Handball WM: Deutschland verpasst Halbfinal-Einzug

Handball WM
Deutschland verpasst Halbfinal-Einzug

Die deutschen Handballer haben bei der WM in Kroatien den Halbfinal-Einzug verfehlt. Gegen Dänemark kassierte die DHB-Auswahl eine 25:27-Pleite.

Johannes Bitter stürmte wutentbrannt auf die Schiedsrichter zu, seine Kollegen starrten fassungslos ins Leere und schüttelten immer wieder den Kopf: Nach dem 25:27 (14:14) in einem Handball-Krimi gegen Europameister Dänemark hatten die deutschen Weltmeister nicht nur den Glauben an Gerechtigkeit verloren, sondern auch die Chance auf den Einzug ins WM-Halbfinale aus eigener Kraft verspielt. Als dann auch noch im letzten Spiel der Hauptrundengruppe II in Zadar zwischen Vize-Weltmeister Polen und Norwegen die Schützenhilfe nach einem polnischen 31:30-Sieg in allerletzter Sekunde ausblieb, war der Medaillentraum endgültig geplatzt.

"Es ist ein Alptraum, was hier mit uns gemacht wird. Davon werde ich in einem Jahr noch träumen", meint Torhüter Johannes Bitter und konnte sich über die Leistung der rumänischen Schiedsrichter Constantin Din und Laurentiu Dinu gar nicht mehr beruhigen. Beim Stand von 25:25 in der 58. Minute hatte Bitter einen Wurf der Dänen deutlich berührt und ins Aus gelenkt.

Der Feldschiedsrichter entschied zunächst auch auf Abwurf, dann wurde jedoch auf Ecke für Dänemark korrigiert. Statt Ballbesitz für Deutschland blieb der Europameister im Angriff und erzielte schließlich den vorentscheidenden Führungstreffer. Statt Halbfinale steht nun am Donnerstag das Spiel um Platz fünf gegen Ungarn an.

Brand: "Von Betrug will ich nicht reden"

Bundestrainer Heiner Brand blieb anders als nach dem nervenaufreibenden 24:25 gegen Norwegen am Samstag äußerlich ganz gelassen, brodelte innerlich aber wohl doch: "Was die uns heute gestohlen haben, holen wir uns wieder", rief Brand seinen Spielern unmittelbar nach dem Spiel zu und meinte später: "Von Betrug will ich nicht reden, sonst ermittelt da wieder der Weltverband gegen mich." Erst vor zwei Tagen hatte der Gummersbacher mit seinem Wutausbruch gegen die Schiedsrichter nach dem Norwegen-Spiel für Aufsehen gesorgt. "Aber ich bin stolz auf die kämpferische Leistung meiner Mannschaft."

Die hatte sich nach der Niederlage ins Hotel verzogen und bekam dort den Erfolg der Polen mit, nur bei einem Unentschieden wäre die deutsche Mannschaft wie die Dänen ins Halbfinale eingezogen. Nun stehen dort die Polen.

Ohne den verletzten Spielmacher Michael Kraus war der Lemgoer Sebastian Preiß mit sieben Toren bester Werfer für die aufopferungsvoll kämpfende deutsche Mannschaft. Mit einer lockeren Trainingseinheit, Massagen und Videoanalysen hatten sich die Deutschen auf ihr erstes "Endspiel" in Kroatien vorbereitet. Bereits im Halbfinale der EM 2008 und im abschließenden Vorrundenspiel bei Olympia in Peking hatten die Dänen die DHB-Auswahl zuletzt jeweils in entscheidenden Spielen das Nachsehen gegeben.

Nach dem Ausfall von Kraus, der gegen Norwegen einen Außenbandriss im linken Sprunggelenk erlitten hatte und seinen Kollegen via Fernsehkamera vom Krankenbett unmittelbar vor dem Anpfiff noch alle Gute wünschte, führte der 22 Jahre alte Martin Strobel wieder Regie beim Titelverteidiger. Mit dabei war trotz einer Oberschenkelverhärtung zwar Pascal Hens, doch der dick bandagierte Hamburger blieb blass und saß ab der 20. Minute nur noch als Antreiber auf der Bank.

Bitter hält Partie offen

Eine schnelle 3:1 Führung konnten die Deutschen nicht lange halten, es schlichen sich die Fehler des gesamten Turniers wieder ein: Vorne ging der Ball durch Unkonzentriertheiten verloren und die Chancenauswertung gegen Torhüter Kasper Hvidt war zu schwach. Da aber auf der anderen Seite auch die Dänen ihre Nervosität nicht immer unter Kontrolle hatten und Bitter im deutschen Tor wieder eine gute Leistung zeigte, blieb die Partie völlig offen.

Einen starken Tag erwischten Kreisläufer Preiß und der für Hens ins Spiel gebrachte Lars Kaufmann (6), die mit ihren Toren immer wieder für Jubel im schwarz-rot-goldenen Fanlager sorgten. Böse erwischt wurden die Deutschen dann aber in der allerletzten Szene vor dem Pausenpfiff, als der Flensburger Lasse Boesen einen direkten Freiwurf über die gesamte deutsche Abwehr und Bitter hinweg zum 14:14-Halbzeitstand ins Tor donnerte.

Umso entschlossener kam die Brand-Sieben dann aber aus der Kabine und hatte zunächst alle Vorteile. Der ansonsten etwas müde wirkende Holger Glandorf warf in der 36. Minute erstmals einen Zwei-Tore-Vorsprung heraus, doch wie schon in den vorangegangen Spielen war das für die deutsche Mannschaft kein beruhigendes Polster.

© SID

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