Handball National
"Monsieur Handball" feiert heute 85. Geburtstag

Heute verneigt sich die Handball-Welt einmal mehr vor Bernhard Kempa. "Monsieur Handball" feiert seinen 85. Geburtstag - dennoch ist sein sportlicher Ehrgeiz noch immer unerschöpflich.

"Monsieur Handball" ist nicht zu bremsen: Wenn Bernhard Kempa heute beim Empfang in der Göppinger Stadthalle seinen 85. Geburtstag inmitten einer Schar geladener Gästen feiert, hat der frühere Handball-Nationalspieler schon die nächste Herausforderung im Auge.

Nächstes Ziel: Tennis-Europameister

Obwohl er noch immer einen Knöchelbruch auskuriert, erlitten im März beim Skilaufen in Südtirol, will Kempa im Januar 2006 in der Halle in Seefeld und im Juli im Freien in Pörtschach Tennis-Europameister in seiner Alterklasse werden. "Wenn die Kondition stimmt, kann ich den Titel nochmal holen", sagt Bernhard Kempa, in dessen Karriere der Ball beim Handball, beim Tennis und später beim Golf Trumpf war. Trumpf ist weltweit auch der nach ihm benannte "Kempa-Trick", der ihn unsterblich macht.

"Steilpass in den Torraum"

Am 24. März 1954 im inoffizellen Länderspiel in Karlsruhe zwischen Deutschland und der Schweiz (10:10) wurde der Spielzug erstmals öffentlich gezeigt. Dabei wird der Ball in den Torraum geworfen, wo ihn ein Spieler im Flug fängt und ohne zwischenzeitliche Bodenberührung das Tor erzielt. "Der Steilpass in den Torraum", beschreibt Kempa selbst kurz und bündig sein Meisterstück. Noch heute gehört dieser Spielzug zu den Finessen im Handball. Kempa hatte als einer der ersten begriffen, dass Feld- und Hallenhandball unterschiedliche Anforderungen stellen: Schnelligkeit und Kraft auf dem Großfeld, Eleganz und Raffinesse auf dem Hallenparkett

. Bernhard Kempa reifte in den fünfziger Jahren zu einem der besten Handballer der Welt. Er sagt: "Ich habe den Sport immer anders gesehen als viele andere, er hat mir immer Freude gemacht darum hatte ich Erfolg. Da ich ihn immer rationell betrieben habe, kann ich ihn auch heute noch ausüben."

Das im Oberschlesischen geborene Allroundtalent bestritt während seiner aktiven Laufbahn 31 Länderspiele, wurde 1952 und 1954 Feldhandball-Weltmeister, 1954 außerdem Vizeweltmeister in der Halle und errang mit Frisch Auf Göppingen als Spieler vier deutsche Meisterschaften. Als Trainer gewann der ehemalige Oberstudienrat mit Frisch Auf in der Halle und auf dem Feld neun deutsche Meistertitel, dabei von 1958 bis 1961 ununterbrochen. 1960 gewann sein Team als erster deutscher Klub überhaupt den Hallenhandball-Europapokal.

Lehrmeister auf vier Kontinenten

Zudem lehrte Kempa in zwölf Jahren auf vier Kontinenten "seinen Sport", dem er mittlerweile eine bedenkliche Entwicklung attestiert: "Der Handball ist viel dymanischer geworden, die Kraft dominiert, beim Festhalten, Klammern, Schieben mache ich manchmal die Augen zu, das ist fast Rugby. Daher kommen auch die vielen Verletzungen." Dennoch ist "Monsieur Handball" Stammgast bei den Heimspielen "seines" Frisch Auf Göppingen. Für sein Wirken erhielt Kempa das Bundesverdienstkreuz, die Goldene Ehrennadel des Deutschen Handball-Bundes (DHB) und den Weltpionierorden des internationalen Verbandes.

Nach dem Ende seiner Handball-Karriere mit 45 Jahren stieg er intensiv ins Tennis ein. Ohne je eine Trainerstunde genommen zu haben, gewann der Ausnahmekönner mit dem unwahrscheinlichen Ballgefühl 47 deutsche Meisterschaften (Einzel/Doppel/Mixed), 34 Europa- und zwei Weltmeistertitel: "Ich spiele mit großem Spaß und derselben Einstellung wie früher. Mit wenig Kraft kann man auch im Tennis viel erreichen."

© SID

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