Handball-Bundesliga
„Wir leisten in Katar Entwicklungshilfe“

Das deutsche Team ist in die umstrittene Handball-WM in Katar gestartet. Im Interview spricht Frank Bohmann, Geschäftsführer der Handball-Bundesliga, über Kritik am Austragungsort und die kuriose Wildcard.
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Am Freitag ging für die deutsche Nationalmannschaft mit dem Spiel gegen Polen die Handball-WM in Katar los – und das erfolgreich. Frank Bohmann, Geschäftsführer der DKB Handball-Bundesliga, war schon im vergangenen Herbst vor Ort und hat die Sportstätten besichtigt. Im Interview spricht er über Kritik am Austragungsort, die umstrittene Wildcard für das deutsche Team und Investitionen der Klubs in junge Talente.

Herr Bohmann, nur dank einer umstrittenen Wildcard darf die deutsche Nationalmannschaft bei der Handball-WM mitspielen. Wie wichtig ist der Auftritt für die Liga?
Wir sehen die Nationalmannschaft als Kohlenwagen, der uns den Stoff gibt, um voranzukommen. Wir können nie unsere Strategie allein auf deren Erfolg oder Misserfolg aufbauen. Aber das Nationalteam spielt dabei eine ganz wichtige Rolle. Und in den letzten Jahren wurden die Ziele zu oft verfehlt.

Australien wurde für die Deutschen einfach aus dem Turnier gekickt. Die zweifelhaften Umstände der Qualifikation spielen also keine Rolle?
Die Wildcard selber ist in vielen Sportarten verbreitet, im Basketball kann man sie sogar kaufen. Auch im Tennis gibt es das. Es wäre in Ordnung gewesen, wenn der Internationale Handballverband IHF gesagt hätte: Wir möchten gerne aus den Ländern, in denen wir die Hauptverbreitung haben, einen WM-Teilnehmer haben – also Deutschland, Frankreich und Spanien. Die sind gesetzt. Sportlich ist das zu rechtfertigen, zumal Australien keine WM-reife Mannschaft hat, sportlich hätten die in Katar nichts verloren. Laut IHF war diese Entscheidung ja offenbar schon vor den Qualifikationsspielen gegen Polen getroffen worden. Aber es wurde nicht kommuniziert. Das war der Fehler.

Nun geht es nach Katar, das im Zusammenhang mit der Fußball-WM 2022 für viele Negativ-Schlagzeilen sorgt. Ist das ein guter Ort für eine Handball-WM?
Den Standort halte ich für nicht verkehrt. Ich war im Oktober da und habe die Spielstätten besichtigt. Die Hallen, die dort gebaut wurden, sind Weltklasse – in vielen Ländern wird man solche Arenen nicht finden. Wie Katar letztlich als Veranstalter rüberkommen wird, da will ich nicht vorgreifen. Das ist von vielen Faktoren abhängig – sicher auch davon, ob die Zuschauerränge in den schmucken Arenen gut gefüllt sein werden. Grundsätzlich ist es zu begrüßen, wenn wir in Regionen, in denen Interesse und die Mittel vorhanden sind, solche Events zu realisieren, für unsere Sportart Entwicklungshilfe leisten. Daran hat auch die Liga großes Interesse, so haben wir im letzten Jahr die U17-Nationalmannschaft aus Katar zum Liga-Rookie Cup nach Berlin eingeladen.

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