Handball Champions League
Deutsche Handball-Elite warnt vor Final-Four-Turnier

Die Reformpläne für die Handball-Champions-League sorgen bei deutschen Top-Klubs für Unruhe. Ein von der Europäischen Handball-Föderation (EHF) voran getriebenes Final-Four-Turnier auf neutralem Boden, das Halbfinals und Finale mit Hin- und Rückspielen ersetzt, lehnen THW Kiel und HSV Hamburg aus wirtschaftlichen Gründen ab.

KÖLN. Es sind hektische Tage für Uwe Schwenker. Fast täglich muss sich der Manager des THW Kiel zum Transfergerangel um Welthandballer Nikola Karabatic äußern, der unbedingt zu den Rhein-Neckar-Löwen wechseln will. Ein Thema, das dem Klub langfristig viel stärker schaden könnte als der Abgang seines Top-Stars, geht dabei fast unter: die anstehende Reform der Champions League. Schwenker befürchtet Millionenverluste angesichts der immer konkreteren Pläne für ein Endrundenturnier der vier besten Teams Europas, "Final Four" genannt.

Ende März tagt die Exekutive der Europäischen Handball-Föderation (EHF) in Moskau, und dann wird der Modus wohl radikal verändert. Die zweite Gruppenphase, die am Mittwoch mit dem Spiel HSV Hamburg gegen Portland San Antonio (34:23) begann, soll abgeschafft werden. Ab 2009/10 soll es ab dem Achtelfinale wieder im K.o.-System weitergehen, auch wird das Teilnehmerfeld von 32 auf 24 Klubs verringert. "Die Topklubs sind mehrheitlich für eine Reduzierung", sagt Peter Vargo, Geschäftsführer der EHF Marketing (EHFM), die von Wien aus die Champions League vermarktet.

Heftig umstritten dagegen ist die Einführung eines Final Four. Davon verspricht sich die EHFM höhere Erlöse als beim aktuellen Modus mit Hin- und Rückspiel, entsprechend zielorientiert wird das Projekt angegangen. "Unsere Aufgabe ist, die Rahmenbedingungen für ein Final Four aufzuarbeiten und darzulegen", sagt Vargo. Die potenziellen Partner unterstützen die Wiener. Der Kölner Privatsender RTL, der laut Vargo bereits im letzten Dezember über die Pläne unterrichtet wurde, steht der Idee grundsätzlich positiv gegenüber. "Ein Engagement in der Champions League hängt von den Rahmenbedingungen ab, beim aktuellen Modus ist das für uns nicht machbar", sagte RTL-Sportchef Manfred Loppe Ende Januar in Kroatien, als er die Handball-WM aus Sicht des Senders bilanzierte - RTL hat das Turnier erstmals übertragen.

Kommt das Final Four, wird die Premiere des Turniers wohl Ende Mai 2010 in Deutschland ausgetragen. "Das erste Final Four dürfte in Deutschland stattfinden, das bietet sich an", sagt Vargo. "Es gibt Gespräche mit Köln und Berlin." Die 19 000 Fans fassende "Lanxess Arena" in Köln, Austragungsort des Weltmeisterschaftsfinales von 2007, scheint dabei zurzeit im Vorteil. "Wir sind guten Mutes", sagt Thomas Krämer, der im Auftrag der Arena-Betreiber mit der EHFM verhandelt.

Der Mitbieter aus Berlin, die Anschutz Entertainment Group (AEG), bietet verschiedene Varianten: Das Final Four könnte in der brandneuen Berliner "O2 World"-Arena alljährlich stattfinden. Aber auch ein Rotationsmodell wäre möglich. In diesem Fall würde der Standort des Final Four von Berlin zur Ericsson-Arena nach Stockholm und zur "The O2 Arena" in London wechseln. Auch für AEG ist einzig und allein ein Final Four attraktiv. "Wir sind von dem Konzept eines Final Four überzeugt, davon profitieren alle Beteiligten", sagt Sascha Janzen, Director AEG Sports Europe. "Für die Zukunft kommt die Sportart Handball nicht daran vorbei."

Seite 1:

Deutsche Handball-Elite warnt vor Final-Four-Turnier

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%