Handball-WM: Deutsches Team scheidet im Achtelfinale aus

Handball-WM
Deutsches Team scheidet im Achtelfinale aus

Dagur Sigurdsson hat den deutschen Handball an die Weltspitze zurückgeführt. Die Vollendung seiner Arbeit blieb ihm verwehrt. Deutschland verlor gegen Katar. Der Isländer verlässt den DHB ohne das erhoffte WM-Edelmetall.
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ParisK.o. statt Krönung: Die Ära von Handball-Bundestrainer Dagur Sigurdsson endete am Sonntagabend im WM-Achtelfinale gegen Katar abrupt und unerwartet früh. Nach dem bitteren Aus der „Bad Boys“ bei der Endrunde in Frankreich durch die vermeidbare 20:22-Niederlage verabschiedet sich der Isländer ohne die erhoffte Medaille in seine Heimat, von wo aus der 43-Jährige künftig die Nationalmannschaft des nächsten Olympia-Ausrichters Japan betreut.

Trotz der misslungenen WM-Mission hinterlässt Sigurdsson im Deutschen Handballbund (DHB) tiefe Spuren. „Dagur hat das Denken im deutschen Handball nachhaltig geändert – das wird über seine Zeit hinaus wirken“, hatte DHB-Vizepräsident Bob Hanning die Arbeit des Familienvaters schon vor zwei Monaten gewürdigt, nachdem Sigurdsson seinen vorzeitigen Abschied nach der WM offiziell bestätigt hatte.

Seit seiner Amtsübernahme im August 2014 hatte er die damals schwächelnden Handballer zurück in die Weltspitze geführt und im Januar 2016 mit dem EM-Triumph den größten Coup seit dem WM-Titel 2007 gelandet. Bei den Sommerspielen in Rio folgte mit Bronze die erste Olympia-Medaille seit zwölf Jahren.

Doch nicht nur der DHB verliert etwas, sondern auch Sigurdsson. „Es wird schmerzhaft, diese Mannschaft zu verlassen“, sagte er vor der WM in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur. „Sie wird wahrscheinlich in den nächsten Jahren auch Titel gewinnen, und dann ist es natürlich etwas bitter, dass man dann nicht dabei ist.“

Sigurdsson hat eine junge Mannschaft aufgebaut, die sein Nachfolger weiterentwickeln und bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio zu Gold führen soll. Die Bundesligatrainer Christian Prokop (SC DHfK Leipzig) und Markus Baur (TVB Stuttgart) sind die Anwärter auf den Posten, den Sigurdsson akribisch ausgefüllt hat.

Zum Markenzeichen des Querdenkers wurde seine blaue Taktiktafel, die er oft sogar mit ins Bett nahm. Für seine Ehefrau Ingibjörg sei jene Tafel „schon manches Mal ein rotes Tuch“ gewesen, schrieb Sigurdsson in seiner jüngst erschienenen Autobiografie mit dem Titel „Feuer und Eis: Mit Leidenschaft zum Erfolg“. Halbe Nächte brachte er dann damit zu, „die kleinen Magneten hin und her zu bewegen, bis ich eine neue Spielkombination ausgetüftelt hatte.“

Das wird er künftig in Island tun. Nach rund acht Jahren in Berlin zieht es seine Familie und ihn zurück in die Heimat. Von dort wird er regelmäßig zu den Lehrgängen mit dem japanischen Nationalteam jetten. Möglich, dass er sich auf den langen Flügen ins Land der aufgehenden Sonne an seine schöne Zeit beim DHB erinnert.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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