Handball-Nationalcoach fiebert Turnier entgegen
„WM im eigenen Land wird eine Riesenfreude"

Eine verbale Titeloffensive a la Jürgen Klinsmann ist nicht die Masche von Heiner Brand. 100 Tage vor der WM im eigenen Land mag es der Handball-Bundestrainer lieber leiser, auch wenn das Ziel das gleiche ist: "Natürlich wollen wir den Titel", sagt Brand im Interview mit dem Sport-Informations-Dienst (sid).

sid: "Ist die WM im eigenen Lande für Sie die bislang größte Herausforderung?"

Heiner Brand: "Als WM ist sie sicherlich wie jede andere. Aber durch die besonderen Umstände im eigenen Land und mit der Hoffnung, dass für den Handball viel dabei rausspringt, ist das sicherlich die größte Herausforderung."

sid: "Die Fußballer haben eine tolle WM hingelegt. Es war eine unheimliche Begeisterung, ein Imagegewinn für Deutschland. Geht das auch beim Handball?"

Brand: "Das wird sicherlich beim Handball nicht so sein können, aber wir können uns positiv darstellen. Dass alles beim Fußball in anderen Dimensionen ablief, ist klar. Aber wir können für Handballverhältnisse sehr, sehr viel bewegen."

sid: "Jürgen Klinsmann stand vor der Fußball-WM sehr unter Druck. Da gab es die Niederlage gegen Italien. Da wurde schon von Ablösung geredet. Spüren Sie 100 Tage vor der WM auch so einen Druck?"

Brand: "Ich habe vor jedem großen Turnier Druck verspürt, jetzt etwas früher. Aber die Situation Klinsmann ist nicht mit meiner zu vergleichen. Ich habe schon andere Erfahrungen und Erfolge als Trainer aufzuweisen, während das bei ihm ja Neuland war."

sid: "Gibt es Parallelen zur Arbeit von Jürgen Klinsmann?"

Brand: "Ich habe es auch schon mal mit Hilfsmitteln versucht. So wie Klinsmann mit Hans-Dieter Hermann, so haben wir mit Jörg Löhr gearbeitet. Das sind alles so Mosaiksteinchen, die zusammenpassen müssen: Spaß an der Sache, Teamgeist, Motivation."

sid: "Wie sehen Sie realistisch die Chance, im eigenen Land eine Medaille zu holen?"

Brand: "Nahziel ist sicherlich, zum Viertelfinale nach Köln zu kommen. Und dann ist jedes Spiel ein Endspiel. Diese Chance müssen wir nutzen. Beim Handball ist alles so eng, deswegen ist so vieles möglich. Da liegt mit der Unterstützung der Zuschauer unsere Riesenchance."

sid: "Ab wann ist die WM für Sie ein Erfolg?"

Brand: "Ich mache das nicht immer von der Platzierung abhängig, sondern von der Leistung. Wir müssen das Optimale abrufen, dann kommt im Normalfall auch eine gute Platzierung raus. Aber wenn wir das Halbfinale erreichen, ist das ein Riesenerfolg. Das heißt jedoch nicht, dass wir damit zufrieden sind."

sid: "Warum sagen Sie nicht wie Klinsmann: Wir wollen den Titel. Und zwar klipp und klar."

Brand: "Natürlich ist das Ziel der Titel. Ich bin aber schon etwas länger im Geschäft und werde mein Verhalten auch nicht mehr ändern. Ich bin von meiner Persönlichkeit sicherlich anders gelagert, und da werde ich auch nicht von abgehen, nur weil Klinsmann es anders gemacht hat. Ich habe es immer so gehalten, dass ich zumindest nach außen etwas vorsichtiger in der Formulierung bin. Was ich nach innen sage, ist ja meine Sache."

sid: "Ist folgendes Szenario denkbar: Die Mannschaft erreicht das Viertelfinale nicht und Heiner Brand sagt, ich mache nicht weiter? Oder werden Sie auf jeden Fall bis Peking 2008 im Amt bleiben?"

Brand: "Im Normalfall schon. Es bestehen Verträge, die pflege ich einzuhalten. Aber das ist ein Thema, mit dem ich mich derzeit nicht beschäftige. Ich konzentriere mich auf die WM. Ich will alles dafür getan haben, dass wir eine gute WM spielen. Mit den Konsequenzen beschäftige ich mich nicht."

sid: "Gibt es zwischendurch bei Ihnen Momente, wo Sie ein wenig Angst haben vor all dem, was auf Sie zukommt?"

Brand: "Nein, Angst nicht. Dieser Druck ist da. Aber Angst nicht. Dazu bin auch zu lange dabei. Und man muss eben eine WM im eigenen Land bei aller Belastung auch als Riesenfreude ansehen. Ich meine, das werden sicherlich auch Erlebnisse für uns sein, die wir nicht vergessen. Da kann man als Sportler nur von träumen. Insofern ist die Vorfreude schon vorhanden - bei allem Druck und aller Belastung."

© SID

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