Handball
Wie Andreas Rudolph den HSV Hamburg auf Erfolg trimmt

Andreas Rudolph ist ein Mann, der polarisiert. Der Präsident will aus seinem HSV Hamburg den „FC Bayern des Handballs“ machen. Und er ist auf gutem Weg, hat das geschafft, was viele für unmöglich hielten: Es ist heute angesagt, in der Hamburger Color Line Arena Handball zu schauen – für Sponsoren wie für Fans.
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KÖLN. Manchmal schnaubt Andreas Rudolph, wenn er ein Spiel seines Handballklubs HSV Hamburg verfolgt. Als Pascal Hens & Co. im Pokalhalbfinale 2009 gegen den VfL Gummersbach geradezu abstürzten und das ersehnte Pokalfinale gegen den THW Kiel verpassten, tobte der HSV-Präsident vor Wut. Damals flüchtete er nach Mallorca, zog sich zurück auf sein mondänes Anwesen mit Sicht aufs Mittelmeer. "Ich wollte damals jeder Diskussion aus dem Weg gehen", blickt Rudolph zurück.

Das ist das eine Gesicht des 54-Jährigen. Das andere Gesicht präsentiert er in dieser Saison. Meistens steht Rudolph auf Höhe der eigenen Abwehrreihe, die Arme verschränkt, konzentriert die Spielzüge studierend. Und oft jubelt er, auch nach der Schlusssirene. Denn der HSV Hamburg bietet dem Rekordmeister THW Kiel endlich die Stirn: Bislang ist das Team ohne Punktverlust in der Bundesliga, im Pokal ebenfalls noch im Wettbewerb, und auch in der Champions League zählen die Hanseaten zu den großen Favoriten. Es könnte sein, dass sich jetzt die große Vision erfüllt, die Rudolph schon vor Jahren formulierte: "Wir wollen der FC Bayern des Handballs werden."

Rudolph ist ein Mann, der polarisiert. Zuletzt brach er im Frühjahr ein Tabu: Er berichtete in einer spektakulären Pressekonferenz von einer Episode in seiner mallorquinischen Finca. Dort habe ihm der damalige THW-Manager Uwe Schwenker in angetrunkenem Zustand Manipulationen in der Champions League gebeichtet. Schwenker dementierte, musste aber schließlich zurücktreten. Die Szene empfand Rudolphs Vorgehen als Affront - derartige Vorwürfe wurden bis dahin hinter verschlossenen Türen geäußert. Man regelte das unter sich in der Handball-Familie.

Mitglied dieser Familie ist Rudolph seit 2004. Damals war der Klub finanziell marode, der kurz zuvor aus Bad Schwartau nach Hamburg gezogen und in den HSV Hamburg umfirmiert worden war. "Eine Ruine", erinnert sich Rudolph. Den HSV führte damals ein Präsident, der später eine Gefängnisstrafe absaß. Rudolph hatte eine Loge gemietet. Als er von den finanziellen Schwierigkeiten erfuhr, half er aus. "Ich habe ein paar Mal die Hallenmiete bezahlt, damit die Halle wenigstens aufgeschlossen wurde", erzählt er. So begann die Wandlung des angeschlagenen Klubs zu einem Weltklasse-Ensemble.

Rudolph war schon in jungen Jahren ganz dicht dran am großen Handball. Geboren 1955 in Gummersbach, spielte er in der Jugend des VfL, des damals erfolgreichsten Handballklubs der Welt, später in der zweiten Mannschaft des OSC Rheinhausen. Als er aber nach dem Abitur zum Studium in den amerikanischen Bundesstaat Georgia ging, "da war meine Handballkarriere früh beendet". Über die eigenen sportlichen Fähigkeiten auf der halblinken Position macht sich Rudolph keine Illusionen. "Ich wäre nie ein großer Handballer geworden."

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