Handball WM
DHB-Frauen wollen über Angola ins WM-Halbfinale

Wenn die deutschen Handballfrauen heute im Viertelfinale der WM auf Angola treffen, winkt die erste Halbfinalteilnahme bei einer Weltmeisterschaft seit zehn Jahren. "Angola ist unberechenbar", warnt jedoch Grit Jurack.

Deutschlands Handballerinnen treffen heute im Viertelfinale der Weltmeisterschaft in Frankreich auf Afrikameister Angola (13.00 Uhr/live bei Eurosport.). Bei einem Sieg würden die Frauen des Deutschen Handballbundes (DHB) den ersten WM-Halbfinaleinzug seit zehn Jahren perfekt machen.

"Angola ist unberechenbar, sie spielen unorthodox. Und daran ist schon so manch einer gescheitert", warnte Torjägerin Grit Jurack vor dem Afrikameister, der nach Jahren als "Mauerblümchen" in der Hauptrunde sogar Gastgeber Frankreich (29:27) besiegt hatte und erstmals den Sprung unter die besten Acht schaffte. Bundestrainer Armin Emrich, der ein intensives Videostudium ankündigte, sagte zu den forschen Auftritten des WM-13. von 2001: "Angola hat mit seinen Glanzleistungen alle erschreckt. Es gilt, sich gut vorzubereiten."

Die Gefahr, dass seine Spielerinnen den Außenseiter nach dessen bitterer Pleite zum Abschluss der Hauptrunde gegen Titelverteidiger Russland (27:40) unterschätzen könnten, sieht Emrich nicht. "Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass das nicht passieren wird. Jede weiß, es geht ab jetzt um alles oder nichts", betonte der 56-Jährige, der mit einem "Auswärtsspiel" in dem mit 14 000 Zuschauern ausverkauften Palais Omnisports in Paris-Bercy rechnet. Emrich: "Das macht es sehr schwer für uns."

Jurack sieht Favoritenrolle nicht bei Deutschland

Ein Grund mehr, warum auch Dänemark-Legionärin Jurack die Favoritenrolle nicht annehmen will. "Wir sind ein gutes europäisches Team, sie sind die beste afrikanische Mannschaft. Und wer Frankreich im eigenen Land schlägt, der hat einiges zu bieten", mahnte die Linkshänderin aus Viborg, die vor Beginn der K.o.-Runde zusammen mit der Ungarin Anita Görbicz (beide 50 Treffer) die WM-Torschützenliste anführt.

Obwohl Emrich nicht vom "Wunschgegner Angola" sprechen will, erscheinen die Afrikanerinnen objektiv betrachtet als leichtester Viertelfinal-Kontrahent. Kein Wunder, dass die bis dahin unbesiegte deutsche Mannschaft ihre deutliche 24:32 (12:16)-Niederlage gegen Vize-Weltmeister Rumänien wohl wie einen Sieg gefeiert haben dürfte. Denn hätte der EM-Vierte von 2006 die Rumäninnen bezwungen, würde in der Runde der letzten Acht Gastgeber Frankreich warten. Im Halbfinale stünde am Samstag ein Duell gegen Europameister Norwegen oder Südkorea an.

Direkt zugeben wollte eine absichtliche Niederlage natürlich niemand. Doch Emrich schonte in der zweiten Halbzeit seine Leistungsträgerinnen Jurack und Nadine Krause, die weiter auf der Suche nach ihrer gewohnten Form ist. Die Welthandballerin war bei der EM 2006 und der WM 2005 jeweils Torschützenkönigin. Derzeit hat die Rückraumspielerin nach sieben Partien 31 Treffer auf ihrem Konto und verfolgt weiter hartnäckig ein großes Ziel: "Diesmal wollen wir endlich die Medaille. Wir sind reif dafür."

Angola indes will seinem Handball-Märchen ein weiteres Kapitel hinzufügen. "Jetzt wollen wir auch das Viertelfinale gewinnen. Und wer weiß, vielleicht wartet am Ende die Goldmedaille", erklärte Torjägerin Nair Almeida, die wie alle ihrer Kolleginnen noch in der Heimat spielt. Trainer Jeronimo Neto sieht die Geniestreiche seine Mannschaft als "Droge fürs Volk": "Wir hatten 20 Jahre lang Krieg. Erst seit vier Jahren ist Angola befriedet. Die Menschen brauchen Erfolgserlebnisse. Der Sieg gegen Frankreich war ein Sieg für unser Land, ja für ganz Afrika."

© SID

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