Handball WM
DHB-Frauen stehen im WM-Halbfinale

Mit einem Zittersieg haben die deutschen Handballerinnen bei der WM in Frankreich den Einzug ins Halbfinale geschafft. In der Runde der letzten Acht gewann die DHB-Auswahl in Paris mit 36:33 (18:14) gegen Angola.

Die Frauen des Deutschen Handball-Bundes (DHB) stehen bei der Weltmeisterschaft in Frankreich kurz vor dem Gewinn der ersten Medaille seit zehn Jahren. Die Auswahl von Bundestrainer Armin Emrich besiegte im Viertelfinale in Paris Afrikameister Angola nach einer Zitterpartie mit 36:33 (18:14). "Wir haben uns den Erfolg verdient, aber es war das erwartet harte Stück Arbeit. Jetzt freuen wird uns auf das nächste Spiel ", meinte Emrich nach der Begegnung. Im Halbfinale trifft die DHB-Auswahl am Samstag erneut in Paris (15.00 Uhr) auf Europameister Norwegen, der Südkorea beim 35:24 (16:12) keine Chance ließ.

Im zweiten Semifinale stehen sich in einer Neuauflage des letzten Finals Titelverteidiger Russland (36: 35 gegen Ungarn) und Rumänien (34:31 n.V. gegen Frankreich) gegenüber.

Jurack, Melbeck und Krause torhungrig

Vor rund 4 000 Zuschauern im Palais Omnisports besiegelten Grit Jurack (11/1 Tore/Viborg HK), Stefanie Melbeck (6/KIF Kolding) und Welthandballerin Nadine Krause (6/1/FC Kopenhagen) den sechsten Sieg im achten Turnierspiel binnen zwölf Tagen. Der Jubel kannte nach dem Sprung unter die letzten Vier keine Grenzen mehr. Bereits vor der Partie hatte Welthandballerin Nadine Krause betont, dass "diese Mannschaft reif ist für eine Medaille". Zuletzt hatte das DHB-Team, das 1993 Weltmeister geworden war, bei der Heim-WM 1997 Bronze geholt.

Zwei Tage nach der abschließenden Hauptrundenpleite gegen Rumänien (24:32) startete die deutsche Mannschaft im Viertelfinale hochkonzentriert und setzte das taktische Konzept von Emrich zunächst perfekt um. Im Angriff traf Linkshänderin Jurack fast nach Belieben und steuerte zur raschen 6:1-Führung (8.) allein vier Tore bei.

Die Trefferquote der Emrich-Formation lag Mitte der ersten Halbzeit bei exzellenten 90 Prozent. Zudem kaufte der Favorit dem wurfgewaltigen Rückraum Angolas mit einer offensiven und aggressiven Deckungsvariante den Schneid ab. Allerdings versäumte es der WM-Sechste von 2005, seine Führung stetig auszubauen.

"Im Halbfinale hat man natürlich immer eine Chance"

Angola, das in der Hauptrunde überraschend Gastgeber Frankreich (29:27) besiegt hatte und erstmals in ein WM-Viertelfinale einzog, hielt den Rückstand konstant bei fünf Treffern. Nicht zuletzt, weil die deutsche Defensive vor allen Dingen die Aufbauspielerinnen Marcelina Kiala (13) und Ilda Bengue (8) nicht in den Griff bekam. Zur Matchwinnerin avancierte aber Torhüterin Clara Woltering. Die erst kurz vor der Halbzeit eingewechselte Leverkusenerin behielt in der hektischen Schlussphase kühlen Kopf, als Angola trotz einer Sieben-Treffer-Führung der Deutschen in der 55. Minute noch einmal auf 33:35 (59.) verkürzen konnte.

Woltering wehrte die vielen Glückwünsche aber ab. "Wir gewinnen als Mannschaft und verlieren als Mannschaft. Jetzt wartet das Halbfinale und dort hat man natürlich immer eine Chance, egal wer kommt", sagte die 24-Jährige mit Blick auf die Vorschlussrunde. Durch den Sprung in die Runde der letzten Vier erspielte sich der EM-Vierte von 2006 zudem das Heimrecht für eines der drei Qualifikationsturniere für die Olympischen Spiele 2008 in Peking Ende März nächsten Jahres.

Unnötige Spannung in der Schlussphase

Auch nach dem Wechsel zeigte die deutsche Equipe Nerven und leistete sich haarsträubende Fehler wie zwei vergebene Siebenmeter, so dass Angola auf 21:23 (42.) verkürzen konnte. Erschwerend kam hinzu, dass Krause erneut nicht gänzlich überzeugen konnte. Doch angeführt von einer immer stärker werdenden Torhüterin Woltering und Jurack, die ihre Führung in der WM-Torschützenliste eindrucksvoll ausbaute, zogen die Deutschen binnen sechs Minuten auf 30:24 (48.) davon. Dennoch mussten die DHB-Frauen aber bis zum Ende zittern.

Die deutsche Auswahl hatte sich akribisch auf die "große Unbekannte" Angola vorbereitet. Bereits wenige Stunden nach der Schlappe gegen Rumänien und einer ausgiebigen Joggingrunde durch Dijon am Dienstagabend hatte Emrich mit dem ausgiebigen Videostudium begonnen. Auch am Mittwoch auf der Fahrt mit dem Hochgeschwindigkeitszug TGV nach Paris waren die Gedanken an Gegner Angola allgegenwärtig.

Am Donnerstagmorgen hatte Emrich zudem noch eine personelle Veränderung vorgenommen. Der Pädagoge berief Rechtsaußen Ulrike Stange vom Bundesligisten HC Leipzig und strich Maike Brückmann (TSG Ketsch) wegen einer Rückenverletzung aus dem 15-köpfigen Kader. In den beiden noch ausstehenden Begegnungen kann Emrich sein Aufgebot noch um eine Spielerin aufstocken.

© SID

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%