Handball Champions League
Kiel und Co. greifen nach dem Titel-Triple

Nach 2007 könnte ein deutsches Handball-Trio erneut das Triple holen. Kiel kämpft um den CL-Sieg, Gummersbach um den EHF-Pokal und Nordhorn spielt um den Europacup der Pokalsieger.

Ein deutsches Handball-Trio setzt am Pfingstwochenende zum großen Wurf an: Meister THW Kiel will sich in der wohl schwierigsten Saison der Vereinsgeschichte ein zweites Mal Europas Handball-Krone aufsetzen, der VfL Gummersbach eine 18 Jahre andauernde Durststrecke beenden, und die HSG Nordhorn vor dem Zwangsabstieg noch einmal eine große Party feiern. Es winkt das zweite Europa-Triple nach 2007, als in Kiel (Champions League), dem HSV Hamburg (Pokalsieger) und dem SC Magdeburg (EHF-Cup) erstmals drei Bundesligisten alle Trophäen errungen hatten.

Nach einer von Manipulationsvorwürfen überschatteten Spielzeit geht der deutsche Rekordmeister Kiel nach dem 39:34 im Hinspiel gegen Titelverteidiger Ciudad Real mit einem Polster von fünf Toren in das Final-Rückspiel der Champions League am Sonntag in Spanien (18.00 Uhr). Doch nach der Meisterschaft und dem DHB-Pokal ist das Triple für Erfolgstrainer Alfred Gislason längst nicht unter Dach und Fach. "Die Entscheidung fällt in Ciudad, höchstwahrscheinlich erst in den letzten Sekunden", sagt der Isländer.

"Müssen noch besser spielen"

Auch für Kapitän Stefan Lövgren geht der Traum vom zweiten Triple nach 2007 nur mit einem Stück harter Arbeit in Erfüllung. "Fünf Tore Vorsprung sind zwar eine gute Ausgangsposition für uns, aber das kann sich auch schnell ändern. Wir müssen mindestens so gut wie im Hinspiel auftreten, wenn nicht noch besser spielen", fordert er. Für den Schweden ist das Endspiel in der Königsklasse das drittletzte Pflichtspiel bei den "Zebras", bevor der 38-Jährige seine Karriere nach zehn Jahren in Kiel beendet.

Rund 300km nordwestlich von Ciudad Real wartet auf die HSG Nordhorn heute (17.30 Uhr) das letzte große Handball-Highlight vor dem Zwangsabstieg in die zweite Liga. Im Finale um den Europacup der Pokalsieger gegen BM Valladolid erarbeitete sich die Mannschaft von Trainer Ola Lindgren im Hinspiel ein 31:30, vergab wenige Minuten vor dem Ende aber eine höhere Führung.

Somit wird das Rückspiel zur großen Zitterpartie. "Das wird eine ganz, ganz schwere Aufgabe", so Lindgren, "und wir müssen ganz fest an uns glauben". Für die insolventen Nordhorner wäre es nach dem Triumph im EHF-Pokal 2008 der zweite europäische Titel in Folge und zugleich die Startberechtigung im Pokalsiegerwettbewerb der kommenden Saison.

Für Gummersbach wäre es der erste Titel seit 18 Jahren

Deutlich weiter zurück in den Handball-Geschichtsbüchern findet sich der letzte große Erfolg des VfL Gummersbach. Der Traditionsklub hat im EHF-Pokalfinale nach dem 29:28 beim slowenischen Tabellenführer RK Gorenje Velenje die große Chance, am Pfingstmontag (18.30 Uhr) erstmals seit 26 Jahren wieder einen Sieg im Europapokal zu feiern. Mit der Meisterschaft 1991 liegt der letzte Titel bereits 18 Jahre zurück.

Trainer Sead Hasanefendic sieht sein Team nach der langen Durststrecke auf einem schmalen Grat: "Ich hoffe, sie werden deswegen nicht überdrehen. Die Motivation ist wichtig, aber es kommt auf die Dosis an."

1 983 hatten die Gummersbacher mit dem fünften Sieg im Europacup der Landesmeister die bislang letzte internationale Trophäe ins Oberbergische geholt. Einer der großen VfL-Helden damals war Heiner Brand. Der Bundestrainer wird es sich daher wohl nicht nehmen lassen, den möglichen Triumph zusammen mit mehr als 10. 000 Zuschauern in der Kölner WM-Arena zu verfolgen.

© SID

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