Handball EM
Titelverteidigung kein Thema für das deutsche Team

Heiner Brand formuliert die Ziele für die Handball-EM in der Schweiz vorsichtig. Nachdem auch Spielmacher Oleg Velyky wegen eines Kreuzbandrisses ausgefallen ist, muss sich das Team mit einer Außenseiter-Rolle begnügen.

Bei der am Donnerstag beginnenden Europameisterschaft in der Schweiz ist im deutschen Lager von der Titelverteidigung keine Rede mehr. "Unser Ziel ist es, die Großen ein bisschen zu ärgern. Vielleicht ist das sogar eine ganz angenehme Ausgangsposition", erklärte Bundestrainer Heiner Brand und stellt die EM wegen der ungünstigen Vorzeichen unter das Motto: "Improvisieren, kämpfen und hoffentlich positiv überraschen."

Dem Schock über das EM-Aus von Östringens Spielmacher Oleg Velyky (Kreuzbandriss) am vergangenen Wochenende soll in der St. Jakobshalle von Basel die Trotzreaktion folgen. Wenn möglich bereits zum Auftakt am Donnerstag gegen Weltmeister Spanien (15.45 Uhr/live in der ARD).

"Wir werden auch für Oleg spielen und fahren nicht zu einer EM, um die Spiele kampflos abzuschenken", beteuerte Weltklasse-Rechtsaußen Florian Kehrmann. Der Wahl-Lemgoer ist angesichts der Verletzungsmisere und der schwankenden Leistungen in der Vorbereitung trotzdem eher skeptisch: "Es wird schwer sein, über alle Spiele hindurch eine Trotzreaktion zu zeigen", sagte Kehrmann.

Angesichts der Hammergruppe, in der neben den Iberern die Slowakei am Samstag (14.00/live im WDR) und der WM-Dritte Frankreich am Sonntag (15.15/live im ZDF) in Basel warten, könnte den Olympia-Zweiten sogar erstmals das Aus nach der Vorrunde einer Europameisterschaft ereilen. "Das können wir eigentlich nicht machen, denn diese EM hat trotz allem eine große Bedeutung für uns", betonte Brand mit Blick auf die prestigeträchtige Heim-WM 2007, hält in der Schweiz einen Rang zwischen eins und vier allerdings für "unrealistisch".

"Platz acht wäre ein solides Ergebnis"

An eine Platzierung will der 53-jährige Gummersbacher, der sein Team seit Sonntagabend per Video auf die Spanier vorbereitet, seine Zielsetzung nicht koppeln. Anders als DHB-Vizepräsident Horst Bredemeier: "Die Qualifikation für die Hauptrunde und dann vielleicht Platz acht wären schon ein solides Ergebnis. Ich traue der Mannschaft eine gute EM zu."

Großes Sorgenkind ist nach dem Rücktritt von Daniel Stephan, dem verletzungsbedingten EM-Verzicht von Markus Baur (beide TBV Lemgo) sowie den Ausfällen des Nordhorners Holger Glandorf (Kniebeschwerden) und von Velyky der Rückraum. Mit dem "Geist von Steinbach", der am trainingsfreien Sonntag in der südbadischen Sportschule beschworen wurde, will der WM-Neunte in der Alpenrepublik zumindest kämpferisch Berge versetzen.

Hoffnung geben die ansteigende Form von Torhüter Henning Fritz ("Wir haben einen guten Ruf zu verteidigen"), Linkshänder Christian Zeitz (beide THW Kiel) sowie Pascal Hens (HSV Hamburg), der bei der gelungenen EM-Generalprobe gegen Ungarn (30:26) am vergangenen Samstag in Mannheim auf der "Königsposition"überzeugte. Auch von Routinier Volker Michel (Frisch Auf Göppingen) wird nach seinem dreifachen Nasenbeinbruch einiges erwartet.

Brands Favoriten sind Kroatien, Spanien, Frankreich und Slowenien

Nach zwei abschließenden Trainingstagen in Steinbach am Montag und Dienstag beginnt die Reise ins Ungewisse am Mittwochmorgen mit der Busfahrt ins Fünf-Sterne-Hotel am Baseler Messeplatz. Während sein Team einer "Wundertüte" gleicht, sieht Brand in Olympiasieger Kroatien, Spanien, Frankreich und Slowenien die EM-Favoriten.

Aus den vier Vierergruppen qualifizieren sich die jeweils drei Besten jeder Staffel für die Hauptrunde (ab 31. Januar). Die Finalrunde (4./5. Februar) findet im Hallenstadion in Zürich statt. Als Gastgeber ist die DHB-Auswahl bereits für die WM 2007 qualifiziert. Ein Platz unter den ersten Fünf wäre nötig, um vorzeitig das Ticket für die EM 2008 in Norwegen zu lösen.

© SID

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