Handball Bundesliga
THW Kiel wehrt sich gegen Nielsen-Attacken

Sportlich hat der THW Kiel den vorzeitigen Gewinn der Meisterschaft verpasst. Und auch abseits des Platzes kommt der Bundesliga-Spitzenreiter nicht zur Ruhe.

Die Manipulationsvorwürfe gegen den THW Kiel nehmen kein Ende und zu allem Überfluss sind die "Zebras" sportlich erstmals in dieser Bundesliga-Saison aus der Erfolgsspur geraten. Mit einem überraschend deutlichen 27:34 (13:19) beim TBV Lemgo kassierten die völlig verunsicherten Kieler am Sonntag die erste Saisonniederlage und verspielten den ersten Matchball zum Gewinn des 15. Titels. Bereits am kommenden Mittwoch im Heimspiel gegen die HSG Wetzlar reicht den Kielern aber ein Punktgewinn, um dann vier Spiele vor Saisonende die Schale als erste Mannschaft überhaupt zum fünften Mal in Folge zu holen.

Jesper Nielsen, Gesellschafter von Bundesliga-Konkurrent Rhein Löwen, -Neckar erneuerte derweil seine Attacken gegen den THW. "Ich schließe nicht aus, dass Kiel auch jetzt noch Schiedsrichter besticht", sagte Nielsen in einem Interview mit der Hamburger Morgenpost.

Die Antwort der Kieler ließ nicht lange auf sich warten. "Der THW benötigt keine öffentlichen Ratschläge des Herrn Nielsen, der mit seinen Hasstiraden gegen Uwe Schwenker und den THW Kiel offensichtlich auch von der eigenen unrühmlichen Rolle der Rhein Löwen-Neckar bei Abschluss und Beendigung des Trainervertrages mit Noka Serdarusic im Zusammenhang mit der geplanten Spielerverpflichtung von Nikola Karabatic ablenken möchte", heißt es in einer Erklärung der Kieler.

Staatsanwalt kann Vorwurf der Untreue offenbar beweisen

Die Staatsanwaltschaft Kiel, die unter anderem gegen den langjährigen THW-Manager Schwenker und Ex-Trainer Serdarusic wegen Betrugs- und Untreueverdachts ermittelt, geht nach Informationen der Süddeutschen Zeitung hingegen derzeit davon aus, den Vorwurf der Untreue in einem Hauptverfahren vor Gericht belegen zu können. Demnach seien die Ermittlungen im Inland abgeschlossen, weitere Vernehmungen werde es nach derzeitigem Stand nicht geben. Allerdings fehlen den Ermittlern noch Antworten auf Rechtshilfeersuchen nach Kroatien, Slowenien, Polen und die Ukraine.

Während sich die Staatsanwaltschaft mit Bestechungsvorwürfen bei Champions-League-Spielen in der Vergangenheit beschäftigte, hält Jesper Nielsen auch den bevorstehenden erneuten Titelgewinn für nicht verdient.

Schließlich sei auch der Gewinn der Champions League 2007 nur durch Betrug zustande gekommen. Nielsen: "Und ohne diesen Betrug hätte der THW keine Titelprämie gewonnen, hätte nicht so hohe Sponsoreneinnahmen und keinen Acht-Millionen-Etat, mit dem man sich so eine Mannschaft leisten kann."

Kiel will Anzeige gegen Nielsen erstatten

Der THW wies erneut alle Vorwürfe zurück. Vor den direkten Duellen im Champions-League-Halbfinale versuche Nielsen offenbar, die Stimmung aufzuheizen, hieß es in einer durch die Anwälte Gerald Goecke und Stefan Purrucker gezeichneten Erklärung. Bereits am Freitag hatte der Klub angekündigt, wegen des Verdachts einer "falschen uneidlichen Aussage" Anzeige gegen den Dänen Nielsen erstatten zu wollen.

Zugleich nahm der Druck auf den Europäischen Handball-Verband (EHF) zu. Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins Focus reagierte die EHF auf einen Hinweis des Bundesligisten SG Flensburg-Handewitt über Unregelmäßigkeiten im Champions-League-Spiel bei HC Croatia Zagreb (25:29) am 24. Februar 2008 erst, als die Manipulationsvorwürfe gegen den THW Kiel Anfang März dieses Jahres bekannt wurden.

"Wir fühlen uns sportlich betrogen", hieß es in einer Mitteilung der Flensburger an die EHF. Der Verband schickte laut Focus aber erst nach mehr als einem Jahr eine unabhängige Analyse des Spiels. Die Flensburger Vereinsspitze geht nach internen Recherchen davon aus, dass bei vier entscheidenden internationalen Spielen das Ergebnis nicht korrekt zustande gekommen sei. Darunter auch das Final-Rückspiel der Champions League 2007 beim THW Kiel.

Flensburg schaltet Sportrechtler ein

Daher schaltete die SG laut Morgenpost inzwischen den renommierten Sportrechtler Thomas Summerer ein, der Schadenersatzklagen vorbereitet. Die Flensburger wollen demnach den THW, die Schiedsrichter und den EHF verklagen. Dabei geht es um die Siegprämie in Höhe von 160 000 Euro. Summerer erstritt einst für Katrin Krabbe in einem siebenjährigen Gerichtsmarathon 1,2 Mill. Mark Schadenersatz gegen den Leichtathletik-Weltverband Iaaf.

Jesper Nielsen kann unterdessen nicht verstehen, dass der inzwischen zurückgetretene Manager Schwenker noch bis 30. Juni im Verein sei. "Ein Witz. Das sagt mir, dass die Gesellschafter Grote und Wegner mit drinhängen. Sie haben Angst, dass Uwe auspackt. So macht Kiel den ganzen Handball kaputt. Sie sind es uns allen und dem ganzen Sport schuldig auszupacken", meinte Nielsen, der bereits am Freitag in einem ersten Interview schwere Anschuldigungen gegen den THW erhoben und vor allem Schwenker und Serdarusic belastet hatte.

© SID

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