkt der von Nielsen beschriebenen Gespräche Serdarusic bereits als Trainer für die neue Saison verpflichtet. "Und Schwenker sagte dann zu mir: "Noka muss bei euch Trainer bleiben. Ihr müsst ihm und seiner Frau Mirjana einen Maulkorb verpassen, sonst gibt es einen Riesen-Skandal in Deutschland . Ich habe Schwenker dann gefragt: Warum habt ihr das gemacht?", und die Antwort von Schwenker ließ angeblich nicht lange auf sich warten: "Er sagte: "Weil man nur so die Champions League gewinnt."

Anschließend traf sich Nielsen eigenen Angaben zufolge mit Serdarusic, um den Vertrag wieder aufzulösen. "Als Vorwand für das Gespräch haben wir ihm gesagt, wir wollten die nächsten Saisons planen. Thorsten Storm war dabei und sicherheitshalber unser Anwalt Christian Wiegert. Dann haben Noka und seine Frau ausgepackt. Noka sagte uns: "Uwe hat die Schuld, ich habe nur seine Anweisungen ausgeführt . Dann zeigte er uns Kontoauszüge seines Kumpels Nenad Volarevic. Auf den meisten stand "Transfer THW Kiel" drauf. Es war das Geld, was Volarevic dann an die Schiedsrichter verteilt hat", berichtete Nielsen.

Racheakt gegen Schwenker?

Dass Serdarusic die Kontoauszüge überhaupt in seinem Haus aufbewahrt hat, erklärt Nielsen im Gespräch mit der Hamburger Morgenpost wie folgt: "Serdarusic wurde ja von Schwenker 2008 entlassen. Mit den Kontoauszügen wollte Serdarusic aus Rache Schwenker selbst erpressen oder ihn aus dem Verein pressen."

Der Löwen-Gesellschafter vermutet, dass Serdarusic mit seinen Angaben über die Manipulationsvorwürfe seinen Job bei den Löwen retten wollte: "Er hat gesagt, dass am Anfang die Schiris mit Bargeld bestochen worden sind. Ich glaube, er hat darum gekämpft, Trainer bei uns bleiben zu dürfen, und hat deswegen die Flucht nach vorne angetreten. Er hatte schließlich einen sehr, sehr gut dotierten Drei-Jahres-Vertrag bei uns unterschrieben", sagte Nielsen, der wegen Serdarusic nicht sein Lebenswerk ruinieren und sich nicht nachsagen lassen wollte, "so eine Sache gedeckt zu haben".

Nielsen: Kein Zweifel an Manipulation

Dass das Champions-League-Finale 2007 zwischen Kiel und Flensburg mit Hilfe der Schiedsrichter manipuliert wurde, daran hegt Nielsen keinen Zweifel. "Die frühe Rote Karte gegen Boldsen hing mit der Bestechung zusammen. Und am Ende war es nicht nötig, offensichtlich für Kiel zu pfeifen. Serdarusic und Schwenker haben mir beide gesagt: Manchmal brauchten die Schiris vom Spielverlauf gar nicht parteiisch zu pfeifen. Das Geld war in einigen Spielen als Sicherheit dafür, falls es notwendig wird, dass die Schiris Kiel helfen müssen", sagte Nielsen.

Dass die Kieler, die unmittelbar vor dem Gewinn ihres 15. Meistertitels stehen, auch in der Bundesliga manipuliert haben, glaubt Nielsen dagegen nicht. "Nein. Aber Serdarusic hat gesagt, international sind 22 von den 25 Top-Schiedsrichter-Paaren für Bestechungsgelder empfänglich", sagte der 39-Jährige, der auch schon ein Strafmaß für den THW im Auge hat: "Internationale Sperre für drei Jahre, mit minus 20 Punkten in die nächste Bundesliga-Saison starten. Der Ruf des THW ist auf 20 Jahre ruiniert, der ganze Erfolg des Klubs ist nur auf Betrug aufgebaut."

© SID

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