Handball-WM in Katar: Sport im Schatten von Luxus und Korruption

Handball-WM in Katar
Sport im Schatten von Luxus und Korruption

Die Handball-WM in Katar ist gestartet. Das Mega-Event gilt als Testlauf für die Fußball-WM in sieben Jahren. Das Turnier ist so skandalverseucht wie das große Vorbild. Das stört weder Funktionäre noch Fußballer.
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DüsseldorfIn sieben Jahren erst startet die Fußball-WM in Katar, über die bisher kaum jemand ein positives Wort verloren hat. Im Gegenteil: Skandale um Korruption und nicht eingehaltene Menschenrechte umwehen das Turnier, dessen Starttermin nach unendlichen Querelen noch immer nicht feststeht. Dabei ist fast untergegangen, dass in Katar bereits heute ein Skandal-Turnier gestartet wurde: die Handball-Weltmeisterschaft 2015.

Auch bei der Vergabe der Handball-WM vor vier Jahren war der Aufschrei groß – viele witterten Betrug. Vor allem in Frankreich, dessen Verband bei der Vergabe leer ausging, regte man sich tierisch auf. Nicht zu Unrecht: Im Gegenzug für die Vergabe nach Katar kaufte der Sender BeIn Sports, ein Ableger des Staatssenders al-Dschasira, dem Weltverband IHF für 100 Millionen Schweizer Franken die Übertragungsrechte der WM-Turniere bis 2017 ab – die WM in Katar hat den Verband reich gemacht.

An BeIn Sports liegt es auch, dass die Weltmeisterschaft in Deutschland nicht im Free-TV läuft. Der Staatssender wollte die Rechte an die interessierten ARD und ZDF nur unter der Bedingung verkaufen, dass die beiden Öffentlich-Rechtlichen ihr Satellitensignal im Ausland blockieren. Darauf wollte man sich bei den Sendern nicht einlassen.

Auch Verhandlungen über die Zweitverwertungsrechte scheiterten, der Bildschirm in Deutschland drohte ganz schwarz zu bleiben. Am Ende erbarmte sich der Pay-TV-Sender Sky, der das Turnier nun exklusiv im deutschen Fernsehen ausstrahlt. Das ist auch ein Schlag für den deutschen Handballbund (DHB), denn die geringere Reichweite bedeutet auch geringere Sponsoreneinnahmen.

Die Handball-WM im Wüstenstaat sprengt alle bisher dagewesenen Dimensionen. Drei supermoderne Hallen wurden für das Turnier neu gebaut, die größte in Lusail bietet Platz für 15.000 Zuschauer. 220 Millionen Euro lässt sich Katar das alles kosten. Zum Vergleich: das ist zehnmal mehr als die WM 2007 in Deutschland verschlungen hat.

„Katar will die Messlatte für alles höher legen, was wir organisieren“, sagte Saoud Bin Abdulrahman Al-Thani, Generalsekretär des Nationalen Olympischen Komitees. Dafür ist die Arena in der Reißbrett-Stadt Lusail im Norden Dohas das beste Beispiel. Die nagelneue Final-Arena spiegelt mit ihrem geschwungenen Glasdach das Streben des Emirats nach einer Rolle einer Sport-Großmacht.

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