Handball Nationalmannschaft
Brand-Team ohne Baur nach Peking

Markus Baur wird den deutschen Handballern bei Olympia in Peking fehlen. "Die Führung in Lemgo wollte nicht, dass er mitfährt', sagte Bundestrainer Heiner Brand

Handball-Bundestrainer Heiner Brand muss bei den Olympischen Spielen in Peking (8. bis 24. August) auf seinen Kapitän und Spielmacher Markus Baur verzichten. "Er wird nicht dabei sein. Die Führung in Lemgo wollte nicht, dass er mitfährt", sagte Bundestrainer Heiner Brand dem Sport-Informations-Dienst (sid) und bestätigte damit eine Meldung von Sport-Bild-online.

Der Weltmeister-Coach verliert damit seinen verlängerten Arm auf dem Spielfeld. "Er war die Führungsperson. Jetzt müssen wir eine andere Lösung finden", meinte der Gummersbacher Brand. Auch Markus Baur wäre gern zu seinen vierten Sommerspielen gereist, sieht sich aber als Trainer beim TBV Lemgo in der Pflicht. "So schwer es mir fällt, es ist nun mal nicht zu bewerkstelligen, als Trainer eine relativ neu zusammengestellte Mannschaft zwei Monate allein zu lassen und erst gut eine Woche vor dem ersten Meisterschaftsspiel wieder die Zügel in die Hand zu nehmen", so Baur.

Ohne der 37-Jährigen hat Brand in Michael Kraus nun nur noch einen Spielmacher mit internationaler Erfahrung zur Verfügung. Allerdings hatte Kraus die Erwartungen zuletzt nicht immer erfüllen können und war von Heiner Brand vorübergehend sogar aus dem Kader gestrichen worden. Bereits zuvor hatte der Bundestrainer den talentierten Spielmacher bereits häufiger wegen seiner Einstellung ermahnt.

Hintergrund von Baurs Absage ist seine seit 1. Januar ausgeübte Tätigkeit als Trainer beim TBV Lemgo. Wenn der 37-Jährige an den Olympischen Spielen teilgenommen hätte, wäre er erst zehn Tage vor Saisonbeginn zu seinem Klub gestoßen. "Markus hätte dann unter Druck gestanden. Das hätte keinem geholfen", so Brand, der Verständnis für die Entscheidung zeigte.

Ein Hintertürchen bleibt für Baur offen

Nur den Zeitpunkt kann Brand nicht ganz nachvollziehen. "Es hat vorher offensichtlich Kommunikationsprobleme mit dem TBV gegeben", erklärte Brand und begründete so, dass nicht schon früher entschieden worden sei, dass dem Olympiazweiten von 2004 die Krönung zum Abschluss seiner glanzvollen Laufbahn verwehrt wird.

Ein Hintertürchen ist allerdings für den Europameister von 2004 noch offen. Wenn man in Not gerate und etwas Außergewöhnliches passiere, werde es noch einmal ein Gespräch geben, so Brand. Dafür müsste sich Kraus in der Vorbereitung, die Anfang Juni beginnt, allerdings verletzen.

Obwohl Markus Baur durch seine Trainertätigkeit in Lemgo die Spielpraxis fehlt, hatte ihm Brand immer zugesichert, dass er für Peking mit ihm plane, wenn er fit sei. "Ich muss mich bei Heiner bedanken, dass er mir die Olympia-Chance bis zuletzt offen gehalten hat. Für jeden Sportler ist Olympia das Größte, und als Weltmeister sind wir dort bestimmt nicht chancenlos", meinte Baur.

Nun dürfte die Begegnung um Platz drei bei der EM in Norwegen am 27. Januar gegen Frankreich (26:36) wohl das letzte seiner 228 Länderspiele gewesen sein. Baur, der im Nationaltrikot 712 Tore warf und als sicherer Siebenmeterschütze galt, gab sein Länderspieldebüt am 4. August 1994 gegen Marokko in Balingen.

© SID

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%